Schweizer Cup

Traumlos ohne Traumresultat: Der VBC Windisch scheitert im Cupkracher an Lausanne UC

Der VBC Windisch muss sich im Schweizer Cup dem amtierenden Meister Lausanne UC ohne Satzgewinn geschlagen geben. Der Underdog kann sich der ihm zugeteilten Rolle nicht entziehen - und dürfte den Nachmittag trotzdem in guter Erinnerung behalten.

Sie werfen sich auf den Boden, sie schwitzen, sie gehen an die Grenzen. Die Spieler des VBC Windisch kämpfen im Cup-Achtelfinal gleichermassen gegen den Lausanne UC und ihre Aussenseiterrolle an. Und siehe da – ihre Mühen bleiben nicht unbelohnt. Im zweiten Satz wiederholt sich das Schauspiel aus dem ersten Durchgang; die Aargauer sichern sich die ersten beiden Punkte gegen den amtierenden Meister und viermaligen Cup-Sieger.

Gegen Goliath, den im Vorhinein der Partie so hoch gelobten Gast, den Favoriten. Die Halle tobt. Erneut werden die hochgewachsenen Spieler aus der Westschweiz nervös. Die durchtrainierten Favoriten reden hastig aufeinander ein. Sie pushen einander – und sie melden sich wieder zurück. Nach wenigen Sekunden realisieren sie den Ausgleich, ziehen irgendwann unaufhaltbar los.

So läuft es immer wieder. Profis gegen Amateure – irgendwann geht die Rechnung nicht mehr auf. «Es hat mich gefreut, dass wir am Anfang immer in Führung gehen und sie unter Druck setzen konnten. Aber letztlich waren sie einfach besser», sagt Bernhard Beyeler, Präsident und Spieler des VBC Windisch.

Vom Publikum getragen zur mehrmaligen Führung

Trotzdem wird der Klassenunterschied nicht immer so deutlich wie erwartet sichtbar. Lange liefern sich Lausanne und Windisch ein packendes Duell. Der Gastgeber geht vom Publikum getragen im ersten Satz mehrmals in Führung. Der Boden bebt, die vier Wände der Chapf-Halle haben wohl noch nie ein derartiges Spektakel erlebt. Um die 350 Zuschauer kennen an diesem Tag nur einen Liebling.

Nur selten erklingt ein verhaltenes «Lausanne, Lausanne». Und wenn, dann nur von der Ersatzbank des Gegners. In dieser Hinsicht ist Windisch klar überlegen, doch letztlich spielt das Quantitative nicht einmal eine grosse Rolle, zumindest für Beyeler nicht. «Viel wichtiger ist, dass die Stimmung super war. Das hat dazu beigetragen, dass wir auf dem Feld in Schwung gekommen sind.»

Doch auch Umgekehrtes ist der Fall. Immer wieder feuern die Spieler auf dem Feld das Publikum an. Zeitweise ist unklar, ob auf dem Platz oder auf den Bänken der grössere Einsatz geleistet wird. Der Gastgeber zelebriert das Traumlos. «Ganz ehrlich: Als wir das Herrenteam gegründet haben, hätte ich nie damit gerechnet, einmal gegen einen NLA-Klub zu spielen», sagt Marco Jacopini. «Wir waren seit langem wieder einmal ein bisschen aufgeregt.»

Alles dreht sich am Ende um den grossen Gast

Dass sich alles um den grossen Gast dreht, wird irgendwann auch deutlich sichtbar. Nach dem ersten, mit 25:19 nur knapp gewonnenen Satz legt Lausanne richtig los. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird kaum mehr zugelassen. Im Schnitt braucht Lausanne genau zwanzig Minuten für einen Satzsieg. Vor allem gegen Ende hin wird gnadenlos sichtbar, wem welche Rolle zuteil wurde. Lausanne legt dank seinem ausländischen Profi Adrien Prével vor, Windisch hinkt hinterher.

In solchen Momenten wirkt der Sport auf einmal erschreckend schlicht. Dann gibt es nur Schwarz und Weiss. Die Profis aus Lausanne, die Amateure aus Windisch, denen die kraftvollen Angriffe auf einmal um die Ohren fliegen. Windisch wird bezwungen, nach einer Stunde und sieben Minuten ist das Spiel vorbei. Lausanne darf mit 25:19, 25:15, 25:15 als Sieger vom Platz. Zufrieden ist man auf Seiten des dezimierten Gastgebers trotzdem. «Wenn wir realistisch sind, dann ist es schön, dass wir in jedem Satz über zehn Punkte erreicht haben. Gerade auch, weil sie mir ihren Stammkräften angetreten sind», sagt Jacopini.

Ähnlich sieht dies Beyeler. Selbst wenn er gerne noch etwas länger auf dem Feld gestanden hätte: «Es war ein bisschen zu schnell fertig.» Dass Windisch sich gut verkauft hat, ist allen in der Halle bewusst, selbst wenn der sich von Beyeler erhoffte Satzsieg am Schluss ausgeblieben ist. Nach der Partie lassen sich die Spieler feiern. Nicht wie Verlierer, nicht wie Aussenseiter. Sondern wie Gewinner – und zum wohl letzten Mal auf der ganz grossen Bühne.

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