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Tennisprofi Amra Sadikovic sagt, warum sie immer wieder gerne nach Birr zurückkehrt

Sie ist auf dem aufsteigenden Ast: Tennisprofi Amra Sadikovic aus Birr steigt in der Weltrangliste hoch. Auf dem Sportplatz in Birr erklärt sie, warum sie sich gerne an ihre Jugend zurückerinnert.

Michael Hunziker
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«Als Jugendliche haben wir hier viel Zeit verbracht an den Wochenenden», sagt Amra Sadikovic auf dem Sportplatz bei den Schulanlagen.

«Als Jugendliche haben wir hier viel Zeit verbracht an den Wochenenden», sagt Amra Sadikovic auf dem Sportplatz bei den Schulanlagen.

Sandra Ardizzone

Während der Hälfte des Jahres reist sie um die Welt, ist Gast in den grössten Metropolen. Im Juni stand sie sogar auf dem heiligen Rasen von Wimbledon.

Einer der Lieblingsorte von Tennisprofi Amra Sadikovic befindet sich aber in Birr, in dem Dorf, in dem sie mit drei Geschwistern aufgewachsen ist und wo ihre Eltern nach wie vor leben.

Viele «mega schöne» Erinnerungen verbindet sie mit dem Sportplatz bei den Schulanlagen. «Als Jugendliche haben wir hier viel Zeit verbracht an den Wochenenden, sei es zum Fussball- oder Basketballspielen. Es lief immer etwas», sagt die sympathische 27-Jährige und streicht sich eine lange, schwarze Locke aus dem Gesicht.

Tennisprofi Amra Sadikovic aus Birr

Tennisprofi Amra Sadikovic aus Birr

Sandra Ardizzone

Zur Clique gehörten weitere begeisterte Sportlerinnen und Sportler, die es teilweise ebenfalls zu Bekanntheit brachten, beispielsweise im Fussball.

Als Namen fallen Fabienne Humm oder die Brüder Izet und Sead Hajrovic. Letztere kennt Amra Sadikovic von klein auf. Noch heute herrsche ein gutes Verhältnis – «vor allem auch, weil sich unsere Eltern super verstehen». Den Kontakt zu pflegen sei indes nicht ganz einfach, weil alle sehr viel unterwegs seien.

Sie ist ein Familienmensch

Die rare Zeit bei ihren Eltern und Freunden geniesse sie dafür umso mehr, stellt Amra Sadikovic fest.

«Ich bin ein Familienmensch. Für mich ist es wichtig, nach einem Turnier zurückkehren, abschalten und Energie tanken zu können, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist. Hier fühle ich mich am wohlsten, hier kann ich sein, wie ich bin.»

Birr sei ihre Heimat, fährt sie fort und gerät ins Schwärmen: «Das Dorf ist nicht so gross, aber herzig. Der Umgang ist freundlich, man kennt sich.»

Apropos: Kann sie sich noch unerkannt auf den Strassen bewegen? «Ich werde schon manchmal erkannt und angesprochen», antwortet sie mit einem Lachen. «Aber die Leute sind nie aufdringlich, lassen mich dann auch wieder in Ruhe.»

Eine Erklärung dafür, warum immer wieder Sporttalente aus Birr kommen, hat sie nicht.

Vielleicht sei es einfach Zufall, vielleicht habe der Umstand, dass sich alle regelmässig auf dem Sportplatz trafen, schon den einen oder anderen angespornt.

Auch sie selber habe doch schon etwas erreichen können, fügt sie mit einem Schmunzeln an.

In der Tat: Ihre Karriere begann im Alter von 9 Jahren beim Tennisclub Scherz. Amra Sadikovic gehörte bald zur nationalen Spitze und absolvierte eine Lehre als Spitzensportlerin bei Swiss Olympic.

Von 2009 bis 2014 war sie als Tennisprofi im Einsatz und erreichte mit Rang 179 ihre beste Klassierung. Im Mai 2014 trat sie vom Spitzensport zurück und war in der Folge als Tennistrainerin tätig.

Die Top 100 sind das Ziel

Seit ihrer Rückkehr auf der Profitour vor gut einem Jahr geht es stetig aufwärts. Wimbledon Ende Juni war das Highlight in ihrer bisherigen Karriere – «mit Abstand», sagt Amra Sadikovic.

Die Partie gegen Serena Williams, die beste Tennisspielerin der Welt, werde sie nie mehr vergessen. «Es gibt so viele Top-Spieler, die nie die Chance haben, auf dem Centre-Court zu spielen, noch dazu gegen die Nummer eins der Welt, vor so vielen Leuten und beim schönsten Grand-Slam-Turnier, das es gibt. Die Atmosphäre ist schwer in Worte zu fassen.»

Serena Williams habe sich sehr korrekt verhalten, sagt die 1,86 Meter grosse Aargauerin.

Sie konnte – auch wenn sie am Schluss verlor – gegen die Favoritin gut mithalten. «Nach dem Match haben wir uns herzlich umarmt. Sie hat gefragt, woher ich komme und machte sogar einen lockeren Spruch über meine Haare.»

Natürlich könne Serena Williams auf dem Tennisplatz eine Diva sein. Aber: «Jeder hat seine Rituale, seine Eigenheiten. Sie ist einfach eine selbstbewusste Frau, die enorm viel erreicht hat.»

Ein solches Erlebnis gebe auch ihr Selbstvertrauen und sei Motivation für die kommenden Schritte.

«Viele sehen das Leben der Tennisprofis nur von der Schokoladenseite. So schön ist es allerdings nicht immer», sagt Amra Sadikovic. «Kann man einmal Grand-Slam-Luft schnuppern, dann sieht man, dass sich die Strapazen lohnen. Das ist ein super Gefühl.»

Ihr erklärtes Ziel ist es, die Top 100 zu knacken. «Das macht vieles einfacher, da gehört man bei den Grand-Slam-Turnieren direkt zum Hauptfeld und muss sich nicht durch die Qualifikation kämpfen.»

Sie weiss zwar, dass viele Faktoren stimmen müssen, ist aber überzeugt, dass ihr das gelingen wird. «Und dann ist vieles möglich.»

Diese Woche stellt Amra Sadikovic ihr Können am Tennisturnier in Gstaad unter Beweis. «Darauf freue ich mich, denn in der Schweiz spiele ich in der Regel immer gut.»

Tatsächlich: Nach der erfolgreichen Qualifikation und nach dem Sieg gegen die Schwedin Rebecca Peterson vorgestern Montag ist sie – zum dritten Mal in ihrer Karriere – in die 2. Runde eines WTA-Turniers eingezogen.