Fussball
Sven Christs Party trotz dem entscheidenden Penalty-Flop

FCA-Trainer Sven Christ schwelgt vor dem Cup-Achtelfinal in Luzern in Erinnerungen. Er selbst verschoss vor 14 Jahren im Cup-Final den entscheidenden Penalty. Heute im Spiel gegen Luzern möchte er mit dem FC Aarau eine erfolgreichere Geschichte schreiben.

Dean Fuss
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Sven Christ (M.), damaliger FCA-Captain, im Cup-Viertelfinal gegen den FC Zürich in der Saison 2005/06.

Sven Christ (M.), damaliger FCA-Captain, im Cup-Viertelfinal gegen den FC Zürich in der Saison 2005/06.

KEYSTONE

Der ganze Druck lastet in diesem Penaltyschiessen plötzlich auf Verteidiger Sven Christ. Die Zürcher Urs Fischer, Philippe Douglas und Micheil Kawelaschwili haben alle getroffen, Lausannes Christoph Ohrel und Oscar Londono hingegen sind gescheitert. Christ nimmt einen langen Anlauf, verzögert knapp vor dem Elfmeterpunkt kurz und sieht seinen Schuss Sekundenbruchteile später von Marco Pascolo pariert. Der damalige Nationalmannschafts-Goalie macht den FC Zürich damit zum Cupsieger im Jahr 2000 – dem letzten, der im altehrwürdigen Stadion Wankdorf in Bern gekrönt wird.

«Das war mein absolutes Highlight», sagt Christ mit einem Lächeln im Gesicht. Er erinnert sich gerne zurück an diesen Cup-Final vom 28. Mai 2000. Und das, obwohl der damals 26-Jährige die Niederlage für Lausanne mit seinem vergebenen Penalty besiegelte. «Es war so ein schöner, einmaliger Tag. Trotz des Scheiterns verbinde ich dieses Erlebnis nur mit guten Gefühlen.» Auf der Rückreise im Car habe er zusammen mit seinem Teamkollegen trotzdem gefeiert.

Keine Revanche-Gelüste

Schlechte Gefühle hingegen kommen bei Christ auf, wenn er sich an den Cup-Halbfinal mit dem FC Aarau im Jahr 2005 erinnert. Im Brügglifeld verlor sein Team gegen den damals unterklassigen FC Luzern mit 1:2. Es war das letzte Mal, dass der FCA einer Finalteilnahme so nahe gekommen war. Christ musste sich das Spiel von der Tribüne aus ansehen, weil er just eine Woche zuvor nach einem Kreuzbandriss operiert worden war. Es ist aber nicht dieser unglückliche Umstand, der den heute 40-Jährigen im Rückblick ärgert: «Damals hat es im Team nicht gestimmt», sagt er. Einige Spieler seien mit dem damaligen Aarau-Trainer Andy Egli nicht mehr zufrieden gewesen.

Weil er 2005 nicht selber auf dem Platz stand, sieht Sven Christ den Cup-Achtelfinal gegen Luzern von heute Abend (19.30 Uhr) nicht als Revanche. Ein Thema ist das ärgerliche Ausscheiden von damals auch nur im persönlichen Umfeld des Trainers, nicht aber in seinem Team.

Seit 1985 kaum mehr Cup-Erfolge

Seit diesem 14. April 2005 hat es der FCA nie mehr in einen Cup-Halbfinal geschafft. Das höchste der Gefühle waren seither drei verlorene Viertelfinals. Generell präsentiert sich die Aarauer Bilanz seit dem Cupfinal von 1985 und dem 1:0-Sieg gegen Neuchâtel Xamax eher düster. Nur einmal stand man seither im Final: 1989 gegen die Grasshoppers (1:2-Niederlage).

Zusammen mit seinem Team will Trainer Sven Christ heute gegen Luzern den Schritt in den Viertelfinal machen. Das Gefühl des erreichten Achtelfinals kennt er nämlich als Trainer bereits aus der vergangenen Saison, wo er mit dem Erstligisten FC Baden trotz 1:0-Führung schliesslich mit 1:4 am FCZ scheiterte. Erstmals geht er als Trainer auf Augenhöhe in einen Cup-Achtelfinal, aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs ist der FCA gegenüber Luzern sogar etwas stärker einzustufen. «Wir lassen uns nicht in die Favoritenrolle drängen. Aber eines ist klar: Der FCL steht massiv stärker unter Druck, weil er mit dem Cup seine Saison retten muss», sagt Christ. Hingegen verfolge der FCA im Cup einfach eines seiner Saisonziele: «Wir wollen möglichst weit kommen.»

Komme, was wolle: Zum entscheidenden Penalty wird Christ heute Abend in Luzern auf keinen Fall anlaufen. Durchaus möglich ist aber, dass er nach 120 Minuten seine Schützen für den Penaltykrimi bestimmen muss.