Die Frauenfussball-Weltmeisterschaft in Frankreich erfreute sich in diesem Sommer sehr grosser Beachtung. Viel wurde berichtet und zahlreiche TV-Stationen zeigten die Spiele live. Ist der Aufschwung im Frauenfussball also tatsächlich so gross? Auch abseits der Weltbühne?

Der Frauen- und Mädchenfussball hat sich in der Schweiz auf nationaler Ebene in den vergangenen Jahren in der Tat gut weiterentwickelt. Die Strukturen wurden professioneller, bereits in jungen Jahren werden die Spielerinnen mit sogenannten «Talent Cards» von Trainern beobachtet und ihre Leistungen akribisch erfasst.

Die Daten werden an die regionalen Trainer weitergegeben, damit diese auf die Defizite eingehen und sie verbessern können. Bereits die Mädchen der U-Mannschaften sehen Zukunft in ihrer Sportart. «Spielerinnen kommen zu mir und fragen mich, wie sie in die erste Mannschaft kommen. Sie sehen Top-Spielerinnen und wollen werden wie diese», sagt der Assistenztrainer der U16-Nationalmannschaft, Charles Grütter.

Im Aargau stellt sich die Lage des Frauenfussballs jedoch etwas anders dar. Auf Anfrage beim Aargauischen Fussballverband (AFV) heisst es, dass die Zahl der aktiven Mädchenmannschaften und Spielerinnen seit einigen Jahren stagniert. Die Zahl liegt bei knapp 10 Prozent aller lizenzierten Fussballerinnen und Fussballer, also rund 1800 Mädchen und Frauen, die aktiv Fussball betreiben.

Die Entwicklung geht in die falsche Richtung

Die Aargauer Vereine haben Mühe, neue Spielerinnen zu finden. Viele Mädchen entscheiden sich in jungen Jahren für andere Sportarten. Die Frauenfussballteams haben darum bereits in frühen Altersstufen grosse Probleme, Spielerinnen an Bord zu holen. Diese fehlen dann auch in den späteren Alterskategorien.

«Ich habe das Gefühl, dass es bei uns im Aargau nicht vorwärtsgeht», sagt Mädchenfussballtrainer Thomas Müller vom BSC Zelgli/Aarau. «Bis 2010 gab es immer mehr Mädchenteams. Seither stagniert es. Es wird immer schwieriger, Mädchen vom Fussball zu überzeugen.» Deshalb bietet sein Verein eine Fussballschule für Mädchen ab fünf Jahren an. Aber auch vom Verband wünschen sich die Vereine mehr Unterstützung: «Die Frauen bringen kein Geld in den Verband. Sie werden stiefmütterlich behandelt. Als ein notwendiges Übel, das man auch noch betreuen muss», sagt Thomas Müller.

Bremgarten wagt den Schritt in die 1. Liga

Die Probleme strahlen in den Erwachsenenfussball aus: Der FC Baden verzichtete auf den Aufstieg in die 1. Liga aus einem einfachen Grund: Sie konnten kein Kader stellen. Den Schritt wagte dafür die erste Mannschaft des FC Bremgarten. «Die Spielerinnen wollten das ganze Mal erleben. Auch wir diskutierten darüber, ob sich dieser Schritt lohnt. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir etwas Neues erleben wollten», sagt Trainer René Knecht.

Auch in Bremgarten erlebe man keinen Aufschwung im Frauenfussball. «Seit etwa acht Jahren haben wir eine stabile Zahl an Frauenfussballerinnen im Verein. Wenn man meint, wegen der Weltmeisterschaft sei diese gestiegen, irrt man sich», so Knecht.
Die Verantwortliche für Frauenfussball beim AFV, Monika Kirchhofer, sieht jedoch Perspektiven. Sie sagt: «Wir haben im Frauen- und Mädchenfussball noch viel Potenzial und wünschen uns, dass mehr Mädchen den Klubs beitreten.»

Ein Problem sieht Trainer Knecht in der Abschaffung der Regionalauswahl. So würden die talentiertesten Spielerinnen oft früh zum grössten Verein in der Region wechseln, um eine Perspektive zu haben. «Früher hatten wir die Regionalauswahl, wo die besten Spielerinnen einmal pro Woche hin sind. Nun müssen wir sie fast dem FC Aarau überlassen, weil sie dort bessere Chancen auf eine Karriere haben», sagt Knecht. «Es wird schwieriger, solche Spielerinnen zu behalten.»

So schliesst sich der Kreis. Es gibt zu wenige Juniorinnen, die Besten von ihnen wechseln zum grössten Verein in der Region. Die Lage ist klar: Es hat zu wenig Fussballerinnen im Aargau. Zwar wünscht sich der AFV mehr fussballspielende Mädchen, doch Wünsche realisieren noch lange keine Ziele, dafür muss auch etwas getan werden.