Diesmal waren es die Spieler des Gegners, die sich nach Spielschluss zerknirscht in ihre Garderobe verdrückten. Bei den Aarauern hingegen war die Stimmung nachvollziehbar gut. Zwar verbleibt der FCA trotz des 0:0-Unentschiedens beim FC Zürich am Ende der Tabelle, doch machte das, was die Mannschaft von Trainer Sven Christ im Zürcher Letzigrund auf den Rasen zauberte, Mut für den Kampf gegen den Abstieg. Und zaubern ist angesichts der Leistung vom frühen Samstagabend sicherlich die angebrachte Bezeichnung.

Stimmen zum Spiel: Interview mit Joël Mall sowie die Pressekonferenz mit den beiden Cheftrainern Sven Christ und Urs Meier.

Stimmen zum Spiel: Interview mit Joël Mall sowie die Pressekonferenz mit den beiden Cheftrainern Sven Christ und Urs Meier.

Lob für Christ

Endlich liessen die FCA-Spieler ihre in den vergangenen Wochen vermisste aber durchaus vorhandene Klasse aufblitzen. Mit klassischem «One-Touch-Football» wirbelte man die Zürcher Defensive mächtig durcheinander und mit viel Kampfgeist und Engagement wurde die gegnerische Offensive fast schon mundtot gemacht. Mit einem 3-1-4-2-System überraschte Trainer Sven Christ bei der Aufstellung. Und das zahlte sich aus: «Sven hat mit dem System alles richtig gemacht. Er hat etwas probiert und das ist aufgegangen», sagte FCA-Captain Sandro Burki kurz nach Spielschluss.

Der 29-Jährige hatte beim 0:4-Debakel in Luzern aufgrund seiner Rot-Sperre aus dem Vaduz-Spiel tatenlos zusehen müssen. Gegen den FC Zürich kehrte er furios auf den Rasen zurück. Als alleiniger Sechser vor der Dreierabwehr fühlte er sich sichtlich wohl. Burki übernahm während der kompletten Spieldauer die volle Verantwortung: Er dirigierte seine Mannschaft, verteilte die Bälle und nahm als Vorzeigekämpfer jeden Zweikampf an. Gäbe es im Fussball wie im Eishockey bei jedem Spiel eine offizielle Wahl des besten Spielers beider Mannschaften, Burki hätte die Auszeichnung aufseiten des FCA ohne jeden Zweifel erhalten.

Burki gibt Blumen weiter

Doch der Captain gibt die Blumen weiter an sein Team: «Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Nach einer schwierigen Woche haben wir sehr gut reagiert. Wir sind als Team zusammengestanden und haben uns diesen Punkt verdient.» Auch für Trainer Christ, an dessen Stuhl in der vergangenen Woche in den Medien heftig gesägt worden war, hat der Captain nur Lob übrig: «In erster Linie hat Sven die richtigen Worte gefunden. Es sind im Verlauf der vergangenen Woche auch harte Worte gefallen.» Genau das hatte es ganz offensichtlich gebraucht.

Dass Francisco Rodriguez’ Schuss in der Nachspielzeit an der Latte und nicht im Tor landete, passte zum starken Auftritt des FCA. Endlich konnte man das nötige Quäntchen Glück wieder einmal auf die eigene Seite zwingen. Trotz der positiven Gefühle unmittelbar nach Spielschluss will Burki das 0:0 beim FCZ nicht überbewerten: «Wir haben einen Punkt geholt. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung – nicht mehr und nicht weniger.» Auf jeden Fall haben die Spieler des FC Aarau gestern ein Ausrufezeichen gesetzt. Eine eindeutige Ansage an die Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg. «Ich habe schon einige Abstiegskämpfe mit dem FCA durchgemacht. Wichtig ist, dass der Charakter des Teams stimmt. Und genau den haben wir in Zürich gezeigt», sagt Burki.