Seilziehen

Stramme Waden in den Schuhen eines Eiskunstläufers

Seilziehen mit Waltenschwil-Kallern

Seilziehen mit Waltenschwil-Kallern

Eine Scheune und eine Wiese, ein dickes Seil, ein paar stramme Waden und überraschendes Schuhwerk, das sind die augenfälligen Merkmale eines Trainings mit dem Seilziehclub Waltenschwil-Kallern.

Markus Stutz zeigt seinen rechten Schuh. «Das war früher mal ein Schlittschuh», sagt er. Dieser Schlittschuh hat eine erstaunliche Wandlung hinter sich. Die Kufe fehlt, am Absatz prangt eine dicke Metallplatte. Das Werk eines Schuhmachers. Profil: Fehlanzeige. «Schuhe mit Profil sind im Seilziehen verboten», erklärt der Trainer von Waltenschwil-Kallern und zieht seinen Nierengurt an. Neben ihm steht der Ankermann und schlüpft in eine dicke Schutzweste. Der Ankermann steht zuhinterst im Seil und wickelt dieses um seinen Oberkörper. Die Weste schützt ihn vor Schürfungen und Verbrennungen. Dann wird das Tau um einen Baum gebunden. Neun Personen sind an diesem Abend im Training und rammen ihre kräftigen Beine in den Boden. Der Baum hält stand.

Die Boom-Jahre sind vorbei

Der Seilziehclub Waltenschwil-Kallern existiert seit 1977 und zählt heute rund 20 Aktivmitglieder. «Die Boom-Jahre der späten 80er und frühen 90er sind vorbei», sagt Adrian König, das dienstälteste Clubmitglied. Berühmt war der Club vor allem wegen der Frauen, die sich mit Lieli zur Seilziehgemeinschaft Waka-Lieli zusammengeschlossen hatten und Erfolg an Erfolg reihten. Nach dem Abgang des Trainers im letzten Jahr löste sich die Gemeinschaft auf, die ambitionierteren Frauen wechselten zu Sins, die weniger ambitionierten blieben und stehen nun in der Mixed-Mannschaft von Waltenschwil-Kallern. Daneben stellt der Verein ein Jugend- und ein U23-Team. Die aktive Männermannschaft wurde vor sieben Jahren aufgelöst. Das würde man gerne wieder ändern.

Seil auf – Spannen – Bereit – Pull

«Die Mehrheit der Seilzieher stammt aus handwerklichen Berufen», sagt Trainer Stutz. Er selbst ist Baumaschinenmechaniker. Aber auch ein angehender Doktor ist Mitglied im Club. Trainiert wird in einer alten Scheune Mitten im Wohnquartier Waltenschwils und auf einer Wiese im Büelisacker. Der Boden in der Scheune hat drei Bahnen, um die verschiedenen Unterlagen – Sand, Erde und Treppe – zu simulieren. Aussen hängen riesige Gewichte, die über einen Seilzug ans Tau im Inneren der Scheune führen. Auf der Wiese im Büelisacker steht, nebst dem Baum, ein Pfosten. Dieser markiert die Mitte des Seils, wenn zwei Gruppen gegeneinander antreten. Dann lautet das Kommando: «Seil auf – Spannen – Bereit – Pull.» Die Geräuschkulisse, die nun entsteht, lässt die immensen Kräfte erahnen.

«Das erste, was man beim Seilziehen spürt, sind die Hände», sagt Markus Stutz. Später folgt der Rest des Körpers. Wichtig ist, dass der Schwerpunkt möglichst tief liegt und der Körper gestreckt ist. Beim Seilziehen gibt es keine Einzelspieler, keine Stars. «Beim Seilziehen geht es um Harmonie», sagt Stutz, «man kann nur als Team gewinnen.»

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