Leidenschaft, die Bereitschaft, nie aufzugeben, etwas riskieren, Tempo, Spielwitz, Kreativität – diese Elemente wurden zuletzt vermisst im Spiel des HSC Suhr Aarau. Das Wiederfinden dieser Tugenden war der Auslöser für die einschneidenden Massnahmen im Umfeld des akut abstiegsgefährdeten Klubs, Grund für die Rückkehr von Ex-Trainer Guido Frei auf die Bank und das frühe Comeback von Misha Kaufmann nach seiner Meniskusoperation. Die riskante Massnahme zeigte Wirkung. Der HSC Suhr Aarau zeigte Biss, kämpfte, rackerte in der Deckung und behielt lange die Nerven im Angriff. Eine 13:10-Pausenführung war der Lohn für die Anstrengungen. Doch diese Vorgabe reichte nicht.

Denn am Schluss hiess es 22:23 und Rückkehrer Guido Frei kritisiert: «Der BSV Bern hat das beste Kader der Mannschaften dieser Abstiegsrunde, behauptet sich souverän, aber dieser BSV von heute, der hätte besiegt werden müssen.» Das Kräfteverhältnis in der ersten Hälfte diente als Anlass. Doch die Souveränität und die zeitweise klare Führung (7:4, 12:7) dienten zu wenig als Grundstein. Schier neun Minuten bis zum ersten Treffer der zweiten Halbzeit, vier weitere bis zum nächsten, das war zu wenig.

Verloren war indes bis 11 Sekunden vor der Sirene nichts. Denn auch die Berner wirkten vor allem in der Offensive alles andere als stilsicher oder gar brillant. Und weil beim HSC die Deckung ihre Stabilität behielt, blieb die Partie offen – und endete mit dem glücklicheren Ende für die Gäste. Die wenigen verbleibenden Sekunden reichten nicht für Letztes Zählbares. Ein bitteres Ende war’s. «22 Gegentreffer dürften wir erhalten, 23 ist einer zu viel», hielt Guido Frei fest. Erkannte aber gerade in dieser Feststellung das Hauptdefizit: die Angriffsbilanz.

«An dieser Schwäche müssen wir schleunigst arbeiten», forderte er und sprach von «einer Kopfsache». Nie aufgegeben hätte seine Equipe zwar, gekämpft und sich aufgeopfert, aber plötzlich sei in der zweiten Hälfte das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten verloren gegangen. Mehr Arroganz wünscht er sich von jedem Einzelnen, «die Coolness Risiko einzugehen». Optisch und statistisch erfreulich ausgewirkt haben sich die Retuschen. So prägte Lubomir Josic das Angriffsspiel wie kaum je zuvor. War das Novum mit Fabian Studer am rechten Flügel eine angemessene Lösung, weil so weniger Wechsel nötig wurden. Und war die riskant frühe Rückkehr des rekonvaleszenten Routiniers Kaufmann generell in der Defensive und für die Schlussminuten auch in der Offensive ein Gewinn. Und mit der Art des Auftritts zurückerobert hat sich die Mannschaft zumindest die Gunst des Publikums.

Telegramm:

Suhr Aarau - BSV Bern Muri 22:23 (13:10)

586 Zuschauer. - SR Bernet/Wick. - Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau, 3mal 2 Minuten gegen den BSV Bern Muri.

Suhr Aarau: Stojkovic/Wick (für 2 Penaltys und ab 47.); Bräm, Kasapidis, Suter (4), Zuber (2), Romann (2), Aufdenblatten, Lukas Strebel (2), Josic (8), Hochstrasser, Studer (2), Kaufmann (2/1), Patrick Strebel.

BSV Bern Muri: Marjanac/Rosenberg (ab 15.); Reber, Hess, Steiger (3), Röthlisberger (4/1), Prachar, Striffeler (7), Kurth (5/3), Räz (3), Mühlemann (1).

Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Buholzer und Konecnik. BSV ohne Lengacher, Getzmann, Tarhai, Nyffenegger und Mitrovic (alle verletzt).