Wimbledon

Tennistalent Amra Sadikovic aus Birr: «Es war mega schön und die Atmosphäre war der Hammer»

Amra Sadikovic aus Birr verliert gegen Serena Williams 2:6, 4:6 und damit ihre erste Partie bei einem Grand-Slam-Turnier. Das Erlebnis Wimbledon wird sie trotzdem nie vergessen.

Als es vorbei war, fielen sich die beiden Kontrahentinnen am Netz in die Arme und drückten sich herzlich. Serena Williams hatte gewonnen, aber das war gar nicht so wichtig gewesen. Nicht für Amra Sadikovic.

Ein Jahr nach ihrem Comeback auf die Profitour durfte die 27-jährige Aargauerin auf dem Centre-Court von Wimbledon spielen und das gegen die sechsmalige Siegerin, die beste Spielerin der Welt. «Das war mega schön und die Atmosphäre der Hammer», sagte Sadikovic.

Aber sich bloss der Schlaggewalt der 34-jährigen Amerikanerin zu ergeben, wollte die Qualifikantin natürlich auch nicht. Und es gelang ihr tatsächlich, die Favoritin mit ihrem unkonventionellen Spiel ein bisschen zu ärgern. «Sie spielt wirklich Old-School Rasentennis», sagte Williams beeindruckt, «ich habe ihr am Netz gesagt, dass sie einen tollen Job gemacht hat.»

Amra Sadikovics Highlight auf dem Centre Court von Wimbledon gegen Serena Williams

Amra Sadikovics Highlight auf dem Centre Court von Wimbledon gegen Serena Williams

Beeindruckt vom Weg

Sadikovic hatte das Lob in ihrem Gefühlsrausch gar nicht richtig mitgekriegt. Sie erinnerte sich später nur noch, dass Williams ihr gesagt hatte, sie solle doch kurz auf sie warten. «Ich hatte gar nicht gewusst, dass man den Court zusammen verlässt», sagte Sadikovic und lachte: «Ich wäre einfach so rausgelaufen.»

Dabei hatte sie vor dem Match extra noch einer der Mitarbeiter des All-England-Clubs an die Hand genommen und ihr den speziellen Weg von der Umkleide auf den Centre-Court gezeigt. «Damit ich weiss, wo es raus geht», erzählte sie amüsiert, «das ist recht edel das Ganze, beeindruckend. Da musste ich im Korridor mit den ganzen Bildern der Champions schon rechts und links gucken.»

In Wimbledon scheint man die Geschichte noch atmen zu können. Und gegen die vielleicht Beste aller Zeiten durfte sie ran, aber so richtig wusste Sadikovic nicht, was auf sie zukommen würde – obwohl sie sich von Belinda Bencic ein paar Tipps geholt hatte. «Es ist dann aber doch anders, wenn man wirklich gegen sie spielt», erzählte die Aargauerin aus Birr, «und es hat leider recht lang gedauert, bis ich die Nervosität losgeworden bin.»

Trotzdem kam Sadikovic gleich im ersten Spiel zu einen Breakball gegen Williams. «Ja, hätte und wäre», lachte die Weltnummer 148, «wenn ich die Chance genutzt hätte, wäre ich vielleicht lockerer geworden.» Aber der Aufschlag und der Return der 21-maligen Grand-Slam-Siegerin Williams sind eine Kategorie für sich und sie demonstrierte Sadikovic, woran sie noch zu arbeiten hat.

Dennoch blieb die Aussenseiterin dran, ging im zweiten Satz sogar mit 2:1 in Führung. Halten konnte Sadikovic das Break jedoch nicht, Williams machte einfach zu viel Druck. «Ich habe zu viel gewollt», bedauerte Sadikovic, «ich hätte die Ruhe haben müssen, die ich in der Qualifikation hatte. Die war heute nicht da.»

Doch am Ende blieb ihr die Gewissheit, dass «ich gegen die Nummer eins der Welt gut mithalten konnte. Das gibt mir mega viel Selbstvertrauen». Und mit diesem Schwung könnte das grosse Ziel von den Top 100 bis zum Jahresende durchaus klappen. Für das direkte Hauptfeld der US Open könnte es bereits klappen, aber zunächst geht es auf Sand zum Heimspiel nach Gstaad. «Da freue ich mich drauf», so Sadikovic und lachte.

Amra Sadikovic im Wohnzimmer ihrer Eltern in Birr. Hier tankt sie neue Energie.

Amra Sadikovic im Wohnzimmer ihrer Eltern in Birr. Hier tankt sie neue Energie.

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