Lange blieb Städtli 1 diese Saison vom Verletzungspech verschont. Bis es im Dezember nun umso heftiger zuschlug und die Badener Reihen vor dem kapitalen Auswärtsspiel in Horgen derart lichtete, dass man schliesslich mit gerade mal zehn Spielern in der Waldegghalle antrat. Goalies inklusive, einer davon in kurzen Hosen als Feldspieler. Trainer inklusive – ebenfalls in kurzen Hosen und mit der 3 auf dem Rücken.
Auf der anderen Seite: Eine gut gefüllte Ersatzbank und ein verspäteter Horgener Samichlaus, der fröhlich Chlaussäckli an Spieler wie Zuschauer verteilte. Die schöne Geste sollte unerwartet Symbolcharakter erhalten, denn die Badener nahmen nicht nur Schokolade und Erdnüsse mit nach Hause, sondern auch beide Punkte.
Wie Baden sein kräftemässiges Handicap wettzumachen plante, wurde bald ersichtlich: durch aktives Kräfteschonen. Auf schnelle Gegenstösse wurde konsequent verzichtet, nach jedem Anspiel ging es gemächlich in die Offensive. Bloss keine Hektik aufkommen lassen und den Spielrhythmus schön tief halten!
Horgen ging auf diese Spielweise freundlicherweise ein und machte der STV-Abwehr die Arbeit insofern leichter, als kaum Druck auf die Badener Aussenpositionen gemacht wurde. So konnte sich Städtli 1 über die ganze Spielzeit mehrheitlich darauf konzentrieren, die Mitte dicht zu machen und sparte sich damit einiges an Laufwegen.
Hilfreich auch die Abschlussstärke der Badener: Pascal Bühler (5/7) und Philip Seitle (8/13)  sorgten in der ersten Halbzeit massgeblich dafür, dass die Gäste von der Limmat nicht nur auf Schlagdistanz blieben, sondern  Horgen auch bald überholt hatten. Dann übernahm Gian Grundböck (6/9) den Lead im Toreschiessen, unterstützt von einem erneut bärenstarken Remo Hochstrasser (4/5) am Kreis und einem Björn Navarin, der mit 9 Treffern aus 13 Versuchen schliesslich sogar Topskorer der Partie wurde!
Dass der unfreiwillig zum Spieletrainer mutierte Navarin zu derart vielen Toren kam, lag auch daran, dass Horgen in der 40. Minute auf eine Doppelmanndeckung umstellte: Bühler und Seitle wurden damit zwar aus dem Spiel genommen – was aber nur den restlichen Badenern umso mehr Raum gab und es Navarin auch noch ermöglichte, seine Lieblingstäuschung zu zeigen. Nicht mehr ganz so schnell wie früher, aber ebenso effektiv – und mit einem umso breiteren Grinsen auf dem Gesicht, nachdem das Leder den Weg ins Tor gefunden hatte.
Apropos Weg ins Tor: Während auf Badener Seite Marco Wyss (8/20 => 40%) und Nik Schöpfer (8/21 => 39%) eine solide Leistung zeigten und immer wieder wichtige Akzente setzen konnten, war der massige Horgener Goalie Andrija Kasalo (12/42 => 29%) seiner Mannschaft keine grosse Hilfe. Was nicht nur den Unmut der Zuschauer weckte. Auf den missglückten Versuch eines Wurfs übers ganze Feld am vermeintlich leeren Badener Tor vorbei erntete Kasalo von seiner Trainerbank den trockenen Kommentar: «Du hast heute so gut gehalten, da kann man das schon mal versuchen...»
Erst 38:28 gegen Wädenswil, nun 33:25 gegen Horgen: Am Zürichsee wird derzeit jeder Badener Sieg zum veritablen Schützenfest. Musste sich Städtli 1 gegen Wädenswil noch allzu viele leichtfertig verschuldete Gegentore ankreiden lassen, darf man mit der Bilanz des Spiels in Horgen hoch zufrieden sein. Mit einem derart schmalen Kader einen derart klaren Sieg herauszuspielen, spricht für die Moral und Qualität der Badener Spieler, die unter Trainer Björn Navarin eine beeindruckende Entwicklung gemacht haben. Und es spricht auch für das feine Händchen von Sportchef Adi Lehner auf dem Transfermarkt – Städtli 1 2016/2017 ist wohl das stärkste Badener Team seit dem Aufstieg in die NLB.