Leichtathletik
Tobias Furers erster Trainer traute ihm die EM nicht zu

Der Aargauer Tobias Furer startet am Mittwoch an den Europameisterschaften in Zürich über 110-Meter-Hürden. Fabian Müller, sein erster Trainer, blickt auf die Anfänge der Karriere des Abtwilers zurück.

Fabio Baranzini
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Fabian Müller, erster Trainer von Hürdenläufer Tobias Furer, im Stadion seines Vereins LK Zug.

Fabian Müller, erster Trainer von Hürdenläufer Tobias Furer, im Stadion seines Vereins LK Zug.

Fabio Baranzini

Es wird fleissig gebaut auf der Leichtathletik-Anlage des LK Zug. Die Laufbahn wird komplett erneuert und auch sonst wird an allen Ecken und Enden gearbeitet. Schliesslich muss im nächsten Jahr alles bereit sein, wenn auf der «Hertiallmend» die Leichtathletik-Schweizer-Meisterschaft der Elite ausgetragen wird. Der Mann, der grossen Anteil daran hat, dass die SM nach Zug kommt, ist Fabian Müller. Der 35-Jährige, der bis in diesem Frühjahr Präsident des LK Zug war, hat für die nationalen Meisterschaften einen Wunsch: «Ich hoffe sehr, dass Tobias Furer bei uns über die 110-Meter-Hürden starten wird.»

Mit der Teilnahme von Furer würde sich ein Kreis schliessen. Fast 20 Jahre nach seinem ersten Training beim LK Zug würde der EM-Teilnehmer über 110-Meter-Hürden auf seiner Heimanlage starten – an dem Rennen, das sein erster Leichtathletik-Trainer nach Zug geholt hat.

Ein Koordinationstalent

1996 war es, als der damals neun Jahre alte Tobias Furer aus dem aargauischen Abtwil zum ersten Mal an einem Training des LK Zug teilnahm. Furer war ein unauffälliger Zeitgenosse. «Eher klein, ruhig und besonnen», beschreibt ihn Müller rückblickend. Doch der koordinativ überdurchschnittlich talentierte Furer konnte auch anders. Gemeinsam mit seinem Trainingskollegen Martin Murer hatte er auch die eine oder andere Dummheit ausgefressen. «Ich musste mir die beiden ab und an zur Brust nehmen, sonst hätten sie das Training zu sehr gestört», meint Müller lachend.

Allzu oft musste Müller seinen Schützling aber nicht massregeln. Tobias Furer zeichnete sich bereits früh durch seine Kämpferqualitäten aus und hatte eine gute Einstellung. «Normalerweise fiel Tobias nur durch seine Leistungen auf und nicht durch seine Art. Einen grossen Anteil daran hat sicher seine Familie, die ihn gut erzogen und immer voll unterstützt hat», weiss Müller, der damals zwei bis drei Mal wöchentlich mit Furer gearbeitet hat.

Gute Kollegen geworden

Bald schon zeigte sich, dass Tobias Furer der Hürdenlauf besonders gut liegt und in Zug begann man, dieses Talent gezielt zu fördern. Ab diesem Zeitpunkt – Furer war damals etwa 15 Jahre alt – war Fabian Müller nicht mehr für ihn zuständig. Trotzdem blieben die beiden immer in Kontakt. Heute bezeichnet Müller seinen einstigen Schützling als «guten Kollegen». Er selbst sei in der Zwischenzeit gar zum Fan von Tobias Furer geworden. Die beiden tauschen sich oft per SMS aus und treffen sich regelmässig. Zuletzt haben sie sich vor knapp zwei Wochen getroffen, um auf die Geburt der ersten Tochter von Fabian Müller und seiner Frau anzustossen.

Die Frage, ob er in Tobias Furer schon damals einen zukünftigen EM-Teilnehmer gesehen habe, muss Müller verneinen. «Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, er sei damals schon so talentiert gewesen, dass ich ihm eine solche Karriere vorausgesagt hätte», so der ehemalige Jugend-Schweizermeister im Diskuswerfen. An der EM traut er Furer aber einiges zu. Eine neue persönliche Bestzeit und die Halbfinalqualifikation würden drin liegen, glaubt Fabian Müller.