Challenge League
Trainer Ciriaco Sforza will mit dem FC Wohlen Vollgas geben

Beim FC Wohlen ist der Aufbruch im Gang. Ein Dreijahresplan mit Vorwärtsstrategie steht – der FC Wohlen will die Challenge League aufmischen. An vorderster Stelle mit dabei: Ciriaco Sforza.

Ruedi Kuhn
Drucken
Teilen
Ciriaco Sforza will mit dem FC Wohlen die Challenge League aufmischen.

Ciriaco Sforza will mit dem FC Wohlen die Challenge League aufmischen.

freshfocus

Wohlens Trainer Ciriaco Sforza lädt den deutschen Mittelfeldspieler Kevin Pezzoni zu einem Essen ins Nobelhotel Seerose in Meisterschwanden ein. Die zwei plaudern über den Fussball im Allgemeinen und über den FC Wohlen im Speziellen.

Beim Dessert stellt Sforza die Weichen für die Verpflichtung von Pezzoni. Nun ist die Reihe an Lucien Tschachtli.

Der Verwaltungsrat und neue Macher des FC Wohlen bespricht mit dem 25-Jährigen die Rahmenbedingungen des Vertrags. Man verhandelt und regelt das Finanzielle. Schliesslich unterschreibt Pezzoni einen Zweijahresvertrag.

Sforza und Tschachtli an der Front

Nach den Abgängen der Spitzenfunktionäre René Meier und Andy Wyder wirbeln nun also Sforza und Tschachtli an der Front – und wie: Das aktuelle 22er-Kader mit einem Durchschnittsalter von knapp 23 Jahren kann sich sehen lassen. Mehr noch: Der FC Wohlen wird langsam, aber sicher salonfähig. Mischt er in der Saison 2014/15 gar die Challenge League auf?

Seit dem Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse 2002 hatte man zumindest auf dem Papier noch nie eine so starke Mannschaft. Die Budgeterhöhung von 2,05 Millionen auf 2,35 Millionen Franken ist zwar mit einem Kraftakt verbunden und hängt vom Goodwill einiger Mäzene ab, dürfte sich aber in sportlicher Hinsicht auszahlen.

Bis Ende Oktober will man die neuen Verwaltungsratsmitglieder bekannt geben. Und das Sekretariat soll von 60 auf 140 Stellenprozente erhöht werden.

Der grosse Aufwand ist keine Eintagsfliege. «Das Konzept steht», sagt Tschachtli. «Wir arbeiten nach einem Dreijahresplan. Der FC Wohlen soll in den nächsten drei Jahren mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Ich mache aus meiner Zielsetzung für die neue Saison kein Geheimnis: Es ist ein Platz zwischen eins und fünf.»

Die Arbeitsteilung zwischen Tschachtli und Sforza ist klar geregelt. Tschachtli beschafft das nötige Geld und sorgt als Finanzchef dafür, dass sich Aufwand und Ertrag die Waage halten.

Sforza stellt die Mannschaft zusammen. In den vergangenen zwei Monaten funktionierte das Ganze bestens. Tschachtli lobt Sforza in den höchsten Tönen: «Ciri ist jung, dynamisch und frech. Er ist ein hervorragender Motivator, kennt die nationale und internationale Fussballszene und verfügt über ein ausgezeichnetes Netzwerk», sagt der 66-Jährige. Sforza gibt das Kompliment zurück: «Ohne den grossen Einsatz von Lucien wäre all das nicht möglich. Wir ergänzen uns hervorragend.»

Es ist wohl Ironie des Schicksals, dass der Startschuss für die Vorwärtsstrategie des FC Wohlen kurz nach dem Rücktritts-Mail des langjährigen Verwaltungsrats-
präsidenten, Denkers und Lenkers René Meier am 17. Mai gefallen ist.

Nach dem 5:0-Sieg gegen Servette zum Abschluss der vergangenen Saison musste Tschachtli das Zepter wohl oder übel in die Hand nehmen und organisierte ein Treffen mit den zehn wichtigsten Leuten im Umfeld des Klubs. Während dieses wegweisenden Meetings wurde die Budgeterhöhung von 300 000 Franken beschlossen.

Als erste Massnahme erhöhte man den Jahresbeitrag der mehr als 250 Donatoren von je 1500 auf 2000 Franken. Damit werden aus den beiden Sponsoren-Gruppen Donatoren und Friends rund 100 000 Franken an Mehreinnahmen in die Kasse fliessen.

Ungewöhnliche, spezielle Wege

Tschachtli sorgt also für die Kohle, Sforza gibt im sportlichen Bereich den Ton an. Der 44-jährige Wohler mit süditalienischen Wurzeln überlässt nichts dem Zufall und hält die Mannschaft mit speziellen Trainingsabläufen auf Trab und bei Laune.

Es gibt Tage, da müssen die Spieler bereits um 7.15 Uhr in der Kabine sein. Eine Viertelstunde später beginnt die erste Trainingseinheit.

Um 9 Uhr ist Morgenessen. Ab 10.15 Uhr wird ein zweites Mal trainiert. Um 12.30 Uhr ist Mittagessen.

«Die Spieler sollen lernen, unter professionellen Bedingungen zu trainieren. Da müssen sie hin und wieder auch ungewöhnliche, spezielle Wege gehen», erklärt Sforza diese Massnahme.

Wo spielt Wohlen nach Aufstieg?

Dass Sforza nichts von Betonfussball hält, beweist die Tatsache, dass er sein Team mit einem 4-3-3-System spielen lässt. Dank Offensivgeist und Spektakel hofft man, die Zuschauerzahl im Stadion Niedermatten im Schnitt auf rund 1400 verbessern zu können. Angesprochen auf das Saisonziel, winkt der Chef ab und sagt: «Eine Prognose bekommt man von mir nicht zu hören.

Aber eines steht fest: Ich mache keine halben Sachen. Ich will Erfolg. Und ich will mit dem Abstieg nichts zu tun haben.» Das ist nach dem zähen Ringen im Kampf gegen den drohenden Absturz in die 1. Liga Promotion in den vergangenen Saisons schon mal eine Ansage.

Und ganz grosse Optimisten im Umfeld des Freiämter Klubs gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie fragen sich: Wo um Himmels willen spielt der FC Wohlen im Jahr 2015 nach dem Aufstieg in die Super League? Etwa im Brügglifeld beim Erzrivalen FC Aarau?