Challenge League
So hilflos wie ein Baby: Chancenloser FC Aarau verliert 0:1 gegen Chiasso

Dem FC Aarau gelingt der Befreiungsschlag nicht: im Tessin verlieren die Aarauer mit 0:1 gegen den FC Chiasso und verbleiben so am hinteren Tabellenende

Sebastian Wendel (Text) und Patrick Haller (Liveticker) aus Chiasso
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FC Aarau-FC Chiasso, 20.09.2017
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Russo gegen Nganga
Chiasso freut sich über das Tor
Peyretti kämpft um den Ball
Der FCA agierte erneut Ideenlos

FC Aarau-FC Chiasso, 20.09.2017

Daniela Frutiger/freshfocus

Seit Juni hat der FC Aarau einen neuen Trainer – Marinko Jurendic. Wer nun einwendet, diese Nachricht sei alter Kaffee und das ganze Land wisse davon, dem sei entgegnet: nicht das ganze Land. In Chiasso, im südlichsten Ort der Schweiz, scheinen sie vom Trainerwechsel beim Ligakonkurrenten nichts mitbekommen zu haben. Auf dem Matchblatt steht da unter «Allenatore FC Aarau», also «Trainer FC Aarau»: Marco Schällibaum. Als wir den Medienchef des FC Chiasso darauf aufmerksam machen, versinkt dieser fast im Boden vor Scham – und ändert die noch nicht verteilten Matchblätter von Hand. Wie genau man den Namen des neuen FCA-Trainers schreibt, will er noch von uns wissen. Er verspricht: «Das nächste Mal mache ich es wieder selber, dann stimmt es auch.»

Im April 2018 reist der FC Aarau das nächste Mal nach Chiasso. Ob der eifrige Medienchef dann immer noch Marinko Jurendic aufs Matchblatt schreiben muss? Das wissen wir nicht. Doch eines ist sicher: Verbessert sich in absehbarer Zeit nicht so ziemlich alles im sportlichen Auftreten des FC Aarau, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass bei der nächsten Dienstreise ins Tessin der Trainer immer noch Marinko Jurendic heisst.

Wie lange bleibt Jurendic noch Trainer des FCA?

Wie lange bleibt Jurendic noch Trainer des FCA?

freshfocus

Stillstand ist Rückschritt

Wer dachte, der 2:0-Sieg vor knapp zwei Wochen im Derby gegen Wohlen habe beim FC Aarau Blockaden gelöst, der lag daneben. Die rund 500 Zuschauer in Chiasso bekamen erst in der 92. Minute (!) die erste nennenswerte Torchance der Gäste zu sehen. Das sagt eigentlich schon alles. Das Bemühen und die Handschrift des Trainers, den Ball am Boden zu halten und ein gepflegtes Aufbauspiel zu betreiben, waren zu erkennen.

Doch sonst? Nichts! Kein Biss, kein Feuer, kein hartes Foul, kein Leiden. Der FC Aarau gestern Abend in Chiasso: So harm- und zahnlos wie ein Neugeborenes. Ein berühmtes Sprichwort besagt: Stillstand ist Rückschritt. Stillgestanden, wie Schachfiguren, sind die FCA-Spieler auf dem Rasen im Stadio Riva IV. Keine Rhythmuswechsel, keine Überraschungsmomente, kein Vorwärtsdrang.

Der FCA agierte erneut Ideenlos

Der FCA agierte erneut Ideenlos

Daniela Frutiger/freshfocus

Und dieses Stillstehen führt dann zum Fazit: Statt den Aufwärtstrend aus der zweiten Halbzeit gegen Wohlen fortzuführen, war der Auftritt in Chiasso ein Schritt zurück in die Zeit vor dem Derbysieg. Und das Gezeigte bestätigte den Verdacht, dass Aarau damals wohl nur dank des glücklich gepfiffenen und von Rossini glücklich verwandelten Penaltys das Kantonsduell für sich entschied.

Die ersten 20 Minuten verschlafen

Marinko Jurendic sagte nach dem Schlusspfiff, seine Mannschaft habe die ersten 20 Minuten verschlafen. «Aber auch danach war das ein ungenügender Auftritt. Erneut haben wir haarsträubende Fehler begangen.» Der erste Aussetzer führte zum Tor des Abends: Aarau-Goalie Deana und Verteidiger Thaler gehen gleichzeitig zum Ball, rennen sich dabei über den Haufen und ebnen so Chiasso-Flügel Ceesay den Weg zum 1:0. Das Heimteam vergab in der Folge einige Chancen auf einen deutlicheren Sieg, was gegen diesen Gegner aber nicht ins Gewicht fiel.

Zur Verteidigung der Aarauer sei gesagt: Mit Nganga und Neuzugang Peyretti standen zwei Spieler das erste Mal in dieser Saison für Aarau im Einsatz, mit Audino wurde ein dritter Debütant eingewechselt. Und: Immerhin brachte die Einwechslung von Leo Itaperuna etwas Schwung ins lahme Offensivspiel, der Brasilianer vergab in der Nachspielzeit zwei gute Kopfballchancen. Doch verdient wäre ein Punktgewinn nicht gewesen. Die Leistung war derart schwach, dass man zum Schluss kommt: Das Heimspiel am Samstag gegen Aufsteiger Rapperswil-Jona (Anpfiff 19.00 Uhr) ist kapital, der FC Aarau muss gewinnen, sonst...

Telegramm

FC Chiasso – FC Aarau 1:0 (1:0)

Comunale Riva IV. – 500 Zuschauer. – SR: Tschudi. – Tor: 6. Ceesay 1:0.

Chiasso: Russo (55. Mossi); Krasniqi, Martignoni, Urbano, Belometti; Abedini; Ceesay, Said, Rey (46. Faktic), Padula (75. Soumare); Josipovic.

Aarau: Deana; Nganga (54. Itaperuna), Besle, Thaler; Yapi; Thrier, Hammerich (81. Paulinho), Peyretti (67. Audino), Mehidic; Rossini, Ciarrocchi.

Bemerkungen: Chiasso ohne Delli Carri, Soumah (beide gesperrt), Nilovic, Selmanaj (beide verletzt), Bilinovac, Franzese, Ramcilovic und Vergine (alle nicht im Aufgebot). Aarau ohne Corradi (gesperrt), Cani, Frontino, Garat, Misic, Peralta (alle verletzt), Siegfried, Tasar (beide krank) und Joos (nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 85. Martignoni (Unsportlichkeit), 92. Yapi (Foulspiel).

Lesen sie hier das Spiel im Liveticker nach: