Handball
STV Baden gewinnt Aargauer Derby gegen Möhlin

Städtli setzt sich auswärts in Möhlin mit Mühe, aber letztlich verdient, gegen einen unbequemen Gegner mit 24:21 (11:12) durch und ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke.

Franco Bassani
Merken
Drucken
Teilen
Patrick Schneider erzielt sein erstes NLB-Tor.

Patrick Schneider erzielt sein erstes NLB-Tor.

Franco Bassani

Die Grippe zwingt im Februar nicht nur die halbe Schweiz ins Bett, sie hat in jüngster Vergangenheit auch bei den Badener Handballern sichtbar Spuren hinterlassen: Gegen Kreuzlingen hatte es vor Wochenfrist bloss zu einem Unentschieden gereicht. Ob die Badener nun wieder alle auf dem Damm sind, sollte das Auswärtsspiel gegen den TV Möhlin zeigen.

Möhlin nimmt Goalie konsequent raus

Baden trat im «Steinli» mit voller Bank an und sah sich auf dem Feld dennoch fast ständig einer Übermacht gegenüber: Möhlin nahm von Beginn weg seinen Torhüter vom Feld und setzte in der Offensive konsequent auf numerische Überzahl. Ein taktischer Schachzug, der sich zunächst durchaus auszahlte: Mit Würfen aus der zweiten Reihe und schnellen Anspielen an ihre Kreise kamen die Fricktaler immer wieder zu sehenswerten Treffern. Das reichte in den ersten 30 Minuten aber maximal für ein Drei-Tore-Polster.

Städtli blieb zwar dran, liess aber auch zahlreiche Möglichkeiten für «geschenkte» Tore aus. Statt den in der Defensive eroberten Ball gleich ins verwaiste Tor des Gegners zu spedieren, wurde über mehrere Stationen gespielt, als wenn am anderen Ende des Felds wie gewohnt ein Goalie warten würde – was dann auch tatsächlich wieder der Fall war, bis der Ball vorne war.

In der zweiten Halbzeit blieb Möhlin seiner taktischen Marschrichtung treu und versuchte Baden weiterhin mit schierer Überzahl in die Knie zu zwingen. Mit abnehmendem Erfolg, denn der STV Baden hatte sich im Verlaufe des Spiels immer besser auf die spezielle Situation eingestellt. Die Verteidiger störten die Wege und Abschlussversuche von Möhlins Spielertrainer Marcus Hock (10 Tore aus 16 Versuchen, davon 6 verwandelte Siebenmeter) immer besser, und hinter ihnen erwies sich Torhüter Marco Wyss einmal mehr als starker Rückhalt. Möhlin gingen so zusehends die Ideen und zwingenden Aktionen aus.

Erstmalige Führung ins leere Tor

In der 46. Minute dann der entscheidende Moment der Partie: Beim Stand von 16:16 fasst sich endlich ein Badener – Thomas Stalder – nach einer weiteren gelungenen Abwehraktion nicht nur den Ball, sondern auch ein Herz und wirft ihn von der Mittellinie ins leere Möhlin-Tor. Die erste Badener Führung! Fortan sollte Städtli 1 nie mehr hinten liegen und brachte den Vorsprung in der ohnehin emotionalen Partie mit viel Kampf und etwas Krampf über die Runden.

Wie viel Druck auf allen Akteuren lastete, zeigten die unschönen Szenen wenige Sekunden vor Ende der bereits entschiedenen Partie: Möhlins Sandro Soder und Badens Yanick Schläpfer beharkten sich derart, dass es für den einen eine Zeitstrafe und für den anderen gleich eine direkte rote Karte setzte.

Nicht der erste diskutable Entscheid des Abends. Zu welchen Unflätigkeiten und persönlichen Beleidigungen sich das Publikum in der Folge aber gegenüber Schiris und Spielern hinreissen liess... Keine Werbung für den Handball.

Mit einer roten Karte (nach drei Zeitstrafen) hatte schon Thomas Schmid vorzeitig das Feld verlassen müssen. Die zwei Punkte und den weiteren Verbleib auf Rang drei hat sich Baden im Fricktal also sauer verdient. Auf der Habenseite steht aber zweifellos, dass die Mannschaft definitiv vom Krankenbett auferstanden ist. Im Vollbesitz der Kräfte ist Städtli zwar noch nicht, aber das Ende der Rekonvaleszenz ist in Sicht.

Und dann kann sich Trainer Björn Navarin noch über eine zusätzliche Option für die anstehenden Spiele freuen: Patrick Schweizer, der Bruder von Ramon, hat in Möhlin sein NLB-Debüt gegeben und dabei gleich zwei Tore erzielt und eine Zeitstrafe kassiert – zum Einstieg gleich das volle Programm.