Rad
Silvan Dilliers doppeltes Spiel

Im italienischen Frühjahres-Klassiker über 293 Kilometer stellt sich Silvan Dillier ganz in den Dienst seiner Mannschaft. Daneben verfolgt der 24-Jährige aus Ehrendingen aber auch noch eigenen Ziele.

Simon Steiner aus Mailand
Merken
Drucken
Teilen
Im Dienst für das Team: Silvan Dillier holt während Paris–Nizza Getränkeflaschen beim Teamfahrzeug. Freshfocus

Im Dienst für das Team: Silvan Dillier holt während Paris–Nizza Getränkeflaschen beim Teamfahrzeug. Freshfocus

Tim De Waele/freshfocus

Silvan Dillier hat keine Angst vor der Distanz. Fast 300 Kilometer misst die Strecke zwischen der lombardischen Metropole Mailand und der ligurischen Küstenstadt Sanremo, auf der heute zum Auftakt der Klassikersaison das längste Eintagesrennen im Profikalender ausgetragen wird. Die älteren Teamkollegen haben Dillier versichert, das sei kein Grund zur Sorge. Weil der Parcours über weite Strecken flach ist, ist das Rennen nicht anspruchsvoller als beispielsweise die Flandern-Rundfahrt. Und auf jenen 259 Kilometern in Belgien mit Kopfsteinpflaster und ständigem Auf und Ab bestritt Dillier vor einem Jahr seinen ersten grossen Klassiker.

An der Form fehlt es auch nicht. «Ich bin gut vorbereitet und freue mich auf das Rennen», sagt Dillier, der vor kurzem zum zweiten Mal zum Aargauer Sportler des Jahres gekürt wurde. Weil er bereits im Januar in Australien in seine zweite Profisaison startete, hat der 24-Jährige schon mehr Renntage in den Beinen als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. In einem zweiwöchigen Trainingslager auf Teneriffa konnte Dillier danach nochmals gezielt an der Ausdauerbasis arbeiten, ehe er letzte Woche bei Paris–Nizza in den Rennmodus wechselte.

Unterstützung für die Teamleader leisten

Seine Aufgabe bei Mailand–Sanremo ist klar: Der BMC-Profi soll die beiden belgischen Teamleader Greg van Avermaet und Philippe Gilbert dabei unterstützen, um den Sieg mitzufahren. Zusammen mit den übrigen Teamkollegen ist Dillier also dafür verantwortlich, dass die beiden Leader unterwegs möglichst wenig Energie verpuffen, um im Finale noch über Kraftreserven zu verfügen. Da «La Primavera», wie das Rennen auch genannt wird, in der Regel erst auf den letzten Kilometern entschieden wird, hat Dillier nach Paris–Nizza den Schlussteil der Strecke mit den beiden Anstiegen Cipressa und Poggio und den folgenden Abfahrten rekognosziert.

Neben den Helferdiensten verfolgt Dillier aber noch persönliche Ziele. «Ich will in der entscheidenden Phase so lange wie möglich mit dabei sein», sagt er. Einerseits steigen so die Chancen, sich plötzlich selber in einer aussichtsreichen Position wiederzufinden und je nach Rennverlauf vielleicht sogar für die beiden Leader in die Bresche springen zu können. Andererseits denkt Dillier bereits an die kommenden Jahre. «Ich möchte für die Zukunft lernen», sagt er. «Vielleicht kann ich bei Mailand–Sanremo dereinst selber versuchen, um den Sieg mitzukämpfen.»

GP des Kantons Aargau als Leader gewinnen?

Dasselbe gilt für die Klassiker des Nordens, mit denen es bereits nächste Woche in Belgien mit den Rennen E3 Harelbeke und Gent–Wevelgem weitergeht. Besonders angetan hat es Dillier die Flandern-Rundfahrt. «Dieses Rennen hat mich schon zu U-23-Zeiten fasziniert», sagt er. «Es ist genau auf meine Fähigkeiten zugeschnitten.» In diesem Jahr steht zudem erstmals das Amstel Gold Race auf seinem Rennprogramm. Auch das holländische Eintagesrennen könnte für den Weltmeister im Teamzeitfahren in Zukunft interessant werden.

Vorerst muss sich Dillier aber mit der Helferrolle begnügen. Umso mehr hat er sich in seiner Agenda den 11. Juni dick angestrichen. Dann findet in Gippingen der GP des Kantons Aargau statt, wo er nach dem letztjährigen zweiten Platz erneut als Leader vorgesehen ist. Eine andere Herausforderung wartet schon vorher: Wenn alles nach Plan läuft, wird Dillier im Mai mit dem Giro d’Italia erstmals eine dreiwöchige Rundfahrt bestreiten. Eine Etappe hat er in den letzten Tagen mit seinen Teamkollegen bereits rekognosziert. Und auch die Zielorte der ersten und der letzten Giro-Etappe kennt er bereits: Sanremo und – Mailand.