Challenge League

Spielverderber oder Aufbaugegner für taumelnden Leader: Wie tritt der FC Aarau gegen Lausanne auf?

Bild von einem Match im 2019 gegen Lausanne: Die Aarauer Marco Schneuwly (M.) und Linus Obexer (r.) gehen gleich zu zweit gegen Cameron Puertas (l.).

Bild von einem Match im 2019 gegen Lausanne: Die Aarauer Marco Schneuwly (M.) und Linus Obexer (r.) gehen gleich zu zweit gegen Cameron Puertas (l.).

Für den FC Aarau ist der Zug nach vorne längst abgefahren. Mit einem Heimsieg gegen Leader Lausanne aber würde Aarau entscheidend ins Aufstiegsrennen eingreifen. Erinnerungen an das Frühjahr 2019 werden wach.

Was, wenn die Luft draussen ist und es für den FC Aarau nur noch darum geht, die Saison vernünftig zu Ende zu spielen? Warum nicht in Erinnerungen schwelgen! Und da kommt man mit Blick auf den heutigen Gegner Lausanne-Sport unweigerlich auf den 4. Mai 2019 zu sprechen:

Challenge League, 2018/19, 32. Runde, FC Aarau – FC Lausanne-Sport: Die Highlights des 3:0-Sieges.

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Fünf Punkte beträgt der Rückstand des FC Aarau auf die Romands vor dem viertletzten Spieltag – nur mit einem Sieg bleibt der Traum von der Barrage lebendig. Und dann das: Wenige Minuten vor dem Anpfiff kommt der Schnee, bleibt zentimeterdick auf dem Rasen liegen und verwandelt das Stadion Brügglifeld in ein Winterwunderland. Historisch, so spät so viel geschneit hat es in der Schweiz noch nie seit Beginn der Messungen. An normalen Fussball ist nicht zu denken, mit dem Anpfiff übernimmt der Zufall das Zepter. Mitte der ersten Halbzeit bittet Schiedsrichter Hänni die Trainer Patrick Rahmen (Aarau) und Giorgio Contini (Lausanne)  zu sich und bietet ihnen einen Spielabbruch an. Rahmen überlässt die Entscheidung dem Gast, der ablehnt mit der lapidaren Begründung: Es stehe ja 0:0.

Im Schneegestöber aus dem Brügglifeld gefegt

Contini dürfte seine Entscheidung bitter bereut haben. Denn anschliessend wird Lausanne von immer heisseren Aarauern regelrecht aus dem Stadion gefegt, 3:0 das klare Schlussverdikt. Der Heimsieg gegen den Direktkonkurrenten ist für Aarau rückblickend der entscheidende Schritt Richtung Barrage: Lausanne verliert eine Woche später wie gelähmt auch das Romand-Derby gegen Servette, der FCA übernimmt Rang 2 und gibt diesen dank Leidenschaft und Glück nicht mehr her.

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Zwei Siege gegen Wil und Chiasso, dann die 2:5-Pleite gegen Winterthur: Der FC Aarau bleibt eine Wundertüte. In Zukunft aber muss die Stabilität zurück - und für diese braucht es die richtigen Routiniers: Gehören Markus Neumayr, Marco Schneuwly und Francois Affolter dazu? Die FCA-Experten Kuhn und Wendel verraten ihre Meinung im Talk.

14 Monate später reist Lausanne wieder nach Aarau. Von einem Duell zweier Direktkonkurrenten kann man beim besten Willen nicht reden, wenn der Achte den Ersten empfängt. Aber eine Parallele zum 4. Mai 2019 gibt es dennoch: Wieder kann der FC Aarau für Lausanne-Sport zum grossen Spielverderber werden.

Von den vier Spielen seit dem Ende der Corona-Pause hat Lausanne keines gewonnen, der Vorsprung auf das zweitplatzierte GC ist innert zwei Wochen von 15 auf  8 Punkte geschmolzen. Im schlechtesten Fall aus Sicht der Romands sind es am späten Freitagabend nur noch 5 Punkte: Wenn GC in Vaduz gewinnt und sie in Aarau verlieren. Und dann wäre es vorbei mit der Ruhe: Chemie-Gigant Ineos, der Lausanne-Sport mit Millionen alimentiert und nahe der altehrwürdigen Pontaise ein neues Stadion baut, will das erneute Scheitern im Aufstiegsrennen um jeden Preis vermeiden. Eine naheliegende Reaktion wäre die Entlassung von Trainer Contini, der sich der Erwartungshaltung der kürzlich gesagt hat: «Vergeigen wir es, habe ich hier nichts mehr zu suchen.»

Contini dieses Mal demütiger

Nur: Wie soll Aarau gegen Lausanne gewinnen? Dafür müsste schon sehr viel zusammenpassen: Aarau hat die schlechteste Abwehr der Liga (56 Gegentore), Lausanne die beste Abwehr (23 Gegentore) und die beste Offensive (62 Tore). Stellen sich die Aarauer Verteidiger erneut so stümperhaft an wie am Dienstag beim 2:5 gegen Winterthur, werden sie zum Aufbaugegner für das taumelnde Lausanne.

Für den FC Aarau sprechen zwei Punkte: Die zugelassenen 1000 Zuschauer im Brügglifeld werden so etwas wie Heimspiel-Atmosphäre aufkommen lassen. Und nach dem neuerlichen Defensiv-Debakel gegen Winterthur erwartet niemand vom FCA einen Sieg gegen die qualitativ beste Mannschaft der Liga – das Heimteam kann also befreit aufspielen. Lausanne-Coach Contini jedenfalls hat aus seinem Fehler am denkwürdigen 4. Mai 2019 gelernt und versprüht dieses Mal die nötige Demut: «Wir treffen auf einen guten Gegner und müssen für einen Sieg an unsere Grenzen gehen.»

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