Tennis
«Ich habe mich selbst aus den Augen verloren»: Jérôme Kym kämpft um seine Karriere

Vor zwei Jahren feierte Jérôme Kym seine Premiere im Davis-Cup und schrieb damit Geschichte. Danach folgte eine lange Durststrecke. Unter dem neuen Trainer zeigt die Formkurve aber wieder nach oben.

Nicolas Blust
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Jérôme Kym scheiterte beim FlowBank Challenger in Biel bereits in der ersten Runde am Franzosen Antoine Escoffier.

Jérôme Kym scheiterte beim FlowBank Challenger in Biel bereits in der ersten Runde am Franzosen Antoine Escoffier.

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Die Enttäuschung nach dem Out in der ersten Runde des FlowBank Challenger in Biel ist Jérôme Kym noch deutlich anzusehen. Gegen den starken Franzosen Antoine Escoffier musste sich Kym in zwei Sätzen mit 6:4 und 6:1 geschlagen geben.

Mit leicht gedämpfter Stimme versucht der Fricktaler, die Auftaktniederlage zu erklären: «Ich habe im ersten Satz nicht viel falsch gemacht. Einzig am Netz habe ich ein paar Punkte verloren, was dann auch das entscheidende Break ausmachte. Im zweiten Satz hat Antoine sehr gut gespielt und ich bin nicht richtig reingekommen, darum hat er am Ende verdient gewonnen.»

Der 18-Jährige nimmt die Niederlage also sportlich. Trotzdem ist es ein ungewohntes Gefühl, ging er in jüngster Zeit doch mehrheitlich als Sieger vom Platz. Doch Kym hat mittlerweile gelernt, mit Rückschlägen umzugehen.

Jüngster Schweizer Davis-Cup-Spieler der Geschichte

Vor etwas mehr als zwei Jahren schlägt die grosse Stunde des Aufschlagsspezialisten aus Möhlin. Mit gerade einmal 15 Jahren wird er für den Davis-Cup aufgeboten und avanciert damit zum jüngsten Schweizer Davis-Cup-Spieler der Geschichte. Damit löste der Aargauer Heinz Günthardt in der ewigen Bestenliste ab.

Jérôme Kym (ganz rechts) feierte im September 2019 seine Premiere im Davis-Cup. Damit avancierte er im Alter von 15 Jahren zum jüngsten Schweizer Davis-Cup-Spieler aller Zeiten.

Jérôme Kym (ganz rechts) feierte im September 2019 seine Premiere im Davis-Cup. Damit avancierte er im Alter von 15 Jahren zum jüngsten Schweizer Davis-Cup-Spieler aller Zeiten.

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Doch so rasant Kyms Aufstieg war, danach folgte eine grosse Leidenszeit. Nur selten konnte er sein Potenzial in der Folge abrufen. Eine Entwicklung, die auch Severin Lüthi kritisch verfolgte. «Es hat mir nicht gefallen, wie er sich danach entwickelt hat», sagte der Teamchef des Schweizer Davis-Cup-Teams gegenüber der AZ.

Jérôme Kym redet zwar nicht gerne über die Vergangenheit, gibt sich aber durchaus selbstkritisch: «Ich war damals selbst schuld. Ich habe gemeint, ich sei bereits ein Profi. Dabei habe ich mich selbst aus den Augen verloren.» Mittlerweile ist er demütiger geworden. Und auch reifer.

Luftveränderung tat Kym gut

Grossen Anteil daran hat sein neues Umfeld, rund um den österreichischen Trainer Markus Hipfl. Seit vergangenem Winter hat er Kym unter seine Fittiche genommen. Seither lebt und trainiert das Schweizer Talent in Kitzbühel und blüht dabei wieder so richtig auf. «Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit. Markus versteht mich als Menschen richtig gut», sagt der Fricktaler.

Er versuche, das Vertrauen des Trainers mit guten Trainings und der richtigen Einstellung zurückzuzahlen. Die Luftveränderung tut Jérôme Kym sichtlich gut. Deswegen bereut er seine Entscheidung keine Sekunde: «Es war ein guter Schritt. Ich bin froh, dass ich in Kitzbühel bin und ein wenig Abstand zur Schweiz habe. Umso grösser ist dann auch die Freude, in die Schweiz zurückzukehren.»

Voller Fokus auf Tennis in Kitzbühel

Heimweh hat der Aargauer indes nur selten. Er sei es sich schliesslich bereits aus seiner Zeit im Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel gewohnt, getrennt von seiner Familie zu leben. «Für meine kleinen Schwestern ist die Situation schwieriger als für mich», sagt Kym. In Österreich kann er sich zudem voll auf Tennis konzentrieren: «Ich beschäftige mich in Kitzbühel auch neben den Trainings viel mehr mit Tennis als noch in der Schweiz.»

Das scheint bislang zu fruchten, denn Jérôme Kym präsentierte sich jüngst in bestechender Form. An den Junioren-Turnieren in Wimbledon und an den US Open glänzte er mit einer Viertelfinal- beziehungsweise Halbfinalqualifikation.

Angesprochen auf diese Resultate beginnen seine Augen zu glänzen. «Ich konnte dort mein bestes Tennis spielen», sagt der 18-Jährige stolz und ergänzt: «Ich habe gekämpft und habe mir die guten Resultate verdient. Es sind zwei gute Turniere gewesen.» Mehr sagt er dazu aber nicht, schliesslich richte er seinen Blick nach vorne. Was vergangen ist, sei nicht mehr wichtig.

Sieg bei Rückkehr im Davis-Cup

Mit seiner aufsteigenden Formkurve erkämpfte sich der Fricktaler auch wieder einen Platz im Davis-Cup-Team. Im Duell gegen Estland vergangene Woche gewann Kym seine Einzelpartie gegen Slim Troost. Nun will er aber nicht wieder in ein Formtief fallen, wie nach seinem ersten Auftritt im Davis-Cup: «Ich mache jetzt sicher nicht wieder den gleichen Fehler wie das letzte Mal, sondern schaffe konzentriert weiter.»

Vorletzte Woche feierte Kym mit seinem Sieg gegen den Esten Slim Troost eine erfolgreiche Rückkehr auf die Bühne des Davis-Cups.

Vorletzte Woche feierte Kym mit seinem Sieg gegen den Esten Slim Troost eine erfolgreiche Rückkehr auf die Bühne des Davis-Cups.

Urs Lindt/Freshfocus

Denn Jérôme Kym hat weiterhin grosse Ziele: «Eines Tages ist es das Ziel, unter die besten Hundert Tennisspieler zu kommen.» Und Kym weiss, dass dafür noch viel Arbeit nötig ist: «Ich muss weiter hart an mir arbeiten und mich selbst noch mehr pushen, um eines Tages meine Ziele erreichen zu können.»

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