Die Frage war bezeichnend für HSC-Torhüter Flavio Wick: «Können wir, kann ich nach einer guten Leistung, aber einer Niederlage zufrieden sein?» Nein. Aber Wick zeigte eine starke Leistung. 13 Paraden sammelten sich an für den Nachwuchskeeper in den 60 Spielminuten, darunter ein parierter Siebenmeter gegen Nationalspieler Lukas von Deschwanden.

Und immer wieder hatte der schlaksige 2-Meter-Mann mit den roten Haaren Grund, die Faust zu ballen, sich auf die Brust zu trommeln. «Ich kam immer besser zurecht, konnte das Spiel der Thuner immer besser lesen», freute er sich. Dafür verantwortlich machte er nicht zuletzt seine Vorderleute, die Defensive, die immer besser griff. «Nachdem wir in der Anfangsphase etliche Gegenstosstore hatten hinnehmen müssen, verstanden wir es, darauf ein geeignetes Rezept zu finden», sah er die Erklärung für die Leistungssteigerung.

Schlechter Start

Begonnen hatte die Partie beim Favoriten im Berner Oberland wenig vielversprechend. Ein ums andere Mal wurde der HSC Suhr Aarau überlaufen. 5:1 hiess es nach fünf Spielminuten. Die Anpassung glückte aber schnell, und der Erfolg davon widerspiegelte sich im Resultat. Fünf Minuten später hatten die Gäste erstmals ausgeglichen. Zwei weitere Male sollte ihnen dies glücken in der ersten Hälfte, und das Pausenergebnis von 15:14 für Wacker liess alles offen. Der erfahrene Standard-Torhüter Martin Pramuk, der wegen einer Gehirnerschütterung passen musste, klopfte seinem jungen Stellvertreter Wick anerkennend auf die Schulter. «Tolle Leistung, weiter so», sagte er und gab ihm Tipps mit für die zweite Hälfte. Zum Beispiel, dass er vor den grossen Namen beim Gegner nicht zu viel Respekt zeigen müsse.

Solche Kontakte weiss Wick zu schätzen, «insbesondere, weil Martin alles sieht, mit seiner Erfahrung das Spiel enorm gut lesen kann». Als «enormes Glück» sieht Wick die Zusammenarbeit mit Pramuk im Training wie in den Partien. Dass der 19-Jährige im Anschluss an die Partie zum besten Spieler seiner Equipe gewählt worden war, fasste er als «Bestätigung der Entwicklung» auf. Darauf will er bauen.

Gezielte Nachwuchsförderung

Auch Trainer Patrik Fend freute sich über die solide Leistung von Wick. Er sieht sie in grösserem Rahmen, als «das Resultat unserer gezielten Nachwuchsförderung». Gerade auf der Torhüterposition: «Es ist erfreulich, dass wir diese Qualität auf breiter Ebene zeigen können.» Und überzeugt ist er, dass sich seine Equipe «erst am Anfang einer Entwicklung befindet».

In freudiger Stimmung befand er sich aber keineswegs. Vielmehr ärgerte ihn die Niederlage. «Vor allem im Angriff zeigten wir nicht, was wir könnten», betonte er. Die Folge ist, dass der HSC Suhr Aarau nach wie vor auf die ersten Punkte wartet. Zwingend ändern soll sich dies am folgenden Mittwoch, wenn die Reise in die Ostschweiz geht, zu Fortitudo Gossau.