Um zu erleben, welchen Stellenwert der Fussball in Deutschland hat, muss man von Aarau aus nicht weit fahren. Am Donnerstagnachmittag etwa reichen dafür die 40 Kilometer nach Rheinfelden, die Fluss-Überquerung und schon steht man im neuen Schmuckstück des deutschen Rheinfelden, im Europastadion.

Inmitten von 1800 Zuschauern, angereist für das Testspiel (!) zwischen dem Bundesliga-Sechsten SC Freiburg und dem Challenge-League-Achten FC Aarau. Dass der Andrang an einem Werktag und bei Spielbeginn um 16 Uhr so gross ist, damit haben nicht einmal die einheimischen Organisatoren gerechnet.

In der Halbzeitpause gibt der Speaker durch: «Wir haben einen Versorgungsengpass und keine Becher mehr, bitte werfen Sie Ihre Becher nicht weg, wenn Sie noch Durst haben!» Immerhin: Würste hat es bis weit nach Schlusspfiff genug.

Zwei (ehemalige) deutsche Nationalspieler in der Startelf

Fürs Auge gabs auch was: Ein attraktives Spiel mit sechs Toren und aus Aarauer Sicht die erfreuliche Erkenntnis, dem hochfavorisierten Gegner bis zum Gegentor zum 2:4 in der 87. Minute Paroli geboten zu haben. Dabei war es nicht so, dass Freiburg gegen den unterklassigen Gegner wie vielleicht erwartet mit der dritten oder gar vierten Garde antrat.

Beweis: Mit Nils Petersen und Christian Günter stellte Kulttrainer Christian Streich zwei (ehemalige) deutsche Nationalspieler in die Startelf. Für Aarau trafen Patrick Rossini, der von einem groben Goalie-Fauxpas profitierte, und Stefan Maierhofer. Chancen auf weitere Tore wären vorhanden gewesen – vor allem Donat Rrudhani sündigte im Abschluss.

Gestohlen war der Sieg der Freiburger jedoch nicht – es brauchte ebenfalls Unvermögen im Abschluss sowie einige starke Paraden der jungen FCA-Goalies Joel Bonorand (Neffe von Vizepräsident Philipp Bonorand) und Anthony von Arx, um das Skore lange ausgeglichen zu halten.

Wie lange fällt Marco Schneuwly aus?

«Wir haben uns gut verkauft und den Bundesligisten vor Probleme gestellt», sagte FCA-Trainer Patrick Rahmen. Von Streich gabs nach dem Schlusspfiff anerkennende Worte für Rahmens Truppe, die beiden kennen und schätzen sich schon lange. Ein rundum gelungener Nachmittag also für den FC Aarau? Nicht ganz: Beim Warmmachen vor dem Spiel spürte Marco Schneuwly plötzlich einen stechenden Schmerz im Rücken.

Nichts ging mehr beim Stürmer, dem die Betreuer in die Kabine helfen mussten, später erhielt er vom Teamarzt eine Spritze. Die Diagnose beim 34-Jährigen steht aus: Von muskulären Problemen, die schnell auskuriert wären, bis zum Horrorszenario Bandscheibenvorfall ist alles möglich. Auch wenn Schneuwly im Formtief steckt und zuletzt beim Heimsieg gegen Wil (1:0) erstmals in diesem Jahr ein FCA-Pflichtspiel auf der Ersatzbank begann: Jeder weitere Ausfall würde das dezimierte Kader empfindlich treffen.

Nach dem Kurz-Trainingslager in Bellwald, dem Besuch der Maradona-Doku im Aarauer Kino Ideal und dem Testspiel gegen Freiburg endet die proppenvolle Länderspielpause für den FC Aarau mit den «FCA Family Days» – allerdings mit einer Programmänderung: Wegen des für Sonntag erwarteten schlechten Wetters findet der Plauschmatch mit FCA-Legenden und Einwohnerräten nicht im Brügglifeld, sondern im Schachen statt.