Dominik Senn blickt mit einem schelmischen Lächeln zurück. «Ich erinnere mich gut», sagt der Klassenlehrer von Jungstar Silvan Widmer.

«Während der persönlichen Vorstellung am ersten Schultag verblüffte Silvan die Schulkollegen und mich mit einer klaren Aussage. Angesprochen auf die Frage, bei welchem Klub er in fünf Jahren spielen werde, entgegnete er kurz und trocken: bei Real Madrid.»

Das war 2008. Für den Wechsel zu den Königlichen von Madrid hat es nicht ganz gereicht. Aber wer hätte vor fünf Jahren schon gedacht, dass der unscheinbare Junior ab der Saison 2013/14 für Udinese spielen wird? Wohl keiner.

Trotzdem unterschrieb Widmer beim italienischen Serie-A-Verein vor einem Jahr einen Vertrag bis 2018.

Weil das Ausnahmetalent vor Beginn der Profikarriere seine schulische Ausbildung beenden wollte, spielte er während der vergangenen Saison noch für den FC Aarau. Prompt schaffte der dynamische, kopfballstarke und torgefährliche Rechtsverteidiger mit dem Verein vom Brügglifeld den Aufstieg in die Super League.

Widmer genoss den Augenblick

Bevor Widmer am Montagum 16 Uhr das erste Training mit Europa-League-Teilnehmer Udinese bestreiten wird, durfte er am Samstag während einer Feier in Aarau mit mehr als 1000 Personen das Maturazeugnis entgegennehmen.

Der junge Mann aus Würenlos genoss den Augenblick sichtlich. Zu emotionalen Ausbrüchen kam es allerdings nicht.

Widmer richtete den Fokus wie immer aufs Wesentliche, blieb cool und sagte: «Die Matura ist für mich ein zweites Standbein. Wichtig ist jetzt, dass ich voll und ganz auf die Karte Fussball setzen kann. Ich möchte bei Udinese den Durchbruch schaffen. Und dann irgendwann in der Champions League spielen.»

Reise nach Udine

Zeit zum Durchatmen gibt es für Widmer nicht. Heute Sonntag reist er mit Freundin Céline und Berater Fredy Strasser nach Udine. Am Montag wird er seine neue Wohnung in Martignacco beziehen.

Am Nachmittag folgt das erste Training mit Udinese. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob Trainer Francesco Guidolin auf den Abwehrspieler aus dem Aargau setzt oder nicht.

Widmer freut sich auf die Herausforderung, spürt aber durchaus eine gewisse Anspannung und sagt: «Natürlich bin ich etwas nervös. Der Sprung von der Challenge League in die Serie A ist gross. Ich muss mich im neuen Umfeld erst einmal beweisen.»

Bezüglich Zielsetzung gibt sich Widmer zurückhaltend und fügt hinzu: «Wenn ich mir einen Platz im Kader der ersten Mannschaft sichern kann und in der ersten Saisonhälfte zu Teileinsätzen komme, dann kann ich sicherlich zufrieden sein.»

Mal schauen, ob der frischgebackene Maturand und U21-Internationale bei Udinese durchstarten oder in der Versenkung verschwinden wird.