Wie weiter?
Stress statt ruhige Länderspielpause: Der FC Aarau hat wegweisende Tage vor sich

Was passiert an der Trainerfront? Welche Taktik wählen die Klubverantwortlichen im Stadion-Kampf? Bleibt vor den Tagen der Entscheidung zu hoffen, dass danach die Perspektiven auf Besserung wieder grösser sind.

Sebastian Wendel
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Sind gefordert: FCA-Vizepräsident Roger Geissberger (links) und Präsident Alfred Schmid.

Sind gefordert: FCA-Vizepräsident Roger Geissberger (links) und Präsident Alfred Schmid.

Freshfocus

Zwei Wochen Länderspielpause. Zeit, durchzuatmen vor dem Saison-Endspurt? Vielleicht für andere Klubs, aber nicht für den FC Aarau. Bis zum nächsten Heimspiel am Ostermontag gegen den FC Winterthur stehen wegweisende Entscheidungen an. Gefordert ist nun die Klubführung, die den Beweis schuldig ist, dass sie die Situation unter Kontrolle hat und die zeigen muss, wie sie den Karren aus dem Dreck zu ziehen gedenkt. Taten sind an zwei Fronten gefordert:

Sport:

Der Frust hat sich überall eingenistet. Die Spieler des FC Aarau wollten am Freitagabend nach dem 0:1 in Wil nur noch eines: Möglichst schnell nach Hause. Sie, ebenso verantwortlich für die schwachen Darbietungen auf dem Rasen wie der Trainer, sind hilflos und überfordert. Eben dieser Trainer Marinko Jurendic realisiert, dass seine grossen Bemühungen nicht fruchten und reagiert emotional auf die Kritik von Fans und Medien (den Kommentar dazu lesen Sie hier). Und ein Teil der rund 50 Personen im Gästeblock, die trotz Tristesse den FC Aarau auch nach Wil begleitet haben, bauen ihren Frust am WC-Mobiliar ab – am Morgen nach dem Spiel erreichen die « AZ» Bilder von eingetretenen Türen und zerstörten Papierspendern.

Jurendic muss gemäss Recherchen den FC Aarau spätestens im Sommer verlassen. Bis zum Saisonende aber sind noch elf Partien zu spielen. Die Fortsetzung des Sinkflugs ist mit dem Eindruck der vergangenen drei Spiele (drei Niederlagen, alle ohne FCA-Torerfolg) wahrscheinlicher als die Trendwende. Gleichzeitig müssen im Hintergrund Nägel mit Köpfen gemacht werden, was die neue Saison betrifft. Die Worte von Teleclub-Experte Jürgen Seeberger treffen es auf den Punkt: «Die Führungsetage beim FC Aarau muss jetzt reagieren. Sie muss Klarheit schaffen, wie es auf der Trainerposition weitergeht.»

Soll heissen: Es muss nun offiziell gemacht werden, dass der FCA-Trainer in der kommenden Saison nicht Marinko Jurendic heissen wird. Ansonsten droht die Selbstzerfleischung im Dreieck Trainer-Sportchef-Mannschaft. Was Seeberger auch meint: Der FC Aarau wirkt führungslos. Weder Präsident Alfred Schmid noch Vizepräsident Roger Geissberger haben sich trotz Mega-Krise in Wil blicken lassen. Auf Nachfragen zu Personalien heisst es vom Präsidium: «Keine Wasserstandsmeldungen.» Wird die Saison ausgesessen? Oder werden in der Länderspielpause Entscheidungen zur sportlichen Zukunft bekannt gegeben?

Stadion:

Vor zwei Wochen hat die Stadt Aarau den Druck massiv erhöht. Bis am 20. März, also morgen Dienstag, will sie eine von allen Stadion-Parteien unterzeichnete Absichtserklärung. Diese besagt: Keine Nebengleise mehr. Die Bauherrin HRS, die Gruppe «meinstadion.ch» und der FC Aarau sollen dem Stadtrat den Rücken bei der Umsetzung von Plan «B» (Stadion umringt von Hochhäusern) stärken: Noch in diesem Jahr soll die Volksabstimmung über die für den Bau der Hochhäuser notwendigen BNO-Revision stattfinden. Die Tempoverschärfung der Stadt soll sicherstellen, dass spätestens im Herbst 2021/Frühling 2022 mit dem Hochbau des Stadions begonnen werden kann.

Vor zwei Wochen weigerte sich der FC Aarau, diese Absichtserklärung zu unterzeichnen. Grund: Der Zeitplan der Stadt sei utopisch. Stattdessen begannen der FCA, «meinstadion.ch» und die HRS Gespräche über den sogenannten Plan «C»: Dieser sieht eine Entkoppelung von Hochhäusern und Stadion vor, bedingt aber eine für die HRS zufriedenstellende Zwischenfinanzierung. Gemäss Stadt kostet diese 40 Millionen Franken, eine nicht finanzierbare Summe, weshalb sie schon früher davon abgesehen habe. Und in den vergangenen Tagen ist nichts durchgesickert, wonach der von FCA, HRS und «meinstadion.ch» diskutierte Plan «C» vor dem Durchbruch stehe.

Gemäss aktuellem Kenntnisstand wäre es für Aussenstehende schwer nachvollziehbar, würden die Verantwortlichen des FC Aarau die Absichtserklärung der Stadt Aarau nicht unterzeichnen. Die Stadt sähe in diesem Fall wohl keine Notwendigkeit mehr, die BNO-Revision dem FC Aarau zuliebe so schnell wie möglich vors Volk zu bringen. Was in den Augen vieler Beobachter das Ende der Stadionträume im Torfeld Süd bedeuten würde.