Curling

Stein für Stein die Blockade gesprengt – Aargauer Highlight an den Olympischen Spielen in Pyeongchang

Sie vertreten die Schweiz in Pyeongchang (v.l.): Das Curlingteam Aarauum Skip Silvana Tirinzoni, Manuela Siegrist, Esther Neuenschwander und Marlene Albrechts.

Sie vertreten die Schweiz in Pyeongchang (v.l.): Das Curlingteam Aarauum Skip Silvana Tirinzoni, Manuela Siegrist, Esther Neuenschwander und Marlene Albrechts.

Das Curlingteam Aarau sorgt für ein Aargauer Highlight an den Olympischen Spielen im kommenden Februar in Pyeongchang.

Silvana Tirinzoni und Trials – bis vor kurzem alles andere als eine Liebesbeziehung. Da glänzt das Curlingteam Aarau um Skip Tirinzoni regelmässig an internationalen Topturnieren, gehört seit Jahren dank seiner Konstanz zu den besten Mannschaften der Welt (aktuell Nummer 4 der Weltrangliste).

Doch wenn es bei den Schweizer Ausscheidungen darum ging, sich für EM, WM oder Olympische Spiele zu qualifizieren, scheiterte das erfolgreiche Quartett mit hoher Zuverlässigkeit. Mehr als einmal auch an den eigenen Nerven.Schicksal, dass Mitte Oktober erneut die sogenannten Trials über den Schweizer Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang entscheiden mussten.

Aargauer Olympiateam Curling Frauen, vl. Silvana Tirinzoni, Manuela Siegrist, Nationaltrainerin Manuela Netzer-Kormann, Esther Neuenschwander und Marlene Albrecht. KEBA, Aarau, 9. November 2017.

Aargauer Olympiateam Curling Frauen

Aargauer Olympiateam Curling Frauen, vl. Silvana Tirinzoni, Manuela Siegrist, Nationaltrainerin Manuela Netzer-Kormann, Esther Neuenschwander und Marlene Albrecht. KEBA, Aarau, 9. November 2017.

Wie immer mit den üblichen Verdächtigen, neben Aarau die Teams aus Baden (Skip Alina Pätz) und Flims (Skip Binia Feltscher). «The same procedure as every year, Silvana», hätte man an Anlehnung an den nicht tod zu kriegenden Silvester-Sketch «Dinner for one» sagen können.

Noch nie dagewesene Machtdemonstration

Doch diesmal hielten sich Silvana Tirinzoni (38) und ihre Mitstreiterinnen nicht ans traditionelle Drehbuch. Anstatt mit dem dramatischen Ausscheiden endeten die Trials in einer noch nie dagewesenen Machtdemonstration.

Das Team Aarau gewann alle sechs Spiele der sogenannten Round Robin, bezwang Baden und Flims in teilweise hochklassigen Auseinandersetzungen je dreimal und konnte sich dank dieser Überlegenheit sogar das vorgesehene Finale sparen. Was um Himmels Willen war passiert? Spielte gar Zauberei mit?

Mentaltraining zahlte sich aus

Silvana Tirinzoni lächelt. «Natürlich fragt man sich nach einer solchen Negativserie in den vergangenen Jahren, an was es liegen kann. Wir haben mental intensiv gearbeitet, um an diesen Trials weniger blockiert zu sein.» Dem Mentaltrainer gehört ein Kränzchen gewunden.

Einsatz für Einsatz, Stein für Stein nahm das Aarauer Team, das genau genommen aus drei Zürcherinnen und der Baslerin Siegrist besteht, das Geschehen an den Trials mit. Den grossen Traum Olympia brachen sie quasi runter auf die einzelne Wischbewegung. Die Blockade war gesprengt, der Weg zum grössten Highlight in der Karriere eines Curlers frei.

Die Turnierwoche in Biel brauchte derart viel Energie, dass die Spielerinnen nach ihrer Heldentat schlicht zu müde waren, um die grosse Feier steigen zu lassen. «Wir waren mental ziemlich erschöpft, bestellten uns Pizza ins Hotelzimmer und genossen den Moment im Stillen», sagt Tirinzoni.

Fokus auf Südkorea

Und nun richtet sich der Fokus also ganz auf Südkorea. Wobei das Team bei der Saisonplanung bereits diese Perspektive wählte. «Es war ziemlich schwierig, den Turnierplan aufzustellen, weil wir ja nicht wussten, wie es nach Mitte Oktober weitergehen würde. Also planten wir in der Theorie schon mal mit Olympia. Wir sagten uns; ‹Wir schaffen das!›», verrät Tirinzoni.

Nun steht ab dem 17. November als erste Belohnung die Heim-EM in St. Gallen auf dem Programm. Danach geht es an ein Turnier nach Japan. Ganz bewusst, um im Hinblick auf Pyeongchang die Folgen einer Zeitverschiebung in Richtung Osten zu erleben. Im Januar folgen zwei Turniere im Curling-Mekka Kanada und danach eine Regenerationspause vor den Olympischen Spielen.

«Es war uns auch vor den Trials wichtig, einerseits mit vielen Turnieren die Form aufzubauen, andererseits vor der Ausscheidung eine Pause einzulegen», sagt Esther Neuenschwander. «Da hat es uns auch nicht gestört, dass wir eines dieser Turniere voll vergeigt haben. Wir wussten, worauf der Fokus lag.»

Olympia-Medaille ist das Ziel

Die Vorfreude auf das Megaerlebnis Olympia ist beim Aarauer Quartett zu spüren. Allerdings wirkt auch hier bereits wieder die mentale Arbeit. «Wir wollen einerseits die Atmosphäre geniessen, uns aber andererseits im klaren sein, dass es letztlich auf dem Eis das gleiche Spiel mit den gleichen Steinen ist», sagt Tirinzoni. «Es sind zwar zehn der weltbesten Teams dabei, aber nur weil es Olympische Spiele heisst, ist keines dieser Teams plötzlich doppelt so gross.»

Will heissen: Das Team Aarau nimmt die Challenge des Verbandes an und macht das vorgegebene Ziel eines Medaillengewinns auch zur eigenen Vorgabe. «Nun tun wir alles, um auf den Punkt genau bereit zu sein», sagt Marlene Albrecht.

Wie das geht, wissen die vier Spielerinnen spätestens seit den Trials. Auch wenn Esther Neuenschwander sagt: «Der Schlüssel zum Erfolg ist kein Passepartout. Aber wir wissen nach Biel vielleicht etwas besser, wo wir ihn suchen müssen.»

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