Tennis seit 71 Jahren

Tony Steiner ist der älteste Aargauer Interclubspieler – warum er einst mit Björn Borg oder Jimmy Connors spielte

Tony Steiner aus Bremgarten, 86-jährig, gehört zu den drei ältesten noch aktiven Interclub-Spielern der Schweiz. Er spielte eins sogar mit den ehemaligen Weltstars Björn Borg, Jimmy Connors oder Guillermo Vilas. Ein Besuch bei einem seiner Interclub-Spiele.

Mit oder ohne Kappe? Mit oder ohne Uhr an der Hand? Tony Steiner zieht die Kappe an – «sonst hätte ich mich noch strählen müssen», die Uhr wiederum nimmt er ab – «es ist ja keine Federer-Rolex», sagt er und lacht. Steiner ist gut gelaunt, als ihn die Aargauer Zeitung kurz vor seinem Interclub-Spiel mit dem Tennisclub Bremgarten zum Foto bittet.

Tony Steiner gehört zu den drei ältesten aktiven Interclub-Spielern der Schweiz und ist damit der älteste im Kanton Aargau. «Sehen Sie, so schnell kanns gehen», witzelt er mit seiner aufgeschlossenen Art.

Kurz darauf macht er sich bereit für sein Einzelspiel auswärts beim TC Esp Fislisbach. Weil Tony Steiner, der seinem Team auch schon mal ein einheitliches Tennisdress schenkte, mit seinen Kollegen in der Kategorie 65+, 2. Liga, antritt, sind seine Gegner gerne mal eine Generation jünger. «Schon wieder einer, der mindestens 15 Jahre jünger ist», flachst Steiner und vermutet bereits, was auf ihn zukommt.

Er schlägt sich tapfer, freut sich über jedes seiner gewonnenen Games, verliert aber trotz dynamischem Spiel 1:6, 2:6. Die Hochachtung seiner Gegner hat er auf sicher: «Er ist noch immer unglaublich sportlich. Ich habe grössten Respekt vor ihm. Vielleicht mag er nicht mehr so flink sein, aber sein Händchen verliert er nie. Er hat viele schöne Bälle gespielt», lobt sein Kontrahent.

Zufrieden ist Tony Steiner mit seinem Spiel nicht, zu vieles habe einfach nicht so funktioniert, wie er das wollte. Aber ihm gehe es auch nicht primär ums Gewinnen. «Ich will mich bewegen und fit bleiben. Ich war schon immer einer der Sportlichsten», sagt Steiner.

Ans Aufhören will er auch noch lange nicht denken. «Ich will weiter Tennis spielen. Und zwar so lange, bis mir am Morgen danach beim Aufstehen etwas weh tun sollte. Das wäre dann vielleicht ein Zeichen, dass ich aufhören sollte.»

Tony Steiner zeigt sich gut gelaunt beim Fototermin mit der Aargauer Zeitung

Tony Steiner zeigt sich gut gelaunt beim Fototermin mit der Aargauer Zeitung

Studie: Tennis steigert die Lebenserwartung

Aufgewachsen in einer Wirtefamilie in Brugg, spielt Tony Steiner als kleiner Bub Fussball, es reicht schliesslich bis in die 2. Liga. Mit 65 Jahren warf seine Frau die Kickschuhe in den Abfall. Es bedeutete das fussballerische Karrierenende. «Ich habe mich nicht mehr getraut, neue zu kaufen», erzählt er und schmunzelt.

Tennis wiederum ist der stete Begleiter des 86-Jährigen. Im Alter von 15 Jahren hält er dank eines Freundes auf einem Platz in Schinznach-Bad erstmals einen Schläger in der Hand, mittlerweile ist er also seit 71 Jahren mit dem Tennis verbunden. Auch er selbst macht bei dieser Zahl grosse Augen.

Der Sport lässt ihn nicht mehr los. Noch heute steht Tony Steiner zwei Mal die Woche für je zwei Stunden auf dem Platz. «Tennis ist faszinierend. Und die Entwicklung der Sportart über all die Jahre ist enorm. Die Athletik, die Schläger, die Bälle – Tennis war früher eine andere Sportart.»

220 Personen spuckt die Datenbank von Swiss Tennis in diesem Jahr mit den ältesten Spielerinnen und Spieler aus, die noch eine aktive Wettkampflizenz besitzen – 150 Männer sind über 80 Jahre alt, 70 Frauen über 75.

Swiss Tennis ist besonders stolz auf diese Alterskategorie: «Es freut uns sehr, dass diese Spielerinnen und Spieler nach wie vor mit viel Freude Tennis spielen», bestätigt Sandra Perez von Swiss Tennis.

Eine Studie mit 8600 Teilnehmern besagt, dass Tennisspielen die Lebenserwartung um durchschnittlich 9,7 Jahren steigert, während man etwa mit Joggen, Schwimmen oder Velofahren nur um rund drei Jahre länger leben soll. Steiner ist erstaunt und hält fest: «Dann habe ich ja die richtige Sportart ausgewählt.»

Bauunternehmer in Florida

Zum vereinbarten Treffen mit der Aargauer Zeitung hat Tony Steiner ein Erinnerungsbuch mit Dutzenden von Bildern mitgebracht. Viele zeigen ihn in den USA, unter anderem an einer Siegerzeremonie eines Tennisturniers mit Stars der vergangenen Zeit.

Die Geschichte dazu beginnt schon viel früher: Als Tauchlehrer bringt Tony Steiner einigen Schweizer Skistars in den 70er-Jahren das Tauchen bei, wobei er mit Bernhard Russi in Kontakt kommt. Sie verstehen sich so gut, dass sie Geschäftspartner werden und die Rumi Generalbau AG sowie die Steiner-Rumi Immobilien GmbH gründen.

Mit der Baukrise 1988 expandieren sie nach Florida, das Risiko geht auf: Tony Steiner verbringt seine intensivsten Arbeiterjahre und baut im Sunshine State während 15 Jahren mit gegen 30 Mitarbeitern erfolgreich Immobilien.

Als Prunkstück gilt das Golf- und Tennis-Resort «Kensington Golf & Country Club» in Naples. Als eines von vielen Highlights fand dort in den 90ern dank eines Sponsors aus der Versicherungsbranche während drei Jahren das «Nuveen Masters» statt, an dem sich die Senioren-Weltstars duellierten (siehe Bildergalerie).

Als Turnier-Mitorganisator lernte Tony Steiner sowohl Björn Borg wie auch Jimmy Connors oder Guillermo Vilas kennen – und spielte mit ihnen während eines Sponsorenanlasses sogar den einen oder anderen Ball.

Legendär: Tony Steiner (ganz links) an einer Pressekonferenz mit Jimmy Connors (sitzend zweiter von rechts)

Legendär: Tony Steiner (ganz links) an einer Pressekonferenz mit Jimmy Connors (sitzend zweiter von rechts)

2003 zog es Steiner zurück nach Bremgarten, wo er noch heute für sein Unternehmen arbeitet. Loslassen und Rentner sein, das will und kann er nicht. «Sonst wird es mir ja noch langweilig.»

Das Arbeiten sieht er nicht nur als Training für den Kopf an, sondern ein bisschen auch für seinen Körper. Exakt 80 Treppenstufen hat Tony Steiner auf dem Weg in sein Büro zu absolvieren. Er macht es mit einer Leichtigkeit, so sehr, dass er auch oftmals nur jeden zweiten Tritt nimmt. Noch nie, sagt er stolz, habe er den Lift genommen: «Ich will ja fit bleiben.»

Stoppball par excellence: Tony Steiner beweist sein intaktes Tennis-Händchen

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