Das sportliche Glanzlicht des langen Schützenwochenendes in der Aarauer Kasernenhalle setzte die Internationale Chiara Leone. Die 18-jährige Gewehrschützin aus Frick gewann mit dem höchsten Finalresultat des Tages die Juniorenkategorie. Leone atmete nach schwachem Finalbeginn auf: «Ich blieb ruhig und versuchte, meine Leistung abzurufen. Das gelang mir trotz dem grossen Druck, den ich jeweils an Aargauer Meisterschaften spüre.»

Ihre grosse Herausforderin, Selina Koch aus Waltenschwil, zeigte ihr Können mit dem Bestresultat in der Qualifikation. Mit dem Finalmodus kam die 17-jährige Freiämterin aber noch nicht zurecht. Sie musste sich mit Bronze begnügen. Der Nussbaumer Ivan Füglister steigerte sich im Juniorenfinal, blieb aber gegen Leone chancenlos.

Zwei Wettingerinnen Gewehrschützinnen an der Spitze (von links): Darunee Frossard (2.), Désirée Schaefer (1.) und Christiane Keller (3.)

Zwei Wettingerinnen Gewehrschützinnen an der Spitze (von links): Darunee Frossard (2.), Désirée Schaefer (1.) und Christiane Keller (3.)

Überlegene Wettingerinnen

Wie schon im Vorjahr führte der Titel bei den Frauen über die Sportschützen Wettingen-Würenlos. Zwar verfehlte die routinierte Qualifikationssiegerin Sandra Mäder-Stucker überraschend das Podest. Doch am Schluss duellierten sich trotzdem zwei Wettingerinnen.

Désirée Schäfer bewahrte Ruhe und verteidigte ihre Führung ab dem ersten Schuss mit einer Differenz von 0,7 Punkten gegenüber Vereinskollegin Darunee Frossard, die sich zu spät steigerte. «Ich spürte meine Nervosität, konnte aber damit umgehen», strahlte Schäfer nach ihrem ersten Titelgewinn. Bronze ging an Christiane Keller. Die Buchserin traf mit den entscheidenden Schüssen 15 und 16 besser als Mäder.

Dem Kleindöttinger Mario Keller gelang das Kunststück, seinen Titel mit dem Minimalvorsprung von 0,1 Punkten zu verteidigen. Schon im Vorjahr hatte er mit dieser Differenz gewonnen. Der Rothrister Routinier Mikael Vontobel hatte zwischenzeitlich deutlich hinten gelegen, doch mit den letzten Schüssen holte er auf. «Das war reine Nervensache», sagte Keller und atmete nach dem 20. Schuss, mit dem er nur 8,6 Punkte geholt hatte, tief durch.

Wieder Aargauer Meister mit dem Luftgewehr: Mario Keller.

Wieder Aargauer Meister mit dem Luftgewehr: Mario Keller.

Bruno Schenks Schreckschuss

Der Aargauer Rekordmeister Dieter Grossen mochte sich an keinen so spektakulären Final der Pistolenschützen erinnern. Lange steuerte Patrik Hunn auf den Titel zu, doch 6,5 Punkte mit dem 16. Schuss warfen ihn aus der Medaillenentscheidung. Plötzlich führte Favorit Grossen, obwohl dieser zuvor drei Schüsse verpatzt hatte.

Da er aber im 17. Schuss nur 7,5 Punkte erzielte, musste er sich mit Bronze begnügen. Nun lag Gold bereit für Bruno Schenk, doch das Zofinger Titelduell irritierte ihn. Nur 7,6 Zähler leuchteten nach dem 19. Schuss bei ihm auf. Derweil schoss Bernhard Kayser mit 10,9 Punkten einen Volltreffer, und die Führung wechselte zum Titelverteidiger.

Nun flatterten aber bei diesem die Nerven. 9,0 reichten nicht zu neuerlichem Gold. Vereinskollege Schenk schnappte den Sieg mit 10,4 Ringen. «Damit habe ich nicht gerechnet. Das Duell gegen Bernhard machte mich nervös», gestand Schenk. Kayser nickte und ergänzte: «Adrenalin pur, am Schluss zitterte mein Arm total.»

Mit dem letzten Schuss gewann Bruno Schenk erstmals den 10-m-Aargauer-Meistertitel mit der Pistole, hinten der entthronte Bernhard Kayser.

Mit dem letzten Schuss gewann Bruno Schenk erstmals den 10-m-Aargauer-Meistertitel mit der Pistole, hinten der entthronte Bernhard Kayser.

Abgeklärte Chantal Häuptli

Mit stoischer Ruhe zog Titelverteidigerin Chantal Häuptli ihren Final bei den Frauen durch. Zwar schmolz ihr Vorsprung nach einem schwachen zweitletzten Schuss auf einen halben Punkt, doch 10,6 Ringe zum Schluss bedeuteten die Siegsicherung gegenüber der aufkommenden Tamara Vock. Die 20 Jahre jüngere Freiämterin lag den ganzen Final hindurch auf Rang 2. Für Häuptli wars der sechste 10-m-Meistertitel.

Die Neuenhofer Juniorin Fabienne Wolfgang verdiente sich als Bronzegewinnerin Anerkennung. Hingegen kam Qualifikationssiegerin Denise Glarner nicht über Rang 7 hinaus. Die erfahrene Hunzenschwilerin haderte ab dem ersten Finalschuss und blieb weit hinter ihren Möglichkeiten.

Lücke bei den Gewehrschützen

Marcel Brunner, Abteilungsleiter Leistungssport im Aargauischen Schiesssportverband, sprach von einer gelungenen Meisterschaft. «Bei den Gewehrschützen zeigten die Frauen gute und der Nachwuchs sehr gute Leistungen.» Brunner ortet bei den Männern ein Leistungstief. « Da haben wir eine grosse Lücke.»

Die Pistolenschützen zeigten spektakuläre Finaldurchgänge, allerdings auf eher mässigem Niveau. «Im Pistolenschiessen ist die Spitze im Aargau seit Jahren sehr dünn», sorgt sich Brunner.

Das Siegerpodest bei den Pistolenschützinnen (von links): Tamara Vock (2.), Chantal Häuptli (1.) und Fabienne Wolfgang (3.)

Das Siegerpodest bei den Pistolenschützinnen (von links): Tamara Vock (2.), Chantal Häuptli (1.) und Fabienne Wolfgang (3.)