Rupperswil
Spitzenschwimmerin Silvana Huber: Jetzt geht der Beruf vor

Die Schwimmsportlerin Silvana Huber zieht von Rupperswil nach Chur, um dort ein Praktikum in den Bereichen Administration, Disposition und Eventmanagement zu absolvieren – wo bleibt der Sport?

Fabio Baranzini
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Silvana Huber vor dem Schwimmbad in der Aarauer Telli.

Silvana Huber vor dem Schwimmbad in der Aarauer Telli.

Fabio Baranzini

Neuer Wohnort. Neuer Trainingsort. Neuer Job. Ab dem 1. März beginnt für die 20-jährige Spitzenschwimmerin Silvana Huber ein neues Kapitel.

Statt in Rupperswil zu wohnen, im Aarauer Telli-Schwimmbad zu trainieren und in der Kantonshauptstadt die Fachmittelschule zu besuchen, wird Huber neu in Chur wohnen, trainieren und dort auch ein einjähriges Praktikum in den Bereichen Administration, Disposition und Eventmanagement absolvieren.

«Diese Umstellung wird sicher eine grosse Herausforderung werden und in den ersten Monaten einiges an Stress mit sich bringen», ist sich Huber bewusst.

Denn die vierfache Schweizer Meisterin wird parallel zu ihrem Praktikum und dem Training in Chur auch regelmässig nach Aarau reisen müssen, um die letzten Pendenzen an der Fachmittelschule abzuarbeiten, damit sie im Juni ihren Abschluss machen kann.

Keine Angst vor Überbelastung

Da stellt sich natürlich die Frage, wie es um die sportlichen Ambitionen von Silvana Huber steht. Die Kurzdistanz-Spezialistin – ihre Paradedisziplinen sind 50 Meter und 100 Meter Brust – hatte in den letzten Jahren täglich bis zu drei Trainingseinheiten absolviert und sich damit an der nationalen Spitze etabliert. «Mir ist bewusst, dass ich wohl nicht mehr gleich viel trainieren kann und daher auch nicht mehr gleich stark schwimmen werde. Ich glaube aber, dass ich auch neben meinem Praktikum in Chur weiterhin regelmässig trainieren kann», sagt Huber. Wie genau sie das bewerkstelligen will, weiss sie derzeit noch nicht. «Ich lasse das vorerst noch auf mich zukommen. Aber ich stehe mit dem Schwimmtrainer in Chur in Kontakt.»

Dass die Belastung zwischen Praktikum, Schule und Schwimmen zu gross werden könnte, glaubt die 20-Jährige nicht. «Ich bin es mir gewohnt, dass meine Tage von morgens bis abends vollgestopft sind. Mittlerweile brauche ich das schon fast, damit mir nicht langweilig wird», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Auch künftig täglich im Wasser

Trotzdem ist klar, dass mit dem Umzug nach Chur und dem 100-Prozent-Praktikum der Sport an zweiter Stelle steht. Obwohl Huber, die seit rund zehn Jahren für den SC Aarefisch schwimmt, extrem viel Zeit in ihren Sport investiert hat, fiel ihr der Entscheid, den Sport hinten anzustellen, nicht allzu schwer. «Mir war ohnehin klar, dass ich nicht gut genug bin, um voll auf den Schwimmsport setzen und davon leben zu können», gibt sich Huber realistisch. «Von daher war immer klar, dass ich parallel auch eine gute Ausbildung machen will, und das Praktikum in Chur ist eine tolle Chance in einem Bereich, in dem ich mir durchaus vorstellen könnte, später zu arbeiten. Ich freue mich daher sehr darauf», sagt die 20-Jährige.

Im Gespräch wird jedoch klar, dass Silvana Huber das Schwimmen zwar hinten anstellt, aber keinesfalls aufgeben will. Mindestens einmal täglich will sie auch in Zukunft ihre Bahnen ziehen. «Bisher habe ich jeweils bis zehn Uhr abends gelernt. Weshalb soll ich nun nicht bis zehn Uhr abends trainieren?» Es wäre also keine allzu grosse Überraschung, wenn die ehrgeizige Rupperswilerin auch mit reduziertem Trainingspensum noch immer an der nationalen Spitze mitschwimmen würde. Wenn auch nicht mehr ganz zuvorderst.