Eine rappelvolle Dreifachturnhalle und enthusiastische Zuschauer bildeten am Samstag die Kulisse für den «Kampf der Kantone» in Frauenfeld. Die Schweizer Mannschaftsmeisterschaften im Geräteturnen finden immer am 44. Wochenende des Jahres statt – und siehe da: Die Aargauer Teams der Kategorien 7 und Damen liessen sich durch die lautstarken Anfeuerungsrufe der rund 900 Fans motivieren. Sie wandelten die Anspannung und das Adrenalin in sauber und elegant geturnte Übungen um. Sowohl die KD-Mannschaft als auch die K7-Turnerinnen – die auf zwei Wettkampfplätzen parallel zueinander starteten – überzeugten von Beginn weg.

Sieg nach Zitterpartie am Boden

Am Start- und Zittergerät Reck zeigten beide Teams keine Nerven und zogen ihre Darbietungen souverän durch. Nach einem kurzfristigen Tief am Boden – Stefanie Fretz und Lisa Schwammberger (beide Getu Uerkheim) gelangen die Akrobatik-Teile nicht wie gewünscht – raffte sich die K7-Mannschaft wieder auf und zeigte dem Publikum an den Schaukelringen schönste Turnkunst. Daneben konnten sich die routinierten Ü22-Turnerinnen von Gerät zu Gerät steigern und den Wettkampf am Sprung souverän beenden, sodass am Ende 0,75 Punkte Vorsprung auf die Zweitplatzierten aus dem Kanton Zürich resultierten.

Angeführt wurden die KD-Frauen wie bereits im Vorjahr von der 27-jährigen Manuela Crameri (BTV Aarau). Die amtierende Ü22-Schweizer-Meisterin befand sich auch dieses Jahr in Bestform, erreichte mit 38,00 Punkten das höchste Einzelresultat ihrer Kategorie und hievte sich hiermit erneut in die Favoritenrolle für den Einzel-Final, der in zwei Wochen in Oberbüren SG ausgetragen wird. Nach all den Jahren im Turnsport und zahlreichen gewonnenen Pokalen zeigte sich Crameri noch immer überwältigt vom Erfolg: «Es ist wunderschön, dass wir diesen Titel heute verteidigen konnten. Wir wussten zwar, dass ein Podestplatz realistisch ist, sofern alle ihre gewohnten Leistungen abrufen. Dass wir nun wieder Gold in Empfang nehmen durften, übertrifft jedoch alles.»

Starke Reaktion auf den Unfall

Ebenfalls Edelmetall erturnten sich die Turnerinnen der höchsten Kategorie. Dies ist, vor allem angesichts eines Zwischenfalls am letzten Gerät, als grosser Erfolg zu werten. Das Team musste mit ansehen, wie Stefanie Fretz bei ihrem 2. Sprung nach einer Schraube unglücklich zwischen Trampolin und Matte aufprallte und sich dabei einen Arm brach. Nach einem rund 20-minütigen Unterbruch gelang es den weiteren Aargauerinnen jedoch, sich nochmals zu fokussieren, ihre Sprünge sicher zu landen. Dank diesem guten Abschluss hievten sie sich auf den verdienten 3. Rang, den sie im letzten Jahr noch knapp verpasst hatten. «Wir wollten nach Stefanies Unfall unbedingt die Medaille gewinnen, auch und vor allem für sie», sagte Teambetreuerin Anita Bösch. «Wir sind überglücklich und stolz, dass es geklappt hat und wir die Mannschaftsmeisterschaften erfolgreich zu Ende führen konnten.»

Erfolgreich ging es für den Aargau auch am Sonntag weiter: Die Nachwuchsturnerinnen aus der Kategorie 5 holten sich die Silbermedaille, und im K6 turnte sich die 2. Mannschaft sensationell auf den 3. Rang. Erika Wendel, Aargauer SM-Verantwortliche, bilanzierte: «Wir sind superzufrieden. In allen Kategorien standen wir auf dem Podest – was will man mehr?»