Eigentlich hätte das erste Aargauer Derby in der 1. Liga zwischen den Argovia Stars und den Red Lions Reinach bereits stattfinden sollen. Doch weil zwischen den Argovia Stars und den Betreibern der Aarauer Keba immer noch Differenzen hinsichtlich der Hallennutzung herrschen, musste das Spiel auf kommenden Dienstag (2. Oktober, 20.00 Uhr) verschoben werden. So müssen die Löwen aus Reinach zum Saisonstart am Samstag gegen Bellinzona und die Aarauer am Sonntag gegen Wil ran, ehe es zum Derby kommt.

Mit durchaus neuen Voraussetzungen. Über die gesamte vergangene Saison hinweg präsentierten sich die Red Lions mit einer Rumpftruppe und wurden logischerweise mit nur einem Sieg abgeschlagen Letzte. Wegen der neuen Gruppeneinteilung dürfen die Wynentaler aber auch in dieser Saison auf 1.-Liga-Niveau mitspielen. Trotzdem soll und kann es für die Reinacher aber nicht weitergehen wie bisher.

Warum erst jetzt?

So begannen die Verantwortlichen der Roten Löwen zu handeln. «Wir schlossen finanziell mit einer schwarzen Null ab. Das erlaubte uns in Absprache mit dem Sportchef, das Budget um 75'000 Franken aufzustocken», erklärt Red-Lions-Geldbeschaffer Albert Fässler. Dass dies möglich geworden ist, verdankt der Klub auch den Sponsoren, die nicht abgesprungen sind, wie Fässler erklärt: «Wir hatten als Neuling einen Bonus bei den Sponsoren, die uns einen Kredit gewährten. Einige kamen sogar dazu.» Und siehe da: Anfang Mai hatte der Klub 18 Spieler unter Vertrag genommen.

Wieso schafften es die Red Lions aber nicht, schon vor einem Jahr ein vollständiges Kader aufzuweisen? Ein Punkt, den vor allem der Ex-Sportchef des Kantonsrivalen Heinz Leuenberger stark kritisiert hatte. Die Begründung ist simpel: Die Red Lions bekamen erst im Juni 2017 grünes Licht für ihr Projekt. Da hatten die meisten Spieler bereits einen Vertrag unterschrieben. «Viele, mit denen wir Kontakt hatten, erklärten uns: ‹Ich werde nächstes Jahr kommen.› Und das konnten wir so umsetzen», sagt Fässler.

Allerdings mussten die Reinacher bereits wieder einen schmerzhaften Abgang verzeichnen. Der österreichische Offensivakteur Jordan Pfennich wechselt in die zweithöchste österreichische Liga zu Feldkirch.

Transfercoup Simon Schnyder

Trotzdem kann das Reinacher Team auf einige Routiniers setzen. Der Name, der beim Betrachten des Kaders sofort heraussticht, ist jener von Simon Schnyder. Der 31-jährige Zuger schloss sich im besten Hockeyalter nach 536 NLB-Spielen dem Team von Coach Andi Augstburger an.

Ein regelrechter Transfercoup, den Albert Fässler höchstpersönlich arrangiert hat. Doch was treibt den Ex-Oltner in die 1. Liga? «Die Red Lions haben sich extrem um mich bemüht, jetzt will ich helfen, in ihrem Projekt etwas aufzubauen. Und da ich in Hämikon wohne, habe ich jetzt keinen langen Weg mehr zum Training», erklärt Schnyder.

Dass Schnyder überhaupt noch auf dem Eis zu sehen ist, war nicht selbstverständlich, wollte er doch endlich mehr Zeit für seine Familie haben: «Eigentlich wollte ich einen Schlussstrich ziehen, denn der Lohn in der NLB ist zwar angemessen, aber nicht genug, um eine Familie mit zwei Kindern zu ernähren.»

Fässler ist selbstredend stolz auf seinen prominentesten Neuzugang: «Er ist der Captain des Teams und soll auch die Rolle als Leitwolf einnehmen.» Fässler ist froh, dass Schnyder begeistert vom Red-Lions-Projekt ist: «Zu Beginn wollte er nur einige Partien mitmachen. Jetzt will er möglichst alle spielen.» Dass dieser Transfer überhaupt zustande gekommen ist, verdanken die Reinacher auch Schnyders Stammverein, dem EV Zug, der dem Klub bei den Ausbildungsentschädigungen entgegengekommen ist.

«Wollen nicht ausgelacht werden»

Das Saisonziel der Wynentaler ist gemäss Fässler der Ligaerhalt: «Nach der vergangenen Saison müssen wir damit zufrieden sein.» Schnyder will aber mehr: «Ich möchte die Playoffs erreichen.» Allerdings gibt Fässler zu bedenken, dass die Ost-Gruppe, in der die Aargauer mittun, schwieriger ist als die West-Gruppe. Das letzte Vorbereitungsspiel ging jedenfalls in die Hose, weil das Team von einer Grippe heimgesucht worden war.

Auch die Argovia Stars konnten ihr Kader vergrössern. «Es ist uns gelungen, Spieler aus dem Nachwuchs in das A-Team zu integrieren», erklärt der neue Sportchef Attila Blatter. Was das Saisonziel betrifft, hat er noch etwas Mühe, die neue Gruppe einzuschätzen, hofft aber für seine Stars auf einen Platz im vorderen Mittelfeld.

Wenn man ihn auf deren Kantonsrivalen anspricht, stimmt Blatter deutlich mildere Töne an als sein Vorgänger: «Ich hoffe zwar, dass wir vor den Red Lions landen, ich wünsche mir aber, dass sie nicht absteigen. Schliesslich haben sie ein massiv stärkeres Kader als in der vergangenen Saison.» Trainer der Argovia Stars ist übrigens Beat Renggli – er coachte zuvor die Roten Löwen.

Ziel der Red Lions sei es, sich im Direktduell so gut wie möglich zu wehren, damit sie von den Fans der Argovia Stars nicht ausgelacht werden, wie es im vergangenen Jahr der Fall war. Ob das Schnyder und Co. gelingt, wird sich zeigen.