Frisch geduscht, frisch frisiert und im schmucken, rot-schwarzen Trikot des FC Aarau gekleidet: Ivan Audino erscheint im Brügglifeld pünktlich zum Fototermin für seine Autogrammkarte und die FCA-Website. Der junge Mann grüsst freundlich, schüttelt Hände, stellt sich in Pose und lässt das Blitzlichtgewitter geduldig über sich ergehen. Mehr noch. Die neue Nummer 20 des FC Aarau strahlt. «Ich hatte zwischenzeitlich etwas den Spass am Fussball verloren», sagt er. «Jetzt freue ich mich auf die neue Herausforderung. Der FC Aarau ist eine gute Adresse. Ich werde meine ganze Kraft in den Dienst der Mannschaft stellen.»

Wenn das mal keine Ansage ist. Audino also ist guter Dinge. Das war in den vergangenen Monaten nicht so. Vor dieser Saison fiel Audino beim FC Wil trotz Vertrags bis 2020 ausser Rang und Traktanden. Der 25-Jährige zählte wegen der Vielzahl an Spielern und der grossen Konkurrenz nicht mehr zum Kader und durfte nicht mit der ersten Mannschaft trainieren. Eine ungewöhnliche Massnahme. Schliesslich spielt Audino seit 2012 für die Ostschweizer, bestritt 117 Spiele und erzielte 26 Tore.

Geschichte: Ivan Audinos erfolgreichen Tage im Dress vom FC Wil nahmen nachdem er aussortiert wurde ein Ende.

Geschichte: Ivan Audinos erfolgreichen Tage im Dress vom FC Wil nahmen nachdem er aussortiert wurde ein Ende.

Was ist passiert? Mit der Ankunft der türkischen Geldgeber und den gestiegenen Erwartungen war beim FC Wil von einem Augenblick auf den andern alles anders. Ganz anders. Audino wurde aussortiert, war weg vom Fenster. «Das war eine bittere Pille», blickt der frühere Schweizer U19-Spieler zurück. «Ich war abgrundtief enttäuscht und konnte nicht verstehen, was da mit mir geschehen ist.»

Trotzdem: Schuldzuweisungen macht Audino keine. Im Gegenteil! «Ich war in einigen Situation sicherlich zu emotional und habe Fehler gemacht», gibt sich der Stürmer mit italienischen Wurzeln selbstkritisch. «Während der vergangenen Monate musste ich ziemlich untendurch. Positiv ist, dass ich in dieser schwierigen Zeit viel gelernt habe.»

Was denn? «Fussball ist kein Einzelsport, Fussball ist ein Mannschaftssport», sagt er. «Ich weiss jetzt, dass ohne die Teamkollegen nichts geht. Nun bin ich dankbar, dass ich meine Karriere beim FC Aarau neu lancieren kann. Natürlich will ich spielen. Natürlich will ich möglichst viele Einsätze. Aber es geht in erster Linie um das Wohl meines neuen Vereins.»

Ivan Audino schoss einst den FC Wil in der Nachspielzeit zum Sieg bei Lugano.

Ivan Audino schoss einst den FC Wil in der Nachspielzeit zum Sieg bei Lugano.

Als Talent beim FC Zürich

Audino galt in jungen Jahren als grosses Talent. Er spielte als Junior beim FC Wetzikon und Winterthur. Der FC Zürich entdeckte seine Klasse frühzeitig und holte den schnellen und dribbelstarken Offensivspieler Anfang 2009 in den Letzigrund. «Für mich ging mit der Vertragsunterschrift beim FCZ ein Traum in Erfüllung», sagt Audino. «Das Gefühl, bei einem Grossklub zu sein, war grossartig.»

Bei den Zürchern spielte er allerdings meistens für die U21. Als 18-Jähriger feierte er sein Debüt in der ersten Mannschaft mit einem Kurzeinsatz. Den Durchbruch zum Stammspieler schaffte er aber nicht. Das ist auch der Grund, warum er 2012 zum FC Will wechselte.

FC Winterthur – FC Aarau – die Highlights (2. Spieltag 16/17)

Und nun also der FC Aarau. Für Trainer Marco Schällibaum und Sportchef Raimondo Ponte ist Audino eine wertvolle Verstärkung. «Ivan ist ein guter Typ und passt zu uns», sagt Schällibaum. Ponte sieht das ähnlich. «Ivan hat schwierige Zeiten hinter sich», sagt er. «Jetzt will er einen Neuanfang machen. Ich bin überzeugt, dass er dem FC Aarau Freude bereiten wird.»

Interessantes Detail: Der in Wetzikon wohnhafte Audino fährt nicht mit dem Auto, sondern mit dem Zug ins Training nach Aarau. «Das ist kein Problem für mich», sagt er. «Der Stress mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist viel kleiner als mit dem Auto. Und in gut einer Stunde bin ich ja schon im Brügglifeld.» Wie lange Audino bei den Aarauern bleiben wird, ist offen. Der Leihvertrag mit Wil dauert fürs Erste bis Ende Saison. Dann werden sich die beiden Klubs an einen Tisch setzen und die Zukunft Audinos regeln.