Challenge League

Trotz 30-minütiger Überzahl: Der FC Aarau vergibt beim 0:0 in Lausanne die Chance, näher an den Barrage-Platz heranzukommen

Nach der ersten Halbzeit konnten die Aarauer froh sein über das 0:0. Nach dem Schlusspfiff jedoch fühlt sich das Remis an wie eine vergebene Topchance, in der Tabelle Boden gutzumachen.

Das muss es doch sein! Es läuft bereits die 94. Minute, als der Ball vor die Füsse von Gianluca Frontino fällt. Die Nummer 10 zögert keinen Moment und zieht aus zehn Metern direkt ab. Doch der Schuss wird im Getümmel vor dem Lausanne-Tor geblockt. Ob von Goalie Castella, einem Verteidiger oder gar einem Teamkollegen Frontinos, wird nicht ersichtlich. Egal - Fakt ist: Die Möglichkeit ist vertan. Und mit ihr die grosse Chance für den FC Aarau, auf drei Punkte an Rang 2 heranzukommen, der zur Barrage-Teilnahme berechtigt. Denn wenige Sekunden nach der grössten Aarauer Torchance des gesamten Spiels pfeift Schiedsrichter Jaccottet ab. So bleibt der FC Aarau sechs Punkte hinter Lausanne (Rang 2) und fünf hinter Winterthur (Rang 3) auf Tabellenplatz 5 kleben. 

"Es ging alles so schnell, ich habe nicht lange überlegen können. Schade, das war eine gute Chance", sagte Frontino über den vergebenen Matchball. Primär jedoch freute sich der 29-Jährige darüber, nach langer Verletzungspause der Mannschaft endlich wieder helfen zu können. 

Wie ist dieses 0:0 aus FCA-Sicht einzuordnen? Die Antwort des Optimisten: Es ist ein guter Punkt. Denn Lausanne war in der ersten Halbzeit die spielbestimmende Mannschaft, griff den Gegner überraschend früh an und schnürte so die Aarauer richtiggehend ein. Die Gäste konnten von Glück reden, überstanden sie die ersten 45 Minuten ohne Gegentor: In der 7. Minute landete ein Abschluss des Ex-Aarauers Igor Nganga an der Latte. In der 36. Minute brauchte es das gesamte Können von FCA-Goalie Djordje Nikolic beim Schuss von Koura. Auf der anderen Seite hatte der FCA nur einen halbwegs gefährlichen Schuss durch Elsad Zverotic auf das Lausanne-Tor zu verzeichnen.

In der Halbzeitpause forderte FCA-Trainer Patrick Rahmen von seiner Mannschaft, öfter über die Flügel anzugreifen. Die Ansage kam an, denn sofort nach dem Wiederanpfiff war Besserung im Aarauer Offensivspiel zu erkennen. 

Dann die 57. Minute: Lausannes Rechtsverteidiger Lucas Pos stieg rüde gegen Linus Obexer ein - klare Gelbe Karte. Weil Pos nach einem Foul an Misic in der 3. Minute bereits verwarnt war, spielte der FCA ab sofort mit einem Mann mehr. Der Platzverweis für den schwächsten Spieler auf dem Platz war berechtigt - und ausgleichende Gerechtigkeit: Den Pos hätte bereits kurz nach seiner ersten gelben Karte wegen eines weiteren gelbwürdigen Fouls an Misic vom Platz fliegen müssen. Schiri Jaccottet hatte wohl nicht den Mumm, zu einem so frühen Zeitpunkt dem Heimteam einen Spieler wegzunehmen.

Nach dem Platzverweis für Pos kippte das Übergewicht blitzschnell auf die Seite der Aarauer. In der 63. Minute scheiterte Zverotic nach einem Bürgy-Kopfball aus bester Position an Castella. Danach aber blieben weitere FCA-Topchancen trotz optischer Überlegen aus, bis in der 94. Minute der eingewechselte Frontino den Matchball auf dem Fuss hatte.

Der Grund, warum die Gäste in Überzahl nicht mehr gefährliche Situationen kreieren konnten, war nicht etwa die gute Defensivarbeit von Lausanne. Im Gegenteil: Es waren die FCA-Spieler, die im Angriff viel zu unsauber und hektisch agierten.

So kommt nach dem Abpfiff der Pessimist zum Schluss: Der FCA hat den Steilpass, einen grossen Schritt in Richtung Barrage zu machen, nicht verwertet. Lausanne wäre an diesem Abend nach dem Platzverweis zu knacken gewesen. Somit wartet Aarau weiterhin auf einen Sieg gegen eine Mannschaft des Spitzentrios Servette, Lausanne und Winterthur.  

FCA-Trainer Patrick Rahmen sprach nach dem Spiel von "einem guten Punkt. Über die ganze Spielzeit gesehen ist es das gerechte Ergebnis. Wir haben gegen eine Spitzenmannschaft gespielt. Wie würden wir jetzt dastehen, wenn wir nach dem Platzverweis alles nach vorne geworfen hätten und Lauanne uns mit einem Konter erwischt hätte?"

Rahmen sagt weiter: "Ich kann verstehen, dass nach den Resultaten der vergangenen Wochen die Erwartungshaltung gestiegen ist. Aber man darf einfach nicht vergessen, wo wir in dieser Saison schon mal standen. Wir haben in den letzten 13 Partien zehn Punkte auf Lausanne gut gemacht. Wir haben nun sechs Zähler Rückstand auf Rang 2, das ist nicht wenig, aber genauso ist es alles andere als nicht aufholbar. Wir haben mit Blick auf die verbleibenden zwölf Partien eine gute Ausgangslage."

Sinnbildlich für die ganze Partie ist die Gesamtbilanz des FCA in dieser Saison gegen Lausanne: Aarau hat in drei Spielen gegen die Waadtländer nie verloren. Aber halt auch nie gewonnen.

Sie haben die Partie verpasst? Lesen Sie den Verlauf der Partie im Liveticker nach:

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