Challenge League
Spielabbruch in extremis verhindert: Der FC Aarau muss vor dem ersten Saisonsieg zittern

Ein Brand im Lichtmasten und wieder einmal der plötzliche Verlust der Spielhoheit: Der FC Aarau bangt beim 2:1 gegen Chiasso bis zuletzt um die ersten Punkte in der neuen Saison.

Sebastian Wendel
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Wem gilt wohl dieser Kuss von Aaraus 1:0-Schütze Oli Jäckle?

Wem gilt wohl dieser Kuss von Aaraus 1:0-Schütze Oli Jäckle?

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Plötzlich Aufregung, neben, nicht auf dem Platz: Mit Blaulicht fährt das Feuerwehrauto am Samstagabend kurz nach 20 Uhr am Stadion Brügglifeld vor, die Männer in Uniform hasten an den Brennpunkt, wo Rauch aufsteigt. Auch auf der Aarauer Spielerbank erfährt man schnell vom Vorfall und hofft beim Stand von 2:0 gegen Chiasso und mit dem ersten Saisonsieg vor Augen inständig, dass die Sache glimpflich ausgeht und es nicht zum Spielabbruch kommt.

Direktbeteiligte erzählen später, viel habe nicht gefehlt, und es wäre wieder gekommen wie am 13. März 2017, als das Heimspiel gegen den FC Zürich wegen eines Stromausfalls im gesamten Stadion abgebrochen werden musste. Dieses Mal bleibt es dank des raschen Eingreifens aufmerksamer Beobachter und der Feuerwehr beim Brand im Sicherungskasten des Flutlichtmastens in der Totomat-Kurve und beim Ausfall «nur» dieser Lichtquelle, ein Kurzschluss wie anno dazumal wird in extremis verhindert.

Riesenerleichterung bei Feuerwehr und Stadionverantwortlichen! Das gilt auch für die sportlichen Akteure des FC Aarau: Nicht genug, dass sie sich während der zweiten Halbzeit auf dem Rasen mit allen Mitteln gegen den Verlust des ersten Saisonsieges stemmen müssen. Selbiges droht aus Gründen, die sie nicht beeinflussen konnten.

Erster Heimsieg unter Trainer Stephan Keller

Das «Wie» interessiert in den Momenten nach dem Schlusspfiff niemanden, in den Aarauer Reihen ist man einfach nur froh über den ersten Meisterschaftssieg und die ersten Punkte in der neuen Saison. «Sehr, sehr, sehr wichtig», sagt stellvertretend Mittelfeldspieler Olivier Jäckle und unterstreicht die Worte mit heftigem Nicken.

Bereits nach 16 Minuten können die Spieler des FC Aarau das erste Mal jubeln. Olivier Jäckle erzielt das 1:0.
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Der Torschütze bejubelt seinen Treffer.
Neuzugang Qollaku im Zweikampf mit Chiassos Bahloul.
FCA-Captain Zverotic schirmt den Ball ab.
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erhöht Gashi nach einem sehenswerten Konter auf 2:0 für die Gastgeber.
Grosser Jubel beim FC Aarau über die 2:0-Führung zur Pause.
Das Brügglifeld war mit 1000 anwesenden Zuschauern ausverkauft. Die Besucher mussten alle eine Maske tragen.
Liridon Balaj im Zweikampf mit Chiassos Hajrizi.
Torhürter Simon Enzler hielt in der zweiten Halbzeit den Sieg fest.
Nach dem 2:1-Anschlusstreffer wurde die Partie noch einmal hektisch.
In der 92. Minute musste Chiassos Dixon mit Gelb-Rot vorzeitig unter die Dusche.
Challenge League, 3. Runde: FC Aarau - FC Chiasso (3.10.20)

Bereits nach 16 Minuten können die Spieler des FC Aarau das erste Mal jubeln. Olivier Jäckle erzielt das 1:0.

Marc Schumacher/Freshfocus

Nicht, dass drei Punkte nach drei Spieltagen ein besonders gelungener Start wären für ein Team, das am Saisonende in der oberen Tabellenhälfte stehen will. Doch der erste Sieg beruhigt die Grosswetterlage über dem Brügglifeld vor der Länderspielpause. Eine weitere Enttäuschung, notabene gegen den erstgenannten Abstiegskandidaten Chiasso – und zur ohnehin genug fordernden Weiterentwicklung nach dem personellen Umbruch wäre viel Druck gekommen.

Die Erleichterung gründet auch darin, dass der so wichtige erste Saisonsieg bis zum Abpfiff auf wackligen Beinen steht. Der FC Aarau ist gegen die Tessiner zwischen der 15. und 80. Minute die spielbestimmende Mannschaft. In dieser Phase erzielen Jäckle (19.) und Shkelzen Gashi (45.+3.) die Tore für das Heimteam und vergeben Raoul Giger und Kevin Spadanuda grosse Chancen auf weitere Treffer.

«65 Minuten lang waren wir Herr und Meister im eigenen Stadion», sagt Trainer Stephan Keller. Den Rest beschreibt er nach dem ersten Heimsieg unter seiner Ägide kurz und knapp mit den Worten: «Schwach gestartet, schwach aufgehört.»

Stimmen zum Spiel - Interviews mit Olivier Jäckle und Cheftrainer Stephan Keller:

Nach siebenstündiger Busfahrt durch die verregnete Innerschweiz sind die Tessiner alles andere als träge und starten überfallartig in die Partie, FCA-Goalie Simon Enzler muss zwei Mal sein ganzes Können auspacken, um einen frühen Rückstand zu verhindern. Ein weiteres Merkmal des verschlafenen FCA-Starts: Es dauert viereinhalb (!) Minuten, ehe erstmals ein Zuspiel eines Aarauers den Teamkollegen erreicht.

Mit Jäckles 1:0 kommt auch das Heimteam im Spiel an und deutet fortan in einigen Aktionen sein Offensivpotenzial an. Doch gleichzeitig mit Chiassos Grosschance zum 1:2 in der 80. Minute jedoch verlieren die Aarauer – es ist ein altbekanntes Muster – aus heiterem Himmel jegliche Souveränität und müssen froh sein, bleibt es beim doch noch erzielten Anschlusstreffer durch Sifneos in der 82.Minute.

Die FCA-Spieler in der Einzelkritik von AZ-Reporter Ruedi Kuhn:

Simon Enzler: Note 5 Bewahrte sein Team mit zwei Superparaden vor einem frühen Rückstand. Beim einzigen Gegentor schuldlos!
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Raoul Giger: Note 4 Defensiv im Vergleich zum Winterthur-Spiel klar verbessert. Offensiv mit Steigerungspotenzial!
Jérome Thiesson: 4.5 Er wächst mehr und mehr in die Rolle des Innenverteidigers hinein. Ist sich nicht zu schade, um die Bälle weg zu schlagen.
Léon Bergsma: Note 5 Der Abwehrchef hatte das Geschehen im Griff. Mit guter Angriffsauslösung!
Arijan Qollaku: Note 4 Er zeigte auf der linken Abwehrseite eine ansprechende Leistung. Defensiv ohne Fehl und Tadel.
Olivier Jäckle: Note 5 Sein Knaller aus 19 Metern bescherte dem FC Aarau das 1:0. Der beste Aarauer Feldspieler!
Elsad Zverotic: Note 4 Der Captain steigerte sich nach einer harzigen Startphase und stellte seine Kraft in den Dienst der Mannschaft.
Liridon Balaj: Note 4.5 Leitete mit einem Energieanfall und einem Sprint über das halbe Spielfeld das 2:0 der Aarauer ein. Unberechenbar!
Kevin Spadanuda: Note 5 Der feine Techniker und starke Dribbler ist ein Versprechen für die Zukunft. Er gab die Vorlage zum 2:0.
Donat Rrudhani: Note 4.5 Mit viel Einfluss aufs Spiel. Muss sich im Zweikampfverhalten aber noch steigern.
Shkelzen Gashi: Note 4 Sein zweiter Saisontreffer in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war das Highlight. Ansonsten kam nicht viel.
Marco Aratore: Note - Er kam in der 65. Minute für Spadanuda. Zu kurzer Einsatz für eine Note.
Petar Misic: Note - Er kam in der 74. Minute für Balaj. Zu kurzer Einsatz für eine Note.
Mats Hammerich: Note - Er kam in der 87. Minute für Gashi. Zu kurzer Einsatz für eine Note.

Simon Enzler: Note 5 Bewahrte sein Team mit zwei Superparaden vor einem frühen Rückstand. Beim einzigen Gegentor schuldlos!

Sarah Rölli