Eine Woche vor dem Saisonstart hat Sportchef Sandro Burki noch zwei Plätze im Kader zu vergeben: Ein zentraler Mittelfeldspieler, ein Stürmer – und die FCA-Ausgabe 2018/19 steht. Im Kampf um den freien Platz im Sturm fällt die Entscheidung zwischen Goran Karanovic und Mickael Almeida. Der FC Aarau absolviert heute zwei Testspiele gegen den FC Basel (11 Uhr) und den SC Cham (19 Uhr) – wer vom Stürmerduo den besseren Eindruck macht, hat im Kampf um den Vertrag beim FC Aarau die Nase vorn.

Der eine, Karanovic, ist seit zwei Wochen Trainingsgast im Brügglifeld. Anfangs ging es darum, sich fit zu halten. Doch je länger, je mehr kann sich Karanovic einen Wechsel zum FC Aarau und in die Challenge League vorstellen: «Ich habe hier den Spass am Fussball wiedergefunden. Die Stimmung im Training ist hervorragend, der Trainerstaff macht einen super Job. Ich traue dem FC Aarau in der nächsten Saison alles zu.»

Ganz eindeutig: Karanovic spürt die Aufbruchsstimmung und möchte Teil der möglichen Erfolgsstory in den kommenden Monaten sein. Dass der 30-Jährige es kann, hat er im Testspiel gegen Thun bewiesen: Seine zwei Tore sorgten für die Wende nach einem 0:2-Rückstand (Endstand 3:2).

Goran Karanovic (r.) hat den Torriecher nicht verloren – startet er beim FC Aarau durch?

  

Der langjährige Super-League-Stürmer Karanovic ins Brügglifeld? Zweifellos ein verlockender Gedanke, auch für die FCA-Verantwortlichen. Trotzdem: Die besseren Karten um den Platz im FCA-Sturm neben Königstransfer Marco Schneuwly hat Mickael Almeida. Mickael wer? Der 19-jährige französisch-portugiesische Doppelbürger wurde im renommierten Nachwuchs von Olympique Lyon ausgebildet und wechselte 2017 zum FC Sion. Seit einer Woche spielt er in Aarau vor. Ein Tor, ein Assist und ein Pfostenschuss im 35-minütigen Kurzeinsatz gegen Thun liessen aufhorchen.

Constantins Versprechen an den FC Aarau

Was spricht für Karanovic? Er stammt aus der Region und hat Herzblut für den FC Aarau. Karanovic verfügt über den nötigen Torinstinkt, dazu ist sein Rucksack prall gefüllt mit Erfahrung. Und nach knapp zweijähriger Verletzungspause mangelt es dem 30-Jährigen nicht an Motivation, nochmals durchzustarten.

Was spricht für Almeida? Wer ihm zuschaut, sieht sofort: Dieser Junge hat das gewisse Etwas. Schnell, eiskalt vor dem Tor, dribbelstark – Almeida ist ein Juwel mit grosser Perspektive. Er sagt trotz Interesse aus der Super League: «Ich will zum FC Aarau kommen, hier kann ich mich am besten entwickeln.»

Almeida ist U20-Nationalspieler von Europameister Portugal. Ein Talent seines Formats auszuleihen, wäre für den FC Aarau auch punkto Prestige eine grosse Kiste. Angenommen, Almeida macht später international Karriere, könnte man sich im Brügglifeld ein Teil des Ruhms auf die eigene Fahne schreiben und sich als ideales Sprungbrett für Talente vermarkten – ein nicht zu unterschätzender Faktor auf dem Transfermarkt.

Christian Constantin, Präsident des FC Sion, sagt: «Wenn ich Almeida in ein paar Jahren für viel Geld verkaufen kann, würde der FC Aarau an der Ablösesumme partizipieren.»

  

Sion-Boss Christian Constantin, der Almeida vor einem Jahr ins Wallis lockte, sagt: «Ich halte viel von Mickael, aber wir haben momentan keinen Platz für ihn im Kader, weil wir auf erfahrenere Spieler bauen. Ich will ihn nach Aarau ausleihen, damit er dort ins Schaufenster gestellt wird. Ich verspreche: Wenn ich Almeida in ein paar Jahren für viel Geld verkaufen kann, würde Aarau an der Ablösesumme partizipieren.» Constantin weiter: «Aarau müsste keine Leihsumme bezahlen, aber in der nächsten Saison den Lohn von Almeida übernehmen.» Das finanzielle Risiko für den FC Aarau hält sich bei Almeida also in Grenzen.

Auch die Altersfrage spielt eine Rolle

Anders sieht es bei Karanovic aus, obwohl er vereinslos ist und ebenfalls keine Ablöse kostet. Aber er würde das Lohnbudget des FCA deutlich stärker belasten als sein Konkurrent. Zu viel Risiko angesichts der Ungewissheit, ob Karanovic nach zwei Kreuzbandrissen sofort einschlägt? Fakt ist auch: Wenn die Wahl auf Almeida fällt, bleibt mehr Budget für einen überdurchschnittlichen Mittelfeldspieler.

Bald entscheidet sich die Frage, wer neben Marco Schneuwly im FCA-Sturm agieren darf.

Bald entscheidet sich die Frage, wer neben Marco Schneuwly im FCA-Sturm agieren darf.

Dass die Tendenz in Richtung Almeida geht, hängt nicht zuletzt mit der Altersfrage zusammen: Almeida (19) würde das ideale Gegenstück zu den Routiniers Marco Schneuwly (33) und dem noch bis im Winter verletzten Patrick Rossini (30) bilden. Andererseits: Ein Sturmtrio Schneuwly, Rossini und Karanovic klingt verlockend und müsste sich auch in der Super League nicht verstecken.

Wer bekommt den letzten Platz im FCA-Sturm?