FC Aarau
Sportchef Burki nach AZ-Kritik an Jurendic: «Für mich sind Sie – pardon – eine Fahne im Wind»

Sportchef Sandro Burki erklärt im Interview, warum sich die Trainerfrage beim FC Aarau noch nicht stellt: «Das Wichtigste ist nicht das Resultat. Das Wichtigste ist, wie wir auftreten.»

Sebastian Wendel
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«Wir treten als Einheit auf.» Sportchef Sandro Burki (links) und sein Trainer Marinko Jurendic.

«Wir treten als Einheit auf.» Sportchef Sandro Burki (links) und sein Trainer Marinko Jurendic.

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Sandro Burki, stellt sich nach dem miserablen Auftritt in Chiasso (0:1) beim FC Aarau die Trainerfrage?

Sandro Burki: Nein, auf keinen Fall. Auch wenn Sie in Ihrem Artikel gestern in der «Aargauer Zeitung» das Spiel gegen Rapperswil-Jona zum Spiel der letzten Chance für den Trainer ausgerufen haben.

Dann darf Marinko Jurendic auch gegen den Aufsteiger verlieren?

Von Dürfen kann keine Rede sein. Wir alle, der Trainer zuerst, tun alles dafür, dass wir das Spiel gegen Rapperswil-Jona gewinnen.

Ich habe geschrieben, Jurendic müsse sich den Spiegel vorhalten und etwas ändern, wenn er noch lange Aarau-Trainer bleiben will. Was sagen Sie dazu?

Für mich sind Sie – pardon – eine Fahne im Wind. Vor zwei Monaten hat die «Aargauer Zeitung» den Trainer noch gelobt für all die Veränderungen, die er in den Klub gebracht hat. Und bereits jetzt soll seine Arbeitsweise die falsche sein?

Neun Spiele, sechs Niederlagen – und vor allem: Es ist kein Aufwärtstrend erkennbar. 12 Tage nach dem vermeintlichen Befreiungsschlag im Derby dieser Auftritt in Chiasso. Irgendwann läuft jede Schonfrist ab.

Es geht mir nicht darum, ob Ihr Artikel richtig oder falsch ist. Ich will nicht über den Inhalt Ihres Artikels urteilen. Mich stört vielmehr, dass Sie nach so kurzer Zeit die Arbeit von Marinko
Jurendic abschliessend beurteilen. Bis zuletzt gab es laufend Veränderungen im Kader durch Verletzungen oder Transfers. Man muss dem Trainer, seinen Mitarbeitern und der Mannschaft nun Zeit geben, sich zu finden. Erst dann macht es Sinn, die Entwicklung zu bewerten.

Muss Marinko Jurendic sich verändern?

Wie wir alle hinterfragt auch er sich jeden Tag und ist offen für sachliche Kritik. Aber ganz wichtig ist, dass der Trainer seiner Linie treu bleibt. Auch in schwierigen Zeiten. Alles andere wäre ein Akt der Verzweiflung, purer Aktionismus – das käme auf Dauer nicht gut.

Erreicht der Trainer die Spieler noch?

Das ist für mich eine Alibi-Frage, die ich immer wieder höre in Krisenzeiten. Was heisst erreichen? Der Trainer ist eines von vielen Puzzleteilen. Aber der FC Aarau besteht nicht nur aus dem Trainer, wir treten als Einheit auf. Es liegt an jedem Einzelnen, alles dafür zu tun, dass es mit dem FC Aarau wieder aufwärtsgeht.

Hat Sie der blutleere Auftritt in Chiasso nicht auch erschreckt?

Damit habe ich nicht gerechnet. Diese Leistung war unseren Ansprüchen nicht würdig. Wir hatten in der Nachspielzeit zwei Chancen zum 1:1, aber verdient wäre ein Punkt nicht gewesen.

Was erwarten Sie von Trainer und Mannschaft im Heimspiel gegen den Aufsteiger Rapperswil-Jona?

Das Wichtigste ist nicht das Resultat. Das Wichtigste ist, wie wir auftreten. Ich will sehen und spüren, dass jeder Spieler alles für drei Punkte macht. Ich will keinen Zauberfussball, ich verlange Leidenschaft und Aggressivität.

Also Tugenden, die am Mittwoch in Chiasso inexistent waren?

Ja.

Warum eigentlich hat im Tessin der neue Spielmacher Gianluca Frontino nicht gespielt, obwohl er am Dienstag voll trainiert hat?

Er spürte Anfang Woche noch Nachwehen seiner Knieverletzung. Wir sind, wie Sie sich denken können, gebrandmarkt vom Verletzungspech in den vergangenen Wochen und wollten nichts riskieren.

Umso mehr, weil die Erwartungen in Gianluca Frontino riesig sind? Er ist der Spielertyp, der gefehlt hat.

Ihn als Heilsbringer zu bezeichnen, halte ich für übertrieben. Er hat sicher die Qualitäten, um uns bei der Lösung der Probleme zu helfen. Er wird ein wichtiger Spieler sein.