Fussball

Steiler Aufstieg zum Profi: Dieser Aargauer will in der Super League durchstarten

Renato Steffen wechselte auf Saisonbeginn vom FC Solothurn zum FC Thun und steht vor seinem ersten Super-League-Einsatz. Vor über einem Jahr hatte er erst noch 2.-Liga-Inter-Fussball gespielt.

Renato Steffen aus Erlinsbach betritt eine Stunde vor dem täglichen Mannschaftstraining den Kunstrasen der Arena Thun. Seine Augen glänzen, er trägt ein breites Schmunzeln auf dem Gesicht. «In einem solchen Stadion zu spielen, davon habe ich schon als kleiner Bub geträumt», sagt der 20-Jährige und schiesst die Kugel ballverliebt ins Tor.

Erst noch 2.-Liga-Fussball gespielt

Renato Steffen hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich: Vor über einem Jahr trug er noch das Trikot des SC Schöftland in der 2.Liga inter.

Im August 2011 wechselte der heute 20-Jährige zum FC Solothurn in die erste Liga – und schlug dort umgehend ein. Er erarbeitete sich in wenigen Spielen einen Stammplatz, schoss wichtige Tore und spielte sich aufgrund seiner Treffsicherheit und Schnelligkeit als «Speedy» Steffen in die Herzen der Solothurner Fans.

Das Spiel der Spiele

Am 5. November 2011 fand das für Steffen wohl wegweisende Spiel gegen das U21-Team des FC Thun statt: Solothurn gewann es mit 4:2. Der Aargauer sorgte mit zwei Treffern für die Spielentscheidung.

Nach dem Schlusspfiff schritt der U21-Thun-Trainer noch auf dem Platz stehend zu Steffen und gratulierte ihm zu einem guten Spiel. «Er sagte mir, ich sei ein interessanter Spieler für Thun», erinnert sich Steffen.

Der U21-Trainer sprach jedoch nicht etwa von der Thuner Nachwuchsmannschaft: Er sah Steffen als Super-League-Spieler. «Ich war baff. Ich sagte ihm nur noch, er soll dies doch besser mit meinem Trainer anschauen», sagt Steffen und lacht.

In der Folge herrschte Funkstille zwischen dem Erlinsbacher und dem Verein aus dem Berner Oberland. Steffen konzentrierte sich nach wie vor auf seinen Beruf als Maler.

Er schloss 2011 bei der Bircher AG in Suhr erfolgreich eine Malerlehre ab und durfte daraufhin im Betrieb Berufserfahrung sammeln. «Sie wussten zu jeder Zeit, dass eine Profikarriere infrage kam. Glücklicherweise durfte ich auf viel Verständnis zählen», so Steffen.

Dann ging es eines Tages blitzschnell: Steffen erhielt während der Arbeit von Thuns Sportchef Andreas Gerber einen Anruf. Er dürfe sein Können in zwei Probetrainings mit der ersten Mannschaft präsentieren.

Anschliessend wurde er mehrmals bei Meisterschaftsspielen mit Solothurn von Gerber beobachtet. «Und plötzlich stand ich schon mit dem Team im Vorbereitungslager in Adelboden und erhielt einen Vertrag.»

Beim FC Aarau ausgemustert

Im Alter von vier Jahren begann Steffen beim FC Erlinsbach Fussball zu spielen. Acht Saisons ging er als Junior für den Dorfverein auf Torejagd. Daraufhin wechselte er mit 12 Jahren zum FC Aarau und durchlief die Stationen der U14 bis U16.

Doch in Aarau wollte man offenbar das Talent Steffens nicht erkennen: Man musterte ihn aus. Die Begründung: Er werde aufgrund seiner Grösse nie auf professionellem Niveau Fussballspielen. «Man wollte beim FCA eher auf grosse Spieler setzen», sagt der 1,70 m kleine Spieler mit den Schultern zuckend.

Steffen glaubte trotzdem stets an sich und kämpfte sich nun ohne Nationalliga-Erfahrung in den Kader des FC Thun. «Renato hat alles, was ein moderner Fussballer mitbringen muss. Er gibt keinen Ball her und gibt auch in Trainings stets 120 Prozent Einsatz. Aber jetzt muss er erst recht Blut lecken», weiss Entdecker und Solothurn-Trainer Roland Hasler.

Nebst Hasler sind auch die Eltern des 20-Jährigen stolz: «Vor allem, weil er sich alles alleine ohne jegliches Vitamin B erarbeitet hat», betont Vater Rolf Steffen.

Zu Saisonbeginn musste Steffen bereits einen Rückschritt hinnehmen: In einem Testspiel zog er sich einen Muskelabriss im Beckenkamm zu. Seit letzter Woche trainiert er wieder mit dem Team. «Er muss jetzt hart an sich arbeiten und geduldig sein. Seine Zeit wird noch kommen», sagt Bernard Challandes, FC-Thun-Trainer.

Steffen nickt schmunzelnd: «Ich will beweisen, dass ich auf höchstem Niveau Fussball spielen kann – und will Thun helfen, die Ziele, die wir uns gesteckt haben, zu erreichen.» – Er spricht schon wie ein ganz Grosser.

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