Handball
Städtli-Trainer Björn Navarin: «Ich werde konsequenter und früher handeln»

Der STV Baden Handball hat sich in der Nationalliga B etabliert, hatte in der dritten Saison aber hartes Brot zu beissen. Nachgefragt bei Trainer Björn Navarin.

Franco Bassani
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Björn Navarin: «Ein Team ist ein unglaublich komplexes und vielschichtiges Gebilde.»

Björn Navarin: «Ein Team ist ein unglaublich komplexes und vielschichtiges Gebilde.»

Franco Bassani

Die Saison ist ja nun völlig anders verlaufen als vorgesehen. Statt wie 2014/2015 mit den Topteams um einen Spitzenplatz zu spielen, war diesmal nur schon der Ligaerhalt eine Erfolgsmeldung. Woran hat’s rückblickend gelegen?

Björn Navarin: Da gab es sicherlich viele Gründe und Umstände, die für den abschliessenden 9. Platz gesorgt haben. Nach der ersten Vorbereitungsphase im Juni 2015 sah es sehr vielversprechend aus, Fortschritte im athletischen Bereich und auch der gesamte Auftritt des Teams liessen einiges erwarten. Nach der Sommerpause kehrte sich leider alles: Mit teilweise nur fünf Spielern im Training konnte man kaum noch von einem 2. Teil der Vorbereitung sprechen. Ziele, die ich als Trainer mit der Mannschaft erarbeiten wollte, konnten wir leider nicht umsetzen. Die andauernden Absenzen sorgten auch teamintern für Diskussionsbedarf – auch das sicherlich kein geeignetes Thema für eine Saisonvorbereitung.

Im Laufe der Saison kamen dann noch weitere «Baustellen» im Kader auf, die wiederum für eine extreme Verunsicherung sorgten und das eigentliche Thema Handballspielen in den Hintergrund drückten. Hier bedurfte es sehr viel Energie und Zeit, dies wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Leider schenkt einem niemand zusätzliche Zeit, und wir haben in dieser Phase sehr viele Punkte liegen lassen, die wir für unser eigenes hohes Ziel gebraucht hätten.

Was lernt man daraus als Trainer?

Zum einen: Heute ist heute und morgen ist morgen. Zum anderen, dass ein Team ein unglaublich komplexes und vielschichtiges Gebilde ist. Dass die Aufbauarbeit extrem umfangreich ist, ein mühsam erarbeiteter Standard aber viel schneller wieder zerstört sein kann.

Der neue Präsident heisst Christoph Blöchlinger.

Der neue Präsident heisst Christoph Blöchlinger.

Franco Bassani

Für mich persönlich habe ich daraus die Lehren gezogen, gewisse Themen und Arbeitsfelder noch konsequenter durchzusetzen und – auch wenn es teilweise unangenehm wird – früher mit den entsprechenden Massnahmen zu reagieren und Gegensteuer zu geben.

Kann man aus einer derart verkorksten Saison als Spieler etwas Positives mitnehmen? Oder heisst es einfach «abhaken und vergessen»?

Hier möchte ich auf meine Aussagen im Vorfeld der letzten Saison verweisen: Wir sollten vom «Können» zum «Müssen» kommen. Wir müssen aus dieser Saison lernen. Lernen, wie wichtig Präzision und Qualität in jeder Bewegung, Wurf oder Laufweg ist. Lernen, vorgegebene Massnahmen auch konsequent einzuhalten und umzusetzen.

Vergessen schon gar nicht, denn was man vergisst, kann man ja wieder tun.

Neuer Präsident für den STV Baden

Nach acht Jahren im Vorstand und fünf Jahren als Präsident hat Daniel Hitz die Verantwortung für den von ihm massgeblich geprägten STV Baden Handball an seinen Wunschkandidaten übergeben können: An der Vereinsversammlung wurde der Badener Rechtsanwalt Christoph Blöchlinger einstimmig und mit einer Standing Ovation in Vorstand und Präsidentenamt gewählt.

Seinem frischgebackenen Nachfolger überreichte Hitz ein Paar Handballershorts, stellvertretend für die Hosen, in die er als Präsident nun symbolisch zu steigen hat. Unterstützt wird Blöchlinger dabei von den ebenfalls diskussionslos wiedergewählten Vorstandsmitgliedern Daniel Jaun, Franziska Haas und Markus Döbeli. Franco Bassani ist aus dem Vorstand ausgeschieden, wird den Verein aber weiterhin in Kommunikationsbelangen unterstützen.

Es gibt sicherlich auch Positives mitzunehmen aus dieser Saison. Zum einen sicherlich mal, dass wir mit dem 9. Platz abgeschlossen haben und trotz aller Probleme als Team zusammengehalten haben. Zum anderen gab es bei einigen Spielern doch sehr erfreuliche Leistungssteigerungen.

Mitte letzter Saison wurde mit Steven James Larsson ein Spieler mit internationaler Erfahrung verpflichtet, der die in ihn gesetzten Erwartungen bei weitem nicht erfüllte. Die meiste Zeit war er verletzt und hat Städtli schliesslich im Laufe dieser Saison verlassen. Welche Lehren hat der Staff aus dieser Erfahrung gezogen?

Ich glaube diese Entwicklung war in keinem Fall voraus zu sehen. Auch hier kamen mehrere Umstände zum Tragen, die letzten Endes zu der Vertragsauflösung führten. Solche Sachen passieren. Auch hier ist die Lehre, konsequenter und früher zu handeln.

Durch die vielen Ausfälle kamen auch Spieler der zweiten Mannschaft zu Einsätzen in der NLB – wo sie gar keine schlechte Figur machten. Wird man künftig vermehrt Badener Nachwuchsspieler bei Städtli 1 auflaufen sehen?

Die Jungs haben das super gemacht und waren auch im Training eine Bereicherung! Auf die kommende Saison haben wir das Kader im Trainingsbetrieb um einige Spieler verbreitert, die eben aus der 2. Mannschaft kommen. Das Ziel ist, mehr Zusammenhang zu schaffen. Es würde auch mich freuen, wenn sich der ein oder andere für Einsätze in der NLB empfiehlt.

Im Team gab es einige Wechsel. Wie präsentiert sich die Ausgangslage für die Saison 2016/17?

Die Kaderplanung ist noch nicht abgeschlossen. Vakant ist noch die Position im rechten Rückraum. Eine nicht ganz einfach zu füllende Lücke, aber wir hoffen dort noch eine positive Meldung verkünden zu können.

Ansonsten hat es wieder mehr Abgänge gegeben als Adi Lehner und mir lieb waren.

Dem entgegen haben wir aber sicherlich Neuverpflichtungen tätigen können, die in der NLB nicht vielen gelungen sind: Mit Phillipe Seitle und Gian Grundböck, sowie Niklaus Schöpfer Spieler mit NLA- oder Bundesligaerfahrung; mit Raphael Bolliger einen vielversprechenden rechten Flügel.

Björn Navarin arbeitet eng mit seinen Spielern zusammen.

Björn Navarin arbeitet eng mit seinen Spielern zusammen.

Franco Bassani

Positionsbezogen gesehen haben wir vom linken Flügel über Rückraum links und Rückraum mitte mit Grundböck, Madliger, Schläpfer, Bühler und Seitle eine sehr durchschlagkräftige Zusammensetzung, mit der wir mehr als zufrieden sein können. Am Kreis haben wir mit Hochstrasser und Patrick Schweizer ein bewährtes Duo. Von Bolliger und Ramon Schweizer auf dem rechten Flügel versprechen wir uns einiges, und im Tor haben wir mit Wyss, Schöpfer und Schoch ein Trio, das meiner Ansicht nach in der NLB die Topbesetzung darstellen sollte. Unsere Problemzone ist momentan der Rückraum rechts.

Und wie sieht das Programm in der kommenden Zeit aus?

Wir haben am 25. Mai bereits wieder mit dem Training begonnen. Schwerpunkt ist wieder körperliche Fitness und Athletik. Da wir einige neue und rekonvaleszente Spieler integrieren müssen, wird das Thema Handball auch im Juni schon ein wichtiger Baustein des Trainings werden.

Der Juli ist Urlaubsmonat. Im Gegensatz zu den letzten Jahren werden wir dann nicht erst am 2. August mit der zweiten Vorbereitungsphase starten, sondern schon in der letzten Juliwoche.

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