Langsam, aber sicher kommt Bewegung in die Sache. Bis Ende Juni 2019 muss die Generalversammlung der FC Aarau AG, an der die Aktionäre den neuen Präsidenten und Verwaltungsrat bestimmen, stattfinden. Vom aktuellen Führungsgremium verlassen Präsident Alfred Schmid, Vizepräsident Roger Geissberger und Urs Bachmann den Verwaltungsrat definitiv. Ruedi Vogt, Peter Zubler und Karl Oldani können sich einen Verbleib vorstellen, Präsident aber wird keiner von ihnen.

Wie weit die Nachfolgersuche ist, darüber schweigt die abtretende Führung. Hingegen ist mehr über den zeitlichen Ablauf zu erfahren. «Bis Ende Februar soll der Wunschkandidat präsentiert werden», sagt Geissberger. Eine optimistische Prognose zwar, aber gemäss Recherchen sollen in den Wintermonaten in der Tat Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Fokus mehr auf gesunden Finanzen als auf Veränderung

Der Noch-Präsident tritt offiziell auf die Bremse: «Wir setzen uns keine Frist.» Reine Taktiererei von Alfred Schmid, der die Nachfolger-Suche zur Chefsache erklärt. Er geht Kandidaten an, die er für geeignet hält. Und er ist Ansprechpartner für Personen, die von sich aus Interesse am FCA-Präsidium haben. Schmid, der für Seriosität und Bescheidenheit steht, wünscht sich eine stille Übergabe. Konkret: Er will einen Nachfolger, der den Klub so führt wie er und der bereit ist, Löcher in der Kasse mit privatem Geld zu stopfen. Der Fokus soll auf gesunden Finanzen und weniger auf Veränderung liegen. So gesehen drängt sich ein Nachfolger aus einer der mächtigen und Schmid nahestehenden Sponsorenvereinigungen «Club 100» und «White Socks» auf.

Die Gesundheit des Vereins in einem schwierigen Umfeld ist zweifellos das grösste Werk der Ära Schmid. Während rundherum die Konkurrenten mit Geldproblemen zu kämpfen haben oder pleitegehen, zahlt der FCA jeden Monat pünktlich die Löhne und schliesst die Jahresrechnungen mit Gewinn ab. Doch sportlich und punkto Strahlkraft ist die Bilanz der vergangenen zwölf Jahre trist: Der 63-jährige Gränicher Alfred Schmid übernahm den Klub 2007 im Super-League-Mittelfeld, heute ist Aarau Letzter in der Challenge League und medial ausser im Stammesgebiet inexistent. Den Kontakt zum Aarauer Fussvolk hat der Verein verloren, hingegen florieren die Sponsorenvereinigungen.

Ein wegweisendes Jahr

Ist es richtig, dass Schmid alleine seinen Nachfolger sucht und so das Szenario naheliegt, dass die nächsten zwölf Jahre werden wie die vergangenen zwölf? Oder ist das eine vertane Chance auf Modernisierung? Das Jahr 2019 wird wegweisend: Wohl im Sommer entscheidet sich an der Urne, ob im Torfeld Süd ein neues Stadion gebaut wird oder ob das Projekt endgültig stirbt.

Schmid will die Nachfolgersuche losgelöst von der Stadionfrage durchführen. Ein frommer Wunsch: Für einen neuen Präsidenten ist es ein 180-Grad-Unterschied, ob mit dem neuen Stadion die Super League wieder in Griffnähe ist oder ob die Perspektive lautet: Überlebenskampf in der Challenge League.

Die Eigeninteressen der Vereinspräsidenten

Mit welcher Motivation wird man Präsident eines Schweizer Fussballklubs? Es gibt solche wie Christian Constantin (Sion) und Ancillo Canepa (FCZ), die den Erwerb der Aktienmehrheit als erfüllten Kindheitstraum betrachten. Sie investieren Millionen in die Klubs, gleichzeitig hängt dieser am Tropf von Einzelmasken, deren Lust auf Fussball irgendwann gestillt ist.

In der Regel motivieren geschäftliche Interessen zur Übernahme eines Präsidentenstuhls. Das Paradebeispiel ist der Emmentaler Stephan Anliker, der als GC-Präsident zwar Geld einschiesst, dafür in Zürich Aufträge für sein Architekturbüro erhält. Eigennutz muss man den Präsidenten zugestehen, denn der Schweizer Fussball ist in den seltensten Fällen ein Nullsummenspiel, der Normalfall sind private Finanzspritzen zur Überlebenssicherung.

Denkbare neue Modelle

Alfred Schmid, Chef einer Firma für Alarm- und Sicherheitssystem, ist eine Ausnahme. Er hat im FCA-Umfeld sicher einige Deals für seine Firma an Land gezogen; doch als FCA-Präsident lag und liegt bei ihm das Wohlergehen des Klubs an erster Stelle. Das Gleiche gilt für seine Kollegen im Verwaltungsrat. Monumentalen Veränderungen in der Führungsstruktur steht Schmid skeptisch gegenüber. Dabei gäbe es denkbare Modelle:

> a) Die neue Führungscrew orientiert sich am früheren FC Basel unter Bernhard Heusler oder am FC St. Gallen unter Matthias Hüppi. In diesem Modell sind die Klubpräsidenten einerseits die omnipräsenten Aushängeschilder, andererseits Herr über das Alltagsgeschäft und sie erhalten einen Lohn.

> b) Der FC Aarau holt einen Investor ins Boot, die Generalversammlung veräussert diesem falls gewünscht die Aktienmehrheit. Das kann gut gehen, wenn man auf den FC Zürich blickt, den die Canepas mit Wohlwollen führen. Das kann schiefgehen, wenn man auf die Episode der türkischen Investoren in Wil blickt.

Gedankenspiele und Träumereien sind erlaubt. Am Ende gilt wie bei den meisten Schweizer Fussballklubs: Der FC Aarau muss froh sein, wenn er überhaupt einen willigen Präsidenten findet.