Eine Erfolgsgeschichte, die im Desaster endet? Oder bloss eine Provinz-Posse in einer Randsportart? Die Ereignisse rund um das Team Baden Regio spalten die Curling-Schweiz. Doch worum geht es? Seit dem 19.Februar spielen in Gstaad die besten Männer- und Frauen-Teams um Meistertitel und WM-Tickets. Die sechs besten Männer-Equipen der League A qualifizierten sich für die Finalrunde, die am 26. Februar zu Ende geht. Eine Woche vor dem Startschuss meldete Baden Regio, das sich als fünftplatzierte Equipe qualifiziert hatte, den Verzicht an. Begründung: Personeller Engpass. Schlüsselspieler Toni Müller könne aus beruflichen Gründen weder in Gstaad noch allenfalls an der WM im April teilnehmen. Titelverteidiger St. Moritz rutschte ins Feld der Finalisten nach.

Einmalige Erfolge

Rückblende: Die Mannschaft Baden Regio wurde nach den Olympischen Spielen 2010 neu formiert. In Vancouver gewannen Simon Strübin (als Lead), Thomas Lips (als Coach) und Toni Müller (als Ersatz) Bronze. Zusammen mit Remo Schmid spielten sie ab der Saison 2010/11 für Baden Regio. Das Quartett schlug ein wie eine Bombe. Erstes Turnier, erster Sieg. Viertes Turnier, zweiter Sieg. Die Curling Champions Tour (CCT) schloss Baden auf Rang 2 ab. «Dass ein Schweizer Team im ersten Jahr zwei CCT-Turniere gewinnt, ist einmalig», sagt der Urdorfer Skip Thomas Lips.

EM verpasst – Strübin geht

Danach gings bergab. Das erklärte Saisonziel, die Qualifikation für die Heim-EM in Champéry, wurde verpasst. Man entschied, den Rest der Saison locker anzugehen. Simon Strübin sprang im Oktober wegen Motivationsproblemen ab. Aus der Star-Formation wurde vor Beginn der League A ein Rumpfkader. Markus Eggler half am ersten Meisterschafts-Wochenende aus, Martin Gossweiler am zweiten. «Das waren einmalige Freundschaftsdienste», sagt Lips. Am dritten und letzten Qualifikationsevent in Wetzikon (11. bis 13. Februar) geschah dann das Unfassbare: Obwohl nur zu dritt am Start, gewann Baden alle fünf Spiele und qualifizierte sich für die Finalrunde. «Wir spielten sehr destruktiv, aber erfolgreich. Das sorgte für einige Aufregung», sagt Lips.

Toni Müller und die Polizei

Seitdem bleibt kein Stein auf dem anderen. Nach der Qualifikation gab Baden den Verzicht auf die Finalrunde bekannt. «Es macht keinen Sinn, mit einem Rumpfteam oder mit einem uneingespielten Ersatzmann anzutreten», sagt Lips. Toni Müller (26), der vor kurzem mit der Polizeischule begonnen hat, hätte nur unter strengen Auflagen frei erhalten. Lips bestärkt Müller in seinem Entscheid: «Es lohnt sich nicht, die berufliche Ausbildung wegen eines Finalturniers aufs Spiel zu setzen.»

Nun droht sogar der Abstieg

Nun muss Baden mit dem Schlimmsten rechnen. Heute entscheidet das Exekutivkomitee, ob Baden gegen den Abstieg in die League B spielen muss. «Das kann doch nicht sein», sagt Lips, «der Verein hat ein Anrecht auf einen Platz in der League A. Wir haben uns sportlich dafür qualifiziert.» Hätte er das Ausmass des Schlamassels erahnt, wäre Lips alleine nach Gstaad gefahren und hätte im Haus die Hände der Gegner geschüttelt, um dann Forfait zu geben. «Immerhin habe ich für diese Zeit eine Woche Ferien eingegeben», sagt Lips. Sollte Baden Mitte März tatsächlich gegen den Abstieg spielen müssen, würde man nicht antreten. «Wenn wir spielen, wäre das ein Schuldeingeständnis», sagt Lips. Damit nicht genug. Dem Verband droht noch an einer anderen Front Ungemach: Gegen die Finalrunden-Teilnahme von St. Moritz, das für Baden nachrutschte, wurde Protest eingelegt. Diese Vorfälle sind einmalig im Schweizer Curling.

Zukunft ungewiss

Und wie sieht die Zukunft von Baden Regio und die Zusammensetzung des Teams aus? «Sehr offen und ungewiss», antworten Toni Müller und Thomas Lips unisono. «Unabhängig vom Urteil des Exekutivkomitees», fügt Lips an.