Challenge League
Sieglos und voller Verletzungssorgen: Der Weg des FC Aarau zeigt weiter steil nach unten

Der FC Aarau kann in dieser Saison weiterhin nicht gewinnen. Zu Hause gegen Vaduz setzte es im ersten Spiel unter dem neuen Sportchef Sandro Burki nach einer schwachen zweiten Halbzeit eine 0:2-Niederlage ab. Zu allem Unglück verletzten sich auch noch zwei Spieler.

Sebastian Wendel
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Ratlose Gesichter bei den Aarauern Alessandro Ciarrocchi, Juan Pablo Garat und Olivier Jäckle (v.l.n.r.).
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Challenge League, FC Aarau - FC Vaduz, 20.08.2017
Die Aarauer Spieler trotten enttäuscht vom Feld.
Auch Juan Pablo Garat musste verletzt ausgewechselt werden.
Die Aarauer kommen oft einen Schritt zu spät.
Michael Siegfried (rechts) behauptet sich gegen Milan Gajic.
Sandro Burki (Mitte) wurde vor der Partie als Spieler verabschiedet...
...und bedankte sich bei den Fans.
FCA-Trainer Marinko Jurendic war vor der Partie zuversichtlich.

Ratlose Gesichter bei den Aarauern Alessandro Ciarrocchi, Juan Pablo Garat und Olivier Jäckle (v.l.n.r.).

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13! Die Zahl steht symbolisch für das Unglück, passt also gerade ganz gut zum FC Aarau. Und die Zahl drückt das unglaubliche Verletzungspech der Aarauer in Zahlen aus: Denn wenn Trainer Marinko Jurendic mit seiner Mannschaft in die neue Woche geht, um das nächste Spiel in Genf vorzubereiten, dann tut er dies mit nur 13 (!) gesunden Feldspielern.

Die neusten Patienten im FCA-Lazarett sind Juan Pablo Garat und Petar Misic. Abwehr-Oldie Garat hat sich gegen Vaduz am Oberschenkel verletzt und dürfte einige Wochen ausfallen. Besonders bitter aber ist das, was Misic widerfahren ist: Im erst fünften Einsatz für Aarau hat sich der Kroate mit grosser Wahrscheinlichkeit eine schwere Knieverletzung zugezogen. Die genaue Diagnose steht noch aus, sie dürfte am Montag erfolgen.

Aber bereits direkt im Anschluss an das Vaduz-Spiel gehen mehrere FCA-Exponenten davon aus, dass Misic einen Kreuzbandriss erlitten hat und über ein halbes Jahr ausfallen wird. Ausgerechnet Misic, bis zu dem verhängnisvollen Duell in der 62. Minute gegen Vaduz-Verteidiger Borgmann noch der beste Aarauer. Und vor allem derjenige, dem man einen Geniestreich aus dem Nichts zutraut, wenn schon spielerisch nichts geht. «Ausgerechnet auch noch Misic ...», sagt Jurendic und schüttelt den Kopf.

Sechs verletzte Stammspieler

Neben Misic und Garat muss der Trainer seit Wochen auf Stéphane Besle, Miguel Peralta, Igor Nganga und Arxhend Cani verzichten. Zählt man den in die Rolle des Sportchefs gewechselten Sandro Burki dazu, fehlen sechs (!) Stammspieler. Jurendic sagt zurecht: «So irgendetwas aufzubauen, ist schwierig. Diese Verletzungen machen uns Woche für Woche einen Strich durch unseren Plan.»

Der Absprung von Führungsspieler Sandro Burki auf den Sportchef-Sessel ist in der aktuellen sportlichen Situation Gift für den FC Aarau. Jurendic auf die Frage, ob er versucht habe, Burki zum Weiterspielen zu überreden: «Es war Sandros Entscheidung. Er wollte die Chance, die sich ihm bot, unbedingt wahrnehmen.»

Die lange Verletztenliste ist ein wichtiger Punkt bei der Anamnese des Notfallpatienten. Doch die Mannschaft des FC Aarau ist nicht nur physisch angeschlagen, sie hat genauso psychisch einen Knacks. Ein Gegentor, ein Negativerlebnis – und alles bricht zusammen. Die Verunsicherung kriecht in die Köpfe der Spieler und lähmt sie.

Gegen Vaduz ist dieses Phänomen erneut zu bestaunen: Nach einer ersten Halbzeit, die gemessen an der Qualität des Gegners und den letzten Wochen ein Aufsteller ist, in der Aarau zwar Vaduzer Chancen zulässt, bei einem Rossini-Freistoss an den Pfosten aber das 1:0 nur knapp verpasst, fällt in der ersten Minute nach Wiederanpfiff das Tor für die Gäste.

Sportchef Burki ist gefordert

Und was tun die Aarauer? Statt sich zu schütteln, sich auf die gute erste Halbzeit zu besinnen und im Wissen, 45 Minuten lang Zeit zu haben, die Aufholjagd zu beginnen, kommt vom Heimteam rein gar nichts mehr. Die zweite Halbzeit ist eine Bankrotterklärung. Ein Graus für jeden im Stadion mit einem FCA-Herz. So spielt ein Absteiger. Planlos, kopflos, ideenlos – die Spieler lassen alles vermissen.

An der Seitenlinie gibt Trainer Jurendic Anweisungen, die jedoch verpuffen, wie die Einwechslungen von Itaperuna und Tasar. Nach dem Spiel sagt ein äusserlich erstaunlich gefasster Jurendic: «Wir haben nach dem Cup-Out in Echallens die Zügel angezogen. Das hat in der ersten Halbzeit gewirkt, nach dem 0:1 waren wir wieder ungenügend. Von Enttäuschung kann ich mir nichts kaufen, ich denke in Lösungen. Es gilt, die guten Dinge noch besser zu machen und die Fehler abzustellen.»

Quo vadis, FC Aarau? Jetzt ist auch Sandro Burki gefragt. Was tut er, um die Talfahrt zu beenden? Primär wird er das planlos zusammengebaute Kader verbessern wollen und möglichst Ersatz für Misic und Peralta verpflichten. Gilles Yapi (FC Zürich) und Sandro Wieser (Reading FC) sind Kandidaten für das zentrale Mittelfeld. Letzterer sitzt gegen Vaduz sogar im Stadion, sagt vor dem Spiel kurz angebunden zur «Aargauer Zeitung»: «Ich habe noch Vertrag in England, mehr kann ich nicht sagen.» Nach dem Spiel, vor allem nach dieser zweiten Halbzeit, stellt sich die Frage: Will Wieser sich diesen FC Aarau wirklich antun?

FC Aarau - FC Vaduz 0:2 (0:0)

Brügglifeld. – 2’833 Zuschauer. – SR: Tschudi. – Tore: 46. Konrad 0:1. 85. Jüllich 0:2.

Aarau: Deana; Thrier, Thaler, Garat (20. Hammerich), Perrier; Misic (62. Itaperuna), Siegfried, Jäckle, Josipovic; Ciarrocchi (75. Tasar), Rossini.

Vaduz: Jehle; Von Niederhäusern, Bühler, Puljic, Borgmann; Konrad, Gajic (70. Jüllich); Coulibaly, Mathys (82. Kamber), Schirinzi; Turkes (65. Devic).

Bemerkungen: Aarau ohne Besle, Cani, Giger, Nganga, Peralta (alle verletzt) und Joos (nicht im Aufgebot). Vaduz ohne Ciccone (gesperrt), Brunner, Felfel, Muntwiler, Pfründer (alle verletzt), Costanzo, Kaufmann, Majer, Ospelt und Sherko (alle nicht im Aufgebot). – 20. Garat verletzt ausgeschieden. 33. Pfostenschuss Rossini. 40. Thaler klärt Turkes-Schuss auf der Linie. 62. Misic verletzt ausgeschieden. 88. Thaler klärt Schirinzi-Schuss auf der Linie. – Verwarnungen: 32. Bühler, 42. Rossini, 64. Turkes, 74. Thrier, 79. Jüllich (alle Foulspiel).

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