2. Liga inter

Trainer Flavio Catricalà schiesst scharf gegen Zofingen-Präsident: «Hansjörg Ryter ist ein Lügner»

Flavio Catricalà: «Hansjörg Ryter hat mir mehrmals versichert, dass ich Trainer bleibe, solange er Präsident ist.»

Flavio Catricalà: «Hansjörg Ryter hat mir mehrmals versichert, dass ich Trainer bleibe, solange er Präsident ist.»

Nachdem sein am 30. Juni auslaufender Vertrag vom SC Zofingen nicht verlängert wird, gerät Trainer Flavio Catricalà in Rage. Im Interview mit der «Aargauer Zeitung» lässt er kein gutes Haar an Vereinspräsident Hansjörg Ryter.

Ihr am 30. Juni auslaufender Vertrag als Trainer des SC Zofingen wird nicht verlängert. Sie fühlen sich verschaukelt. Warum?

Flavio Catricalà: Ich habe die erste Mannschaft im Sommer 2019 im Alleingang zusammengestellt und dafür gesorgt, dass die Spieler leistungsorientierte Verträge unterschreiben. Der SC Zofingen muss seit Mitte März keinen Rappen für Löhne ausgeben. Auch ich habe in den vergangenen drei Monaten auf meinen Lohn verzichtet. Es ist bedauerlich, dass das Team nun womöglich auseinander bricht.

Zielt Ihre Kritik in erster Linie auf Zofingen-Präsident Hansjörg Ryter?

Ja. Hansjörg Ryter hat mir mehrmals versichert, dass ich Trainer bleibe, solange er Präsident ist. Am vergangenen Dienstag hat er mich angerufen und betont, dass Trainer, Staff und Spieler bleiben können. Während des Gesprächs mit Ryter habe ich den Lautsprecher meines Handys aktiviert. Mein Assistent Markus Mijatovic und die Spieler Avni Halimi und Martin Berisha haben alles mitangehört. Ich habe also Zeugen.

Ryter hat Sie angelogen?

Ja, er ist ein Lügner. Für Ryter war spätestens Anfang Mai klar, dass viele Spieler und ich als Trainer in Zofingen über den 30. Juni hinaus keine Zukunft haben. Warum hat uns Ryter nicht früher die Wahrheit gesagt? Er hat uns hingehalten und war nicht ehrlich. Das führte dazu, dass einige Spieler und ich diverse Angebote ausgeschlagen haben. Wir haben an die Versprechungen geglaubt. Aber Ryter hat uns immer nur angelogen.

Sie haben in den vergangenen drei Monaten auf Ihren Lohn verzichtet. Stimmt es, dass Sie auf Zahlungen der vergangenen Saison warten?

Eines vorneweg: Für mich ist der Trainerjob nicht bindend mit Geld. Der SC Zofingen ist mein Stammverein. Ich habe Ryter immer gesagt, dass er zuerst Lieferanten, Juniorentrainer und Spieler bezahlen soll. Aber es stimmt: Den Lohn für die Rückrunde der vergangenen Saison, also das Gehalt für sechs Monate, habe ich noch nicht bekommen. Ryter hat mir in Aussicht gestellt, dass diese Zahlung bis Ende Juni beglichen wird.

Was werfen Sie dem neuen Trainer Hansruedi Birrer vor?

Ich habe als Trainer eine Devise. Meine Spieler sind die Besten. Birrer hat sich bei einem meiner Staff-Mitglieder despektierlich über das Lohngefüge der ersten Mannschaft geäussert. Das ist doch keine Basis für seine künftige Arbeit mit den Spielern.

Sie haben ihren Trainerkasten am vergangenen Freitag geräumt. Man hört, dass gleichzeitig zehn Spieler ihren Kasten geleert haben. Verlassen all diese Spieler den SC Zofingen?

Das weiss ich nicht. Aber es ist ein starkes Zeichen der Spieler. Die Planung für die nächste Saison liegt nicht mehr in meiner Macht. Fakt ist, dass Spieler wie Alessandro Vodola, der seit sechs Jahren im Tor steht, und Robert Majic, der schon als Junior in Zofingen spielte und seit zehn Jahren in der ersten Mannschaft ist, einen Vereinswechsel in Betracht ziehen.

Für Sie ist die Nichtverlängerung Ihres Vertrags unprofessionell. Warum lassen Sie es nicht auf sich beruhen?

Der SC Zofingen ist ein Traditionsverein und geniesst eine grosse Akzeptanz. Wir waren sportlich auf Kurs. Als Trainer war ich Sprachrohr einer intakten Mannschaft und Bindeglied zum Vorstand. Sämtliche falsche Versprechungen, die mir gemacht wurden, betreffen auch die Spieler. Sie haben das nicht verdient. Das ist unfair.

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Autor

Ruedi Kuhn

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