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Silvan Dillier: «Ich wäre am liebsten vom Rad gestiegen»

Silvan Dillier (im Vordergrund) betritt mit dem Giro d’Italia seine erste dreiwöchige Rundfahrt.

Silvan Dillier (im Vordergrund) betritt mit dem Giro d’Italia seine erste dreiwöchige Rundfahrt.

Der Aargauer Profi Silvan Dillier hat mit dem Giro d’Italia seine erste Grand Tour erfolgreich beendet. Auch wenn es zwischenzeitlich sehr hart war, ist Dillier hinterher glücklich, dass er es geschafft hat.

Silvan Dillier, Sie haben eben Ihre erste dreiwöchige Rundfahrt beendet. Wo spüren Sie das am meisten?

Silvan Dillier: Die Beine fühlen sich beim Treppensteigen schon etwas schwer an, aber sonst geht es recht gut.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach diesem Giro aus?

Ich bin sehr zufrieden damit. Mein primäres Ziel war es, den Giro fertig zu fahren und herauszufinden, wie ich auf die Belastung einer Grand Tour reagiere. Es ist erfreulich zu sehen, dass jetzt nicht todkaputt bin, sondern mit einer guten Kondition aus dem Rennen herauskomme.

Was war Ihr Highlight in den vergangenen drei Wochen?

Der Etappensieg meines Kollegen Philippe Gilbert in der 12. Etappe, die wir im Frühling extra rekognosziert hatten, war für das Team ein Highlight. Persönlich ist mir die fünfte Etappe in guter Erinnerung, wo ich lange in der Fluchtgruppe dabei war. Leider hat es am Schluss nicht ganz zu einem Spitzenplatz gereicht.

Ist es nicht frustrierend, wenn man den ganzen Tag vorne fährt und am Ende kein Topresultat herausschaut?

Im ersten Moment ist es frustrierend. Aber ich hatte mir nicht vorzuwerfen. Ich habe es versucht und hätte nicht mehr tun können. Aber ich werde bei anderer Gelegenheit wieder angreifen.

Was war der schwierigste Moment?

Es gab drei richtig schwierige Tage: Die längste Etappe in der ersten Giro-Woche war hart, und dann vor allem die schweren Bergetappen in der letzten Woche.

Gab es Augenblicke, in denen Sie am liebsten vom Rad gestiegen wären?

Die gab es mehrmals. Aber am Abend war ich immer glücklich, durchgebissen zu haben. Nach den schwersten Etappen hatte beim Nachtessen jeder im Team eine gute Geschichte davon zu erzählen, wie er den Tag überstanden hatte.

Hat Sie das hohe Niveau beim Giro überrascht?

Die grossen Unterschiede machen sich vor allem zwischen jenen Fahrern bemerkbar, die um die Gesamtwertung fahren. Als Helfer musste ich nicht jeden Tag bis zum Zielstrich kämpfen. Meine Aufgabe bestand meist darin, unseren Leader Damiano Caruso so lange wie möglich zu unterstützen und den Tag dann in einer der hinteren Gruppen zu beenden.

Was haben Sie beim Giro gelernt?

Ich habe besser gelernt, innerhalb einer Rundfahrt Prioritäten zu setzen und meine Kräfte dann einzusetzen, wenn es dem Team etwas bringt. Dazu gehört auch, Energie zu sparen, in dem man eine Etappe ruhig in der Gruppe der Abgehängten mitfährt. Man weiss schliesslich, dass noch weitere Etappen kommen werden.

Ihr Teamkollege Stefan Küng landete in der zweiten Woche mit einem gebrochenen Brustwirbel im Spital. Was geht einem als Fahrer in einem solchen Moment durch den Kopf?

Man hofft natürlich, dass die Verletzung nicht zu schlimm ist. Gleichzeitig versucht man, nach vorne zu schauen. Jedem Radprofi ist bewusst, dass immer etwas passieren kann, wenn er aufs Rad steigt. Aber ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten und gehe nicht dauernd vom Schlimmsten aus.

Wie haben Sie sich für Ihre erste absolvierte Grand Tour belohnt?

Am Abend vor der letzten Etappe haben wir im Team noch etwas zusammen getrunken. Mehr als eine kurze Pause liegt nicht drin, für Ferien bleibt mir keine Zeit. Nächste Woche geht es bereits mit dem GP in Gippingen und der Tour de Suisse weiter. In Gippingen will ich wie letztes Jahr um den Sieg mitfahren. Und bei der Tour de Suisse werden sich sicher auch Chancen bieten, um anzugreifen.

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