Handball NLB
Siggenthals «rote Wand»: Das musikalischste Publikum der Schweiz

Die Anhänger der HSG Siggenthal/vom Stein Baden glänzen mit selbst geschriebenen Fan-Songs aus dem Tonstudio. Die «rote Wand» nimmt die Funktion des achten Mannes ein, letzte Saison holte Siggenthal beinahe 80 Prozent seiner Punkte in Heimspielen.

Fabian Kleeb
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Die «rote Wand» wird die HSG Siggenthal/vom Stein auch am Samstag (17.30 Uhr) im Derby gegen den STV Baden lautstark unterstützen. Foto: Kleeb

Die «rote Wand» wird die HSG Siggenthal/vom Stein auch am Samstag (17.30 Uhr) im Derby gegen den STV Baden lautstark unterstützen. Foto: Kleeb

Bei den Spielen der HSG Siggenthal/vom Stein Baden geht es so richtig ab. Die «rote Wand», die Fans des NLB-Vereins, steht für die allerbeste Stimmung in der Schweizer Handball-Szene.

Selbst in der NLA sucht man vergebens nach einem solch stimmgewaltigen und musikalischen Publikum. Beim Besuch eines Heimspiels wird deutlich, wie die «rote Wand» als achter Mann auftritt und wieso die HSG letzte Saison zu Hause 18 von gesamthaft 23 Punkten holte.

Die «rote Wand» während der Partie

Zu Beginn des Derbys gegen Suhr Aarau verhält sich die «rote Wand» eher zurückhaltend. Während Spielunterbrüchen werden die im Studio aufgenommenen Songs zwar rauf und runter gespielt und die Fans singen mit, doch die grossen Anfeuerungsrufe bleiben noch aus.

Nach grossem Rückstand dann dies: Die Anhänger der HSG stecken nicht auf, im Gegenteil, jetzt werden sie lautstärker und treiben ihr Team zu einer unglaublichen Aufholjagd an. Am Schluss reicht es um ein Tor nicht zum Sieg gegen den haushohen Favoriten, dennoch wird die Mannschaft mit Standing Ovations und Fan-Gesängen gefeiert, als wäre sie soeben Schweizer Meister geworden.

Auch die Gäste machen mit

Im Verlaufe des Spiels teilen sogar die Schiedsrichter – notabene aus der NLA – dem Speaker mit, dass selbst sie von der Stimmung restlos begeistert sind. Wenn das kein Kompliment ist. Marco Bodmer, Mitinitiant der Siggenthaler Fan-Gesänge, findet einen weiteren Punkt bemerkenswert: «Die Fans der Gäste lassen sich von der tollen Stimmung ebenfalls anstecken, und die gegnerischen Teams freuen sich auf die Gastspiele bei der HSG.»

Die «rote Wand», wie es sie heute gibt, existiert seit drei Jahren. «In der Saison, als wir von der 1. Liga in die Nationalliga B aufgestiegen sind, ging es richtig los, doch gesungen haben wir auch schon vorher», erklärt Bodmer. Der nächste Schritt erfolgte dann vor zwei Jahren: Es wurden erstmals Studioaufnahmen erstellt.

Seither trifft sich einmal jährlich ein kleiner Chor im Tonstudio. Die Aufnahmen werden vom Verein finanziert und konnten jeweils zu guten Konditionen vertont werden, da kein kommerzieller Zweck im Vordergrund steht und keine Perfektion angestrebt wird.

So klingen die Fan-Songs

Hier ein Songtext-Beispiel vom Stück «Die rote Wand», das Marco Bodmer schrieb: «Egal was au passiert, die roti Wand stoht hinder dir, wenn s ufs Mol gar nöd lauft, Stei för Stei baut si di uf.» Und der Refrain: «Oh vom Stei/Siggethal, mer gänd emmer alles för dich.» Neben Bodmer hat auch Bruno Anderes Ideen für neue Lieder.

«Das Ziel ist, mindestens ein neues Stück pro Jahr zu machen und dem Team zu präsentieren», sagt Bodmer, der nicht nur Stütze der «roten Wand» ist, sondern auch Sportchef und Juniorentrainer im Verein. In diesem Jahr wurden gleich vier neue Titel produziert.

Einmal live in der Halle performen

Einen Traum wollen sich Marco Bodmer und die «rote Wand» noch erfüllen: «Während eines Heimspiels der HSG mit einer kleinen Formation die Songs in der Halle live zum Besten geben, das wäre schon grossartig.» Mit Schlagzeug, Rockgitarre, Bass und natürlich kräftigem Gesang stellt er sich dies vor. Man wird sehen, wie sich das musikalische Publikum weiterentwickeln kann.

Wer weiss, vielleicht würde die Schweiz mit der «roten Wand» am Eurovision Song Contest wieder erfolgreicher abschneiden. Doch vorerst gilt es, die HSG im Heimspiel-Derby (Samstag, 17.30 Uhr, SPH Obersiggenthal) gegen den STV Baden kräftig anzufeuern.