Fussball
Sicherheitsabstand wird für Aargauer Fussballvereine zum Problem

Ab der Saison 2018/19 will der Aargauische Fussballverband (AFV) die seit 2000 bestehende Regelung bezüglich Mindestgrössen und Sicherheitsabstände, die der Schweizer Fussballverband (SFV) erlassen hat, auf allen regionalen Fussballfeldern umsetzen.

Fabio Baranzini
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Dominik Zimmermann an der Stelle, wo eigentlich die drei Meter Sicherheitsabstand eingehalten werden sollten (zwischen Aussenlinie und Baum). Dahinter liegt der Radweg.

Dominik Zimmermann an der Stelle, wo eigentlich die drei Meter Sicherheitsabstand eingehalten werden sollten (zwischen Aussenlinie und Baum). Dahinter liegt der Radweg.

Fabio Baranzini

Neben dem Fussballplatz des SV Auenstein/Picchi verläuft die Hauptstrasse. Der Zaun, der das Spielfeld von der Strasse abgrenzt, steht bloss 2,3 Meter neben der Aussenlinie. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht es ähnlich aus. 14 Bäume säumen das Spielfeld, teilweise nur rund 1,5 Meter vom Spielfeldrand entfernt. Gleich dahinter liegt ein Radweg, der in diesem Frühjahr frisch geteert wurde.

Sollte die Regelung des SFV (siehe Box) ab der Saison 2018/19 tatsächlich umgesetzt werden, dann steht der SV Auenstein/Picchi, dessen erste Mannschaft in der 4. Liga spielt, vor dem Aus. «Es ist unmöglich, dass wir rund um das Spielfeld die drei Meter Sicherheitsabstand einhalten können», so Dominik Zimmermann, Spielertrainer der zweiten Mannschaft. Selbst wenn die Bäume gefällt und die drei Kandelaber für das Flutlicht verschoben würden, was hohen Kosten verursacht, wäre der Radweg dahinter noch zu nahe am Spielfeld. Auch auf der anderen Seite des Spielfeldes ist eine Vergrösserung wegen der Hauptstrasse nicht möglich.

Gleiche Bedingungen für alle

Bereits im Jahr 2000 hat der Schweizerische Fussballverband (SFV) eine Regelung erlassen, dass alle Fussballfelder eine Mindestgrösse von 100 × 64 Meterninklusive dreier Meter Sicherheitsabstand auf allen Seiten aufweisen müssen. Gemäss den Statuten des SFV wird damit bezweckt, dass «in absehbarer Zeit in allen Spielklassen möglichst einheitliche Spielfelder und damit gleiche Wettkampfbedingungen herrschen.» Für die regionale Umsetzung dieser Vorgaben sind laut den SFV-Statuten dieregionalenFussballverbände zuständig.

Vor zwei Jahren hat sich der Aargauische Fussballverband (AFV) zum Ziel gesetzt, bis 2018 die Spielfeldgrössen und Mindestabstände auf allen Aargauer Fussballfeldern anzupassen. «Man kann nicht nur die Qualitätsansprüche an die sportlichen Leistungen und die Trainingsmethoden erhöhen, man muss auch die Infrastruktur entsprechend anpassen», erklärt Robert Gugler, Präsident der Sportplatzkommission des AFV. Da der Fussball in den letzten Jahren schneller und athletischer geworden ist, will man mit der neuen Regelung die Sicherheit der Spieler erhöhen.(fba)

Nicht nur Auenstein

Welche Optionen bleiben? «Es gibt die Möglichkeit, dass wir mit umliegenden Klubs fusionieren, ansonsten müssen wir den Verein auflösen», hält Zimmermann fest. Dem Spielertrainer fällt es schwer, die Regelung des SFV nachzuvollziehen. «Der Sicherheitsabstand und die einheitliche Spielfeldgrösse machen in den oberen Ligen Sinn. In der 4. und 5. Liga wird jedoch ohne Linienrichter gespielt und es hat nur wenig Zuschauer. Die drei Meter Sicherheitsabstand sind daher unnötig», meint er.

Der SV Auenstein/Picchi ist kein Einzelfall. Auf Anfrage bestätigten unter anderem die Vereine aus Othmarsingen, Tägerig, Holderbank und Dottikon, dass sie aufgrund der Regelung ebenfalls vor Problemen stehen. In Othmarsingen haben erste Messungen ergeben, dass das Spielfeld 40 Zentimeter zu klein ist. Die Anpassung der Infrastruktur würde laut Angaben von Präsident Beat Dünki rund 200000 Franken kosten. «Es wäre schade, wenn diese Vereine wegen der Paragrafenreiterei des Verbandes von der Bildfläche verschwinden würden. Ich hoffe, im Amateurfussball zeigt man sich kulanter», so Zimmermann.

Wer ist eine Ausnahme?

Beim AFV ist man sich der Problematik bewusst, man möchte jedoch zugunsten der Sicherheit und des Fussballs in der Entwicklung einen Schritt vorwärtsmachen und die Umsetzung der einheitliche Platzgrösse forcieren, wie Robert Gugler, Präsident der Sportplatzkommission des AFV, erklärt. «Alle haben das Recht, auf gleich grossen und sicheren Plätzen zu spielen», so Gugler.

Er will sich jedoch dafür einsetzen, dass in Einzelfällen nach wie vor Ausnahmebewilligungen erteilt werden, sodass Vereine mit einem zu kleinen Platz weiterspielen können, jedoch in der 4. oder 5. Liga. «Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, zu entscheiden, wo eine Ausnahme gemacht wird und wo nicht», erklärt Gugler. Ob solche Ausnahmebewilligungen überhaupt möglich sind, hängt vom Entscheid des SFV ab, der derzeit auf Anraten der Regionalverbände eine Anpassung der Richtwerte überprüft.

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