FC Aarau
Torhüter Bucchi nach seiner Tätlichkeit in Neuenburg: «Das war unprofessionell»

Der 32-Jährige Torhüter des FC Aarau wird für seinen Platzverweis gegen Neuchâtel Xamax klubintern bestraft. Und: FCA-Sportchef Raimondo Ponte äussert sich zu den vielen Platzverweisen.

Dean Fuss
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Schiedsrichter Sandro Schärer (l.) stellt Lorenzo Bucchi (2.v.r.) nach seiner Tätlichkeit gegen Samir Ramizi vom Platz.ff

Schiedsrichter Sandro Schärer (l.) stellt Lorenzo Bucchi (2.v.r.) nach seiner Tätlichkeit gegen Samir Ramizi vom Platz.ff

Urs Lindt/freshfocus

Lorenzo Bucchi sucht nach den richtigen Worten. Der 32-Jährige ist auch am Tag nach dem 1:4 bei Xamax enttäuscht. Einerseits wegen der ersten Saisonniederlage seines Klubs, andererseits wegen seiner Tätlichkeit in der Schlussphase, die mit der roten Karte geahndet wurde. «Ich bin unzufrieden mit meinem Verhalten. Das war unprofessionell und dumm. In meinem Alter und mit meiner Erfahrung darf das nicht passieren», sagt Bucchi.

Er hat keine Erklärung, weshalb er in der 83. Minute am Montagabend die Nerven verloren hat. Natürlich setzte Samir Ramizi, der ehemalige Wohler in Neuenburger Diensten, trotz des Foulpfiffs von Schiedsrichter Sandro Schärer nach. Natürlich war der mit voller Wucht getretene Abschluss zu diesem Zeitpunkt völlig daneben. Aber dasselbe gilt eben auch für die Reaktion Bucchis. «Ich hatte ein Blackout. Der Frust über die erste Niederlage war sicher da, die Provokation des Gegenspielers auch. Aber das ist keine plausible Ausrede», sagt Bucchi und ergänzt: «Ich kann mich dafür nur bei der Mannschaft, dem ganzen Klub und den Fans entschuldigen.»

Vier Platzverweise nach sechs Spielen

Es ist eine Situation, die Bucchi nicht kennt. Noch nie in seiner Karriere war er zuvor wegen einer Tätlichkeit vom Platz gestellt worden. Überhaupt hatte der Routinier bis zur Partie in Neuenburg erst ein einziges Mal einen Platzverweis kassiert, damals in der Saison 2007/08 für ein Notbremsefoul.

Die Situation ist nicht nur für Bucchi neu. Sie ist es auch für den FC Aarau. Vier Platzverweise finden sich nach der 6. Runde der laufenden Saison in der Klubstatistik der Aarauer. Das ist mehr als die Hälfte aller bisher in der Challenge League ausgesprochenen sieben Platzverweise. Dass ausgerechnet der FCA in dieser Statistik ganz «oben» mittut, ist alles andere als logisch. In den vergangenen Jahren hatte der Brügglifeld-Klub jeweils in der Fairplay-Trophy der Liga eher die vorderen Plätze belegt. Daraus dürfte es wohl diesmal nichts werden.

Wie bereits Olivier Jäckle (Rot für Tätlichkeit gegen Chiasso) und Geoffrey Tréand (Rot für Tätlichkeit gegen Chiasso) muss auch Bucchi eine Busse in die Mannschaftskasse entrichten. Doch damit dürfte sich die Sache für ihn noch nicht erledigt haben, wie FCA-Sportchef Raimondo Ponte ausführt: «Dieser Platzverweis wird Konsequenzen haben. Aber diese gehören nicht an die Öffentlichkeit.» Und: Auch die Liga wird Bucchibestrafen. Er muss mit einer Sperre von zwei bis vier Spielen rechnen.

Der schmerzhafte Peralta-Ausfall

Ponte hofft, dass die zusätzliche Bestrafung eine präventive Wirkung hat. «Irgendwann ist es notwendig, dass wir durchgreifen», sagt der 61-Jährige. Ponte sieht keine Gründe für die aktuelle Platzverweis-Flut beim FCA: «Das ist mir unerklärlich. Ich hoffe, diese Phase ist jetzt möglichst schnell vorbei.» Darauf hofft auch Trainer Marco Schällibaum: «Selbstjustiz geht einfach nicht. Da schaden die Spieler nicht nur sich selber, sondern auch dem Team. Wir sind sowieso schon eng bestückt.» Das gilt umso mehr, seit gestern bekannt wurde, dass Daniele Romano für drei Monate ausfallen wird. Der 23-Jährige schien nach seiner Mitte Juli erlittenen Knieverletzung auf dem Weg der Besserung. Nun zeigte eine Operation am Meniskus im rechten Knie, dass eine Zwangspause nötig wird.

Nach der ersten Saisonniederlage erhalten Bucchi und Co. nun Zeit zum Durchatmen: Wegen der Nationalmannschaftspause steht die nächste Partie erst in anderthalb Wochen auf dem Programm (Samstag, 10. September, 19 Uhr: Aarau - Le Mont).