Maulwurf

Spendenaufruf von Herrn Marti

Ruedi Kuhn
«Meinstadion.ch» sammelt Spenden für ein neues Stadion in Aarau.

«Meinstadion.ch» sammelt Spenden für ein neues Stadion in Aarau.

Mathes Marti aus Gränichen ist ein eifriger Leser der Sportseiten der «Aargauer Zeitung». Seine Lieblingslektüre ist die Berichterstattung über den FC Aarau, mit der er grösstenteils zufrieden und einverstanden ist. Nun hat Herr Marti ein Anliegen, mit dem er sich zwar höflich, aber mit deutlichen Worten an mich wendet. Es geht um den Stadionbau des FC Aarau.

Er vermisst meine Mithilfe an der Geldsammlung von Michael Hunziker. Herr Marti wird in seinem Schreiben persönlich und sagt: «Wer ausser Ihnen sollte die Fans besser zu einer Spende anregen können. Man könnte doch an prominenter Stelle des Sportteiles immer wieder Konto-Nummern bekannt geben und durch einen Spende-Barometer den Stand der Dinge veröffentlichen.»

Herr Marti geht es also um einen guten Dienst der Zeitung für das neue Stadion, sprich das Weiterbestehen des FC Aarau. Ein interessanter Gedankengang, der mich zu einer Grundsatzfrage führt. Wie weit darf ich als Reporter des FC Aarau im Sinn einer positiven Berichterstattung bezüglich Geldsammlung gehen? Darf ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zu Spenden für den Stadionbau im Torfeld Süd aufrufen oder muss ich neutral bleiben oder gar Kritik üben? Eine schwierige, vor allem heikle Frage, auf die es keine klare Antwort gibt.

Würde ich zu Spenden auffordern, wäre das insofern gefährlich, als dass danach jeder Verein kommen und mich um Hilfe bitten könnte. Beispielsweise der FC Wohlen: Die Freiämter könnten mich bitten, die finanzielle Unterstützung des Baus einer Flutlichtanlage im Stadion Niedermatten voranzutreiben.

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass der FC Aarau als Sportverein Nummer eins des Kantons eine spezielle Berichterstattung verdient. In früheren Zeiten hätte ich jedenfalls keine Sekunde gezögert und die Aarauer bedingungslos unterstützt. So wie bei der Sanierung 2002, über die ich bis zum Happy-end jede Menge aufbauender Artikel geschrieben habe. Und heute?

Heute ist die Situation eine andere. Der FC Aarau ist längst nicht mehr so erfolgreich und publikumsnah, wie er das einmal war. Kommt hinzu, dass es im Journalismus je länger, je mehr zum guten Ton gehört, dass man alles kritisch hinterfragt. Was also tun? Spenden oder nicht?

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Ruedi Kuhn

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