Motorrad

Späteinsteiger im Rennbusiness: David Ludin holt seinen ersten Sieg

David Ludin auf seiner BMW S 1000 RR mit der er momentan den 2. Saisonplatz belegt

David Ludin auf seiner BMW S 1000 RR mit der er momentan den 2. Saisonplatz belegt

Der 28-jährige Aargauer Töffrennfahrer David Ludin ist in seiner ersten Superbike-1000-Saison überraschend gut unterwegs.

Davon hat er zwar geträumt, aber erwarten durfte er es nicht: Nach acht von zwölf Rennen in der Schweizermeisterschaft der Kategorie Superbike 1000 liegt der 28-jährige Aargauer David Ludin auf dem zweiten Tabellenplatz. Im italienischen Franciacorta hat er zudem den ersten Kategoriensieg in seiner noch jungen Rennfahrer-Karriere feiern können. «Ich bin rundum zufrieden», sagt der in Niederwil aufgewachsene und in Wohlen lebende Freiämter. «Viel besser hätte es für mich als Rookie nicht laufen können.»

Tatsächlich ist Ludin in einem Alter in den Töffrennsport eingestiegen, in dem andere bereits daran denken, damit aufzuhören. Vom Rennvirus infiziert ist er allerdings schon lange. Mit einer 125er-Aprilia, einem Strassentöff, ist er 2008 einige Runden auf einer Rennstrecke im Elsass gefahren. «Mich hat es sofort gepackt», blickt Ludin zurück, «doch der Einstieg in den Rennsport war damals kein Thema. Ich wollte mich vorerst auf mein Wirtschaftsstudium konzentrieren.»

David Ludin kann diese Saison noch Grosses erreichen.

David Ludin kann diese Saison noch Grosses erreichen.

Seine Ausbildung zum Betriebsökonom hat er mittlerweile abgeschlossen und sich, nach mehreren Jahren Absenz, 2014 wieder auf einen Töff gesetzt. An einem Anfängertraining in Hockenheim war er mit einer Rennmaschine auf Anhieb recht schnell und fuhr deshalb in der Folge mehrere Hobby-Rennen in Tschechien, Italien und Ungarn. Vor einem Jahr ist der Entschluss gereift, trotz fortgeschrittenem Alter «richtig einzusteigen.»

Im März 2016 testete Ludin vorerst mit einer 1000er-BMW, die bei seiner Grösse von 1,92 m und einem Gewicht von gegen 80 Kilo an sich das richtige wäre. Dann liebäugelte er damit, auf einer Kawasaki in der 600er-Klasse zu fahren. Schliesslich folgte er aber dem Rat seines Mentors und Mechanikers Adi Schwegler vom ASR-Racing-Team in Niederwil und nahm seine erste Meisterschaft mit einer BMW S 1000 RR in Angriff.

In seiner Kategorie hat Ludin etwas über zwei Dutzend Konkurrenten. Weil die Superbiker aber jeweils zusammen mit der Kategorie Superstock 1000 starten, zählt das Feld über 30 Fahrer. «Das ist Rennatmosphäre pur», sagt der Rookie.

Die Erwartungen übertroffen

Das Saisonziel von David Ludin war es, Erfahrungen zu sammeln und da und dort Akzente zu setzen. Mit seinem ersten Sieg und dem aktuellen Zwischenrang auf dem Treppchen hat er seine eigenen Erwartungen übertroffen. Das führt er auf seine Vorbereitung zurück: «Ich habe im Winter sehr viel Kondition trainiert und war schon ab Februar bis zum Saisonbeginn zwei bis dreimal pro Monat auf dem Motorrad. Im März habe ich zudem ein ausgedehnteres Renntraining in Italien absolviert.» Ein Kränzchen windet er aber auch Adi Schwegler: «Meine Maschine ist immer top vorbereitet und ich werde von ihm an den Rennen bestens betreut.»

Es gab aber auch weniger gute Erfahrungen: Am gleichen Rennwochenende, an dem er in Franciacorta seinen ersten Sieg verbuchen konnte, ging er erstmals in dieser Saison zu Boden. Die Meisterschaft kann er fertig fahren, danach muss er sich allerdings die Schulter operieren lassen.

Grosse Ziele für nächstes Jahr

Was läuft im nächsten Jahr? «Ich bin auf der Suche nach weiteren Sponsoren und wenn das klappt, möchte ich 2018 gerne eine Klasse höher bei den Superstock an den Start gehen.» David Ludin wird zwar aktuell von verschiedenen Sponsoren unterstützt, aber finanziell würde es für die deutlich aufwendigere Kategorie Superstock im Moment noch nicht reichen. Das, obwohl er weiterhin zu 100 Prozent in seinem Job tätig ist und selber alles Geld in seinen Sport investiert, das er irgendwie entbehren kann.

Von Weltmeisterschaftsläufen träumt der Wohler nicht: «Da ist der Zug schon lange abgefahren. Aber wenn ich in den nächsten vier bis fünf Jahren – so lange will ich noch aktiv sein – einmal einen EM-Lauf bestreiten könnte, das wär schon toll.»

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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