Der Russe Nikita Kucherow ist der Spieler mit den besten Skorerwerten in der NHL, der besten Eishockey-Liga der Welt. Im Schnitt erzielt der 27-jährige Stürmer von den Tampa Bay Lightning 1,46 Skorerpunkte pro Spiel. Unglaubliche Werte.

Rund 8500 Kilometer Luftlinie entfernt im Osten liegt Aarau, wo die Argovia Stars in der Regio League, der vierthöchsten Spielklasse der Schweiz, zu Hause sind. Natürlich, die Regio League und die NHL unterscheiden sich um Welten. Jedoch existiert auch in der Regio League ein Spieler mit unglaublichen Skorerwerten. Stürmer Pascal Wittwer von den Argovia Stars. Nach 16 Spielen hat er 40 Skorerpunkte auf dem Konto. 2,5 pro Spiel.

Pascal Wittwer

Pascal Wittwer

Vor drei Jahren kam Witter zurück in den Aargau, nachdem er zuvor acht Jahre seine Erfahrungen in der NLB bei Ajoie und Basel sammelte. Heute profitiert er davon: «Ich bringe natürlich eine gewisse Erfahrung aus meiner NLB-Zeit mit. Nichtsdestotrotz muss man auch in einer kleineren Liga viel investieren, um diese Werte zu erreichen. Das kommt nicht einfach so.»

Für Wittwer steht aber nicht der Gedanke über die Verbesserung oder das Halten seiner Werte an erster Stelle, sondern der Teamgeist. «Für mich ist es wichtig, mit dem Team etwas zu erreichen», sagt Wittwer. Mit den Argovia Stars möchte er Ende Saison den Meisterpokal in die Höhe stemmen. Ein durchaus realistisches Ziel, denn die Argovia Stars liegen mit 39 Punkten aus 16 Spielen auf dem ersten Rang. Doch abgerechnet wird am Schluss.

Kein Druck

Aber ist man mit solchen Topwerten nicht auch einem riesigen Erwartungsdruck ausgesetzt? Nein. Zumindest nicht Pascal Wittwer. «Ich habe nicht das Gefühl, dass der Druck von aussen grösser wird», erklärt er. Die Ansprüche an sich selbst sind aber umso grösser: «Man weiss, zu was man fähig ist und möchte das auch abrufen können.»

Der 31-Jährige bleibt jedoch trotz herausragenden Werten realistisch: «Natürlich gelingt einem so etwas nicht immer. Man kämpft sich durch Höhen und Tiefen. Die Saison hat für mich nicht so gut begonnen, wies jetzt läuft.» Angefangen hat Wittwers Eishockey-karriere beim EHC Wettingen-Baden, mit dem er dann auch in der 2. und 1. Liga – so hiess die Regio League früher – gespielt hat. 2006 kam mit dem Transfer zum HC Ajoie der Durchbruch in der NLB.

Pascal Wittwer

Pascal Wittwer

Zwei Jahre verbrachte er im Jura, ehe er zum EHC Basel wechselte. 2008, in seinem ersten Jahr in Basel, wurde er gleich nach La-Chaux-de-Fonds, ebenfalls in der NLB, ausgeliehen, wo er eines seiner Karriere-Highlights erlebte. «Der Playoff-Final mit La-Chaux-de-Fonds war etwas Tolles.»

Der Konkurs

Sechs Jahre verbrachte Wittwer in Basel, ehe der Klub den Konkurs ging. Er wollte eigentlich noch zwei Jahre bleiben, seinen Vertrag auslaufen lassen und sich dann wieder seinem Beruf als Sanitär-Installateur widmen. Es gab Angebote von anderen lokalen Vereinen, doch die Zeit in der Nati B schien für ihn mit dem Konkurs der Basler beendet. Er wollte nicht mehr. So kam es 2014 auch zum Wechsel zu den Argovia Stars.

Dadurch, dass Wittwer bereits viele Leute in Aarau kannte, mit denen er teilweise auch schon in der Jugend gespielt hatte, war es für ihn eine leichte Entscheidung. «Der grösste Einfluss war sicher, dass ich das ganze Umfeld in Aarau kannte», sagt Wittwer zu seinem Wechsel nach Aarau.

Daniel Eichenberger und Pascal Wittwer (rechts).

Daniel Eichenberger und Pascal Wittwer (rechts).

Wie es für den bald 32-Jährigen in seiner Sportlerkarriere weitergeht, hat er noch nicht definiert. Für ihn ist ein von Jahr zu Jahr ein Abwägen zwischen Gesundheit, Lust und Familie. «Ich werde auch bald 32. Solange ich noch Spass habe und es mein Körper zulässt, spiele ich. Ich schaue von Jahr zu Jahr.»

2014, in seinem letzten Jahr in Basel, durfte er sogar in der NLA für Rapperswil-Jona aufs Eis. Eine Woche spielte er für die St. Galler in den Play-Outs: «Es war speziell, dieses ganze Drumherum mitzuerleben.» Schlussendlich hat Rapperswil die Play-Outs gewonnen und durfte in der NLA bleiben. Das wird ihm immer in Erinnerung bleiben. Ein Satz, den er hoffentlich am Ende dieser Saison auch sagen kann. Im Zusammenhang mit dem Meistertitel.