Curling
Sponsoren Fehlanzeige: Alina Pätz vom CC Baden Regio muss sparen

Dass Curling eine Randsportart ist, wissen alle. Aber dass sogar jene Athletinnen, welche Weltmeisterinnen geworden sind, Mühe haben, genügend Geld zusammenzukratzen, scheint schier unfassbar. Die Limmattalerin Alina Pätz erzählt von ihrem Aufwand.

Fabio Baranzini
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Auch in diesem Jahr muss Curlerin Alina Pätz mit ihren Teamkolleginnen das Budget für die neue Saison zusammenkratzen.

Auch in diesem Jahr muss Curlerin Alina Pätz mit ihren Teamkolleginnen das Budget für die neue Saison zusammenkratzen.

Keystone

Dreieinhalb Monate sind vergangen, seit Alina Pätz mit ihrem Team in Sapporo sensationell die Goldmedaille an der Curling-Weltmeisterschaft gewonnen hat. Praktisch aus dem Nichts stieg das öffentliche Interesse an den jungen Curlerinnen des Teams Baden Regio. Viele Medienanfragen flatterten ins Haus, es gab einen Empfang am Flughafen Zürich und eine Einladung ins Sportpanorama. «Diesen Rummel war ich mir nicht gewohnt. Aber ich habe mich auch darüber gefreut, denn so konnte ich den Menschen zeigen, wie viel Arbeit hinter dem Erfolg steckt. Ich glaube, da konnte ich schon ein paar Augen öffnen», sagt Pätz.

Die Arbeit ruft

In der Tat dürften sich einige verwundert die Augen gerieben haben: Nur einen Tag nach der Rückkehr aus Sapporo war Alina Pätz bereits wieder in Magglingen anzutreffen, wo sie Sportmanagement studiert, ging daneben ihrer Arbeit – ein 60-Prozent-Pensum in einer Athleten-Beratungsagentur in Baar – nach und stand mit ihrem Team wieder auf dem Eis.

Ausgelassene Siegesfeiern oder wohlverdiente Ferientage nach dem grossen Erfolg – Fehlanzeige. Curling ist und bleibt eine Randsportart, bei der selbst die Weltmeisterinnen nicht von ihrem Sport leben können.

Auch in diesem Jahr muss Alina Pätz gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen das Budget für die neue Saison zusammenkratzen. Rund 100 000 Franken kostet diese, wobei Hotelübernachtungen und Flüge den Löwenanteil ausmachen. Trotz der Unterstützung vonseiten des Verbandes, der Sporthilfe und einigen Sponsoren müssen die vier Curlerinnen ihr Preisgeld ins Budget einrechnen, um über die Runden zu kommen.

Die Weltmeisterinnen erhielten für ihren Sieg keinen roten Rappen

Übrig bleibt am Ende kaum etwas. Daran hat auch der Weltmeistertitel – für den es übrigens kein Preisgeld gab – nichts geändert. «Es kennen uns vielleicht etwas mehr Unternehmen, dass wir aber wegen des WM-Titels mit Sponsorenanfragen überhäuft wurden, ist überhaupt nicht der Fall. Es sind immer noch dieselben Sponsoren, die uns unterstützen, wie vor dem WM-Titel», sagt Pätz.

Eine leise Enttäuschung über diesen Umstand kann die Urdorferin nicht verbergen und gibt zu: «Eigentlich hätte ich mir schon etwas mehr erhofft.» Den Kopf deswegen in den Sand zu stecken, ist aber keine Option. Und so nahmen die Frauen des CC Baden Regio die Sache selbst in die Hand: Das Quartett hat im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang einen Gönnerverein gegründet.

Für die nächste Saison bleibt jedoch noch alles beim Alten. Alina Pätz feilt täglich drei Stunden an ihrer Curling-Karriere, geht daneben zur Arbeit und nimmt zusätzlich noch ihre Masterarbeit in Angriff, mit der sie ihr Studium abschliessen wird. Die Vorbereitungen für die kommende Spielzeit laufen auf Hochtouren.

Training muss sein

Nach drei Wochen Pause und einigen Wochen physischem Aufbautraining steht Pätz seit Anfang Juli wieder auf dem Eis. Technik-Training ist angesagt, damit im September die Form stimmt, wenn die Saison in Kanada wieder losgeht. Auch im mentalen Bereich arbeitet Pätz intensiv – eine wichtige Komponente im Kampf an der absoluten Weltspitze, wo die Curlerinnen des CC Baden Regio auch in der kommenden Saison mitmischen wollen. Die EM-Qualifikation und die Verteidigung des Schweizer-Meister-Titels stehen dabei ganz zuoberst auf der Prioritätenliste.

Zusätzlich dürfen Alina Pätz und ihre Kolleginnen an zwei Einladungsturnieren teilnehmen. Kurz vor Weihnachten am Karuizawa International und im Januar am Continental Cup – zwei prestigeträchtige Turniere, bei denen die Weltmeisterinnen ihr Preisgeldkonto etwas aufpolieren können, denn die Spesen werden vom Veranstalter übernommen. Immerhin ein kleines Privileg, das der WM-Titel mit sich gebracht hat.

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