Handball NLB
Trainer-Entlassung bei Suhr Aarau: «So konnte es nicht weitergehen»

Trainer Markus Jud kam als Hoffnungsträger zum HSC Suhr Aarau – nun ist er weg. Dafür gibt es Kritik von Anhängern. Thomas Kähr, der Co-Präsident des HSC, rechtfertigt die Entlassung.

henrik furrer
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Markus Juds Zeit an der Seitenlinie des HSC Suhr Aarau ist vorbei. In den Augen des Vereinsvorstands ist er nicht mehr der richtige Trainer.Alexander Wagner/Archiv

Markus Juds Zeit an der Seitenlinie des HSC Suhr Aarau ist vorbei. In den Augen des Vereinsvorstands ist er nicht mehr der richtige Trainer.Alexander Wagner/Archiv

Alexander Wagner

Er sollte eigentlich mehr Kontinuität bringen – jetzt ist er nach einem halben Jahr wieder weg: Markus Jud ist ab sofort nicht mehr Trainer beim HSC Suhr Aarau. Die Gründe für seine Entlassung sind laut einer Medienmittelung des HSC die unterschiedlichen Auffassungen über die Führung der Mannschaft zwischen Trainer und dem Vorstand.

Die Entscheidung überrascht. «Ich bin fassungslos», sagt Jud auf Anfrage der az. Kurz vor dem Training am Donnerstagnachmittag habe ihn der Vorstand telefonisch über seine Entlassung informiert. Ein solcher Schritt sei zuvor nie thematisiert worden. Auch habe es seiner Ansicht nach keine Unzufriedenheit innerhalb der Mannschaft gegeben. Im Gegenteil: Die Stimmung im Team sei ausgezeichnet, vor allem nach dem deutlichen 38:23-Heimsieg zuletzt gegen den TV Zofingen.

Die Verpflichtung von Markus Jud war mit grossen Erwartungen verbunden gewesen. Er kam im Juni 2015 als grosser Hoffnungsträger vom NLA-Club Lakers Stäfa zum HSC Suhr Aarau. Jud unterschrieb einen Dreijahresvertrag. Unter seiner Führung sollte nach den vielen Trainerwechseln der Vergangenheit endlich mehr Ruhe beim HSC Suhr Aarau einkehren. Durch Juds Engagement erhoffte man sich den sofortigen Wiederaufstieg und dass sich der Verein langfristig in der Nationalliga A etablieren kann. In der Medienmitteilung zu Juds Verpflichtung vom 26. Januar 2015 hiess es damals: «Markus Jud ist exakt der richtige Mann für unsere Bedürfnisse.» Was ist aus den grossen Erwartungen und dem Bestreben nach Stabilität geworden?

Wunsch nach mehr Konstanz

Genau dasselbe scheinen sich auch die Fans zu fragen. Auf der Facebook-Seite des Vereins macht ein Anhänger seinem Ärger Luft: «Jede Saison fast die gleichen Schlagzeilen.» Wieder einmal werde ein Trainer aufgrund unterschiedlicher Auffassungen entlassen. Endlich wieder mehr Konstanz beim HSC Suhr Aarau wünscht sich der Fan. «Sonst wird es wirklich nie etwas mit einem etablierten Nati A-Verein.»

Der Co-Präsident des HSC, Thomas Kähr, reagierte prompt auf den Kommentar des verärgerten Anhängers. Natürlich strebe man beim HSC Suhr Aarau nach Kontinuität. «Aber wenn du erkennst, dass es mit dem Team schrittweise bergab geht und etliche Spieler leiden, dann musst du im Spitzensport handeln.» Angesichts der aktuellen Tabellensituation verwundern diese Aussagen von Kähr. Der HSC Suhr Aarau befindet sich nach 18 Spielen auf Platz zwei der NLB – nur ein Punkt hinter Aufstiegskonkurrent TV Endingen.

Gegenüber der az erklärt Thomas Kähr: «Die Mannschaft spielt zur Zeit unter ihren Fähigkeiten.» Viele Spieler seien unzufrieden mit ihrer Situation. «Wir beobachten diese Entwicklung schon lange und nach zahlreichen Gesprächen mit Mannschaft und Trainer sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es so nicht weitergehen kann.» Natürlich sei auch er enttäuscht. «Das ist nicht das, was wir uns zu Saisonbeginn vorgestellt hatten.» Es mache jedoch keinen Sinn am Trainer festzuhalten, wenn er die Mannschaft nicht mehr erreiche. «Seine sportlichen und menschlichen Kompetenzen sind unbestritten, so Kähr, «die aktuelle Konstellation im Team spricht aber leider gegen ihn.»

Sportchef wird Interimstrainer

Ab sofort übernimmt Sportchef Guido Frei die Mannschaft interimistisch. Dies ist laut Co-Präsident Kähr die naheliegendste Lösung: «Er kennt Mannschaft und Verein.» Einen neuen Trainer noch vor Saisonende zu verpflichten sei nicht geplant. «Wir wollen uns jetzt voll und ganz auf den Saisonendspurt fokussieren», sagt Kähr. Markus Juds Nachfolger ist auch sein Vorgänger. Guido Frei hat die Mannschaft gemeinsam mit Patrik Fend vor Juds Verpflichtung trainiert und wurde danach zum Sportchef ernannt. Die erste Bewährungsprobe für Guido Frei steht heute um 17 Uhr beim Auswärtsspiel gegen den TV Steffisburg an.