So kennen wir Stéphane Besle: hart, unerbittlich, ehrgeizig! Der 32-jährige Franzose ist Profi des FC Aarau und verfügt über einen unbändigen Siegeswillen. Um zu erreichen, was er will, geht Besle an die Grenzen des Erlaubten. Manchmal sogar darüber hinaus: «Ich bin ein Provokateur», sagt er. «Ich provoziere allerdings vor allem deshalb, weil man mich provoziert. Ich habe während meiner Laufbahn als Berufsfussballer gelernt, mich zu wehren. Der Konkurrenzkampf hat mich gestählt. Ich teile aus, bin aber auch bereit einzustecken.»

So kennen wir Stéphane Besle nicht: gefühlsbetont, empfindsam, verletzlich! Übt er seinen Beruf aus, kennt Besle keine Kompromisse. Im privaten Bereich ist er anders, ganz anders. «Neben dem Spielfeld bin ich ein genügsamer, friedlicher und netter Mensch», sagt er. «Ein Mensch, der gerne Zuneigung erfährt und grossen Wert auf Tugenden wie Respekt, Anstand und Sicherheit legt.»

Abseits des Spielfelds ist Besle eine ganz andere Person.

Abseits des Spielfelds ist Besle eine ganz andere Person.

Mit Verwarnungen per «Du»

Besle auf, Besle neben dem Spielfeld: Das sind zwei paar Schuhe. Beginnen wir mit dem Berufsmann! Ein Blick auf die Statistik spricht Bände: In den bisherigen 19 Einsätzen für den FC Aarau seit Februar dieses Jahres kassierte der 1,88 Meter grosse und 86 Kilogramm schwere Modellathlet eine gelb-rote Karte und neun Verwarnungen. Das ist viel. Sehr viel sogar.

Die rote Karte für Besle im Spiel gegen den FC Schaffhausen.

Die Kartenflut führte dazu, dass Besle bis jetzt dreimal gesperrt war. Das ist die schlechte Nachricht. Und die gute Nachricht? Sein sportlicher Wert für die Mannschaft ist indiskutabel und lässt sich anhand einer einzigen Zahl beweisen: Besles Punkteschnitt aus den 19 Partien beträgt satte 2,21. Eine starke, eine sehr starke Ausbeute!

Als Fussballer geht Besle also durchs Feuer. «Ich muss so sein, weil ich immer gewinnen will», sagt er. «Schliesslich geht es im Profigeschäft um sehr viel. Es geht um Siege und Punkte. Es geht um Ehre und Prestige. Und es geht im Endeffekt natürlich auch um Geld.» Besle macht kein Geheimnis daraus, dass er während seiner 14-jährigen Karriere bei Lens, Xamax, Metz und St. Gallen gut verdient hat.

«Es ist schön, dass ich mir von meinen Ersparnissen in Neuenburg ein Haus kaufen konnte», sagt er. «Aber ich musste dafür auch einen hohen Preis bezahlen.» Welchen Preis denn? «Wegen der extremen Belastungen während mehr als zweieinhalb Jahrzehnten werden die Verschleisserscheinungen immer grösser. Mein Körper hat Schaden genommen und braucht viel Pflege. Der Zeitaufwand für Pflege, Massage und Therapie ist beinahe so gross wie jener für die Einsätze auf dem Spielfeld.»besle

Besle lässt offen, wie lange er noch Fussball spielen wird. Sein Vertrag beim FC Aarau dauert zwar nur noch bis Ende dieser Saison, aber es gibt eine Option. Bei einer gewissen Anzahl Spiele verlängert sich der Vertrag um eine Saison. Momentan ist er der unumstrittene Patron der Viererabwehrkette. Seine Erfahrung, seine Schlitzohrigkeit sind Gold wert. Für Trainer Marco Schällibaum ist Besle «der Rolls Royce des FC Aarau». Was für ein Kompliment an die Adresse des Mannes, der im Heimspiel gegen Le Mont zusammen mit Marco Thaler die Innenverteidigung der Aarauer bilden wird und nur ein Ziel vor Augen hat: Sieg!

Vom Übeltäter zum Polizisten?

Fussball hin, Fussball her; Besle macht sich seit geraumer Zeit viele Gedanken über die Zukunft, Gedanken darüber, was er nach der Zeit als Profi tun wird. «Für mich gibt es momentan zwei mögliche Berufsrichtungen», sagt er. «Ich wollte eigentlich immer Polizist werden und kann mir vorstellen, eine entsprechende Ausbildung zu machen. Anderseits habe ich vor kurzer Zeit eine Ausbildung in der Versicherungsbranche begonnen. Ich bekomme die Aufgaben nach Hause geschickt und schicke sie mit den hoffentlich richtigen Lösungen zurück.»

Weil Besle in seiner Planung für die berufliche Zukunft nichts dem Zufall überlässt, wird er in den nächsten Tagen einen Berufsberater aufsuchen. «Bevor ich mich entscheide, will ich wissen, wo meine Stärken und meine Schwächen sind», sagt er. «Das ist mir so wichtig, dass ich dafür bereit bin, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.» Mit dabei beim Termin mit dem Berufsberater ist Besles Lebenspartnerin Romina. Den Grund nennt er gleich selbst: «Romina ist eine extrem starke Frau und eine grosse Persönlichkeit. Sie weiss ganz genau, was für mich gut ist. Ich vertraue ihr voll und ganz. Sie wird mir bei der Realisierung meiner Pläne während der nächsten Jahre eine grosse Hilfe sein. Eine Hilfe, die ich dringend brauche.»