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Trotz Tod seines Förderers: Boxer Davide Faraci holt vierten Titel in Folge

Boxer Davide Faraci hat sich den vierten Schweizer-Meister-Titel in Serie geholt. Ein Spaziergang war das allerdings nicht: Kurz vor der Meisterschaft verstarb Förderer Walter Grimm, zudem hat der 22-Jährige eine lange Verletzungspause hinter sich.

Philipp Zimmermann
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Davide Faraci und sein verstorbener Präsident Walter Grimm.

Davide Faraci und sein verstorbener Präsident Walter Grimm.

Davide Faraci gewann den Finalkampf im Mittelgewicht (bis 75 kg) gegen den Lausanner Amir Orfia zwar klar nach Punkten. «Der Kampf war alles andere als locker», sagt er aber. «Wir waren beide scharf auf den Sieg. Ich musste richtig kämpfen.»

Faraci und Orfia standen sich an der Schweizer Meisterschaft am Sonntag in Zürich erstmals im Ring gegenüber. Im Halbfinal haben der 22-Jährige vom Boxring Baden und sein Trainer Engin Köseoglu den Lausanner beobachtet. «Die Linke hielt er relativ weit unten.»

Der Aargauer setzte deshalb seine Rechte häufiger ein. Er gewann alle drei Runden nach Punkten. An der Schweizer Meisterschaft wurden die Punkte erstmals nicht nach einzelnen Treffern, sondern wie bei den Profis jeweils nach Ende einer Runde vergeben.

Faracis Präsident verstarb nach Krebsleiden

Ein Mann hätte sich besonders gefreut über den Sieg von Davide Faraci: Walter Grimm, der langjährige Präsident des Boxring Baden. Der 64-jährige Grimm verstarb eine Woche vor dem Titelkampf nach einem Krebsleiden. Er war ein Förderer des jungen Boxers aus Leuggern.

«So etwas bringt einen schon zum Nachdenken», sagt Faraci am Montag, nur wenige Stunden nach der Beerdigung von Walter Grimm.

Der grosse Traum

Für ihn ist der Tod des Förderers ein schwerer Schlag. Denn Grimm war überzeugt von den Qualitäten der grössten Schweizer Box-Hoffnung. Faraci hat sich die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio zum Ziel gesetzt.

Für diesen Traum – 2012 fehlte ihm zur Qualifikation nur ein Sieg – hat er sein Arbeitspensum auf 50 Prozent halbiert, um möglichst optimal trainieren zu können.

«The Bomber» steht auf dem blauen Trikot von Amir Orfia – am Ende heisst der Sieger trotzdem Davide Faraci
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Hier landet Amir Orfia (blau) einen Treffer
Der 22-jährige Davide Faraci ist im Vorwärtsgang
Davide Faraci (rot) trifft, sein Gegner wirkt beeindruckt
Davide Faraci nach seinem vierten Schweizer-Meister-Titel in Folge

«The Bomber» steht auf dem blauen Trikot von Amir Orfia – am Ende heisst der Sieger trotzdem Davide Faraci

Jack Schmidli

Sponsoren allerdings fliegen dem jungen Boxer nicht einfach so zu. «Walter Grimm hat sich persönlich eingesetzt, um Sponsoren für mich zu finden», erzählt Faraci. «Und er wollte mich auch in der nächsten Zeit unterstützen.» Den Tod von Grimm hat er während des Kampfes verdrängt. «Da muss man abschalten. Sonst kommt das nicht gut.»

Nach Sehnenanriss wieder voll zuschlagen

Dass die Titelverteidigung kein Zuckerschlecken war, liegt zudem an der schweren Verletzung, die Faraci ab Mai zu einer sechsmonatigen Boxpause gezwungen hatte. Im Mai zog er sich einen schweren Sehnenanriss zu, Ärzte prophezeiten ihm, dass er wahrscheinlich 30 Prozent seiner Schlagkraft in der linken Faust einbüssen werde.

Ein Krafttest hat aber vor kurzem gezeigt, dass er auch mit seiner linken Führhand wieder voll wird zuschlagen können. In Zürich spürte Faraci, dass er noch nicht wieder ganz der alte ist. «Mir fehlte noch die Sicherheit», sagt er und gibt zu: «Ich bin froh und sehr erleichtert, dass ich den Titel gewonnen habe.»

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