Challenge League
Trotz personellem Notstand nur zweite Wahl – sind Josipovic und Ciarrocchi bald nicht mehr beim FCA?

Neuzugänge sind wichtig, doch es braucht weitere Massnahmen zur Krisenbewältigung. Zuletzt fielen beim FC Aarau in der Offensive vor allem Zoran Josipovic und Alessandro Ciarrocchi negativ auf. Trainer Marinko Jurendic kündigt Härte an.

Sebastian Wendel
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Zoran Josipovic verschleudert sein Talent beim FC Aarau.

Zoran Josipovic verschleudert sein Talent beim FC Aarau.

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Sébastien Wüthrich hat sich im Juni mit seiner Flucht aus Aarau nicht nur Freunde gemacht. Doch die Aussagen des neuen Spielmachers von Servette nach dem 3:0 am vergangenen Freitag gegen den FCA sollte man im Brügglifeld mehr als nur zur Kenntnis nehmen.

Spätestens jetzt müssen die Alarmglocken läuten. Wüthrich sagt nach Spielschluss zur «AZ»: «Es tut mir wirklich weh, Aarau so zu sehen. Aber ich habe gespürt, dass der Verein in eine Krise geraten wird und keine Chance hat, vorne mitzuspielen. Das habe ich den Verantwortlichen so mitgeteilt.» Der 27-Jährige sagt weiter: «Ich habe mit Servette in dieser Saison schon gegen die Abstiegskandidaten Rapperswil und Chiasso gespielt, aber der FC Aarau war mit Abstand der schwächste und einfachste Gegner.»

FCA- Servette
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FCA- Servette

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Nicht nur für Wüthrich – für alle, die den FCA im Stade de Genève haben spielen sehen, steht fest: Es muss etwas passieren. Aarau ist nach dem sechsten Spieltag Tabellenletzter. Und wie, wenn nicht ohne tiefgreifende Massnahmen, will er dort unten rauskommen?

Mit vollem Herzen dabei?

Passiert ist bereits am Samstag etwas: Wie erwartet hat der neue Sportchef Sandro Burki seinen ersten Transfer finalisiert und Gilles Yapi als seinen eigenen Nachfolger als Patron im defensiven Mittelfeld präsentiert. Der 35-Jährige kommt leihweise bis Ende Saison vom FCZ. Beim Super-League-Aufsteiger spielte der Ivorer keine Rolle mehr, für den FC Aarau könnten seine Spielintelligenz und seine Erfahrung aus FCB-, YB- und Nationalmannschaftszeiten kurzfristig Gold wert sein.

Zuzüge sind das Eine. Genauso machen sich Burki und Cheftrainer Marinko Jurendic Gedanken darüber, welche Spieler im bestehenden Kader den Anforderungen genügen. Und von welchen man sich vor den wegweisenden Spielen gegen Wohlen, Chiasso und Rapperswil trennen muss. Wer hat sportlich genug Qualität? Wer ist mit vollem Herzen dabei und bereit, das Ego in die zweite Reihe zu stellen? Auf welche Spieler sich ein Trainer verlassen kann und auf wen nicht, das zeigt sich in Krisenzeiten.

Jurendic ist ein pedantischer Verfechter des intakten Kollektivs. Jetzt, da der FC Aarau tief im Schlamassel steckt, die Euphorie des Neuanfangs verflogen ist, dürften sich ihm diesbezüglich die Augen öffnen: Das Kader ist nicht nur sportlich planlos zusammengestellt, sondern passt auch von den Charakteren her nicht zusammen. Dass da eine harmonische Mannschaft auf dem Platz steht, dieser Eindruck ist in dieser Saison noch nie entstanden.

«Ich kann schon auch anders»

Beim Auswärtsspiel in Genf stehen 15 Feldspieler auf dem Matchblatt – einer davon ist der lädierte Juan Pablo Garat. Bleiben noch 14 voll einsatzfähige Profis. Trotz diesem personellen Notstand sitzen Alessandro Ciarrocchi und Zoran Josipovic zu Beginn auf der Ersatzbank. Beide könnten auf dem Flügel spielen, doch Jurendic nominiert auf dieser Position lieber keinen Spieler als einen der beiden. Zufall? Kaum.

Beide haben schon lange nicht mehr bewiesen, dass sie dem FC Aarau helfen können. Bei Ciarrocchi liegt es wohl eher an der Qualität denn an der Einstellung. Josipovic hingegen verschleudert sein Talent mit seiner Nonchalance: In Genf liefert er nach der Einwechslung mit dem Ballverlust vor dem 0:3 eine weitere Kostprobe davon.

Alessandro Ciarrocchi konnte dem FC Aarau bisher nur wenig helfen.

Alessandro Ciarrocchi konnte dem FC Aarau bisher nur wenig helfen.

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Stehen Ciarrocchi und Josipovic vor dem Aus? Müssen sie in die U21? Der Trainer begründet ihre Nichtnomination für die Startelf nüchtern: «Sie haben sich unter der Woche nicht für einen Einsatz aufgedrängt.»

Doch dem sonst so gefassten Jurendic ist in den Katakomben des Stade de Genève anzumerken, dass es in ihm brodelt. Das liegt nicht an der Aussprache mit den mitgereisten Fans, die der Mannschaft klarmachen, dass sie mehr Kampf und Leidenschaft fordern. Das liegt daran, dass Jurendic ein weiteres Mal, von einigen Spielern mehr, von anderen weniger, enttäuscht worden ist. Bevor er geht, sagt er: «Ich kann schon auch anders.»

Der FC Aarau muss nach der Länderspielpause sein böses Gesicht zeigen. Gut möglich, dass der Trainer in Form von personellen Massnahmen ein Zeichen setzt.