Berufsfussballer oder Gemeindeschreiber-Stellvertreter? Was für eine Frage! 99 von 100 Talenten würden mit Sicherheit auf die Karte Fussball setzen. Nicht so Yves Weilenmann! Der Abwehrspieler des FC Baden hätte die Klasse für eine Profikarriere, arbeitet aber seit Jahren als Gemeindeschreiber-Stellvertreter in der kleinen Aargauer Gemeinde Bellikon.

Warum Gemeindeschreiber und nicht Fussballprofi? «Es ist nicht so, dass mich eine Profikarriere nicht reizen würde, aber ich habe nie ein Angebot bekommen», erklärt Weilenmann. «Vielleicht liegt es daran, dass ich nie mit einem Berater oder einem Vermittler zusammengearbeitet habe. Aber ich wollte das nicht. Ich wollte selbst über meine berufliche Zukunft entscheiden. Deshalb akzeptiere ich es, wie es jetzt ist.»

Der Knackpunkt gegen eine Profikarriere war ein Erlebnis, welches Weilenmann in der U15-Auswahl des FC Aarau hatte. Obwohl er regelmässig zum Einsatz kam, wurde ihm der Sprung in die U16 des Team Aargau verwehrt. Im Klartext: Man machte ihm klar, dass er nicht über die nötige Qualität verfüge, um den Sprung in die U16 zu schaffen. Was für eine bittere Pille! «Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen», blickt der heute 23-jährige Abwehrspieler zurück. «Die leidige Erfahrung hat mich zweifellos geprägt. Und nach diesem Rückschlag fasste ich den Entschluss, meine ganze Kraft für die berufliche Zukunft einzusetzen.»

«Vielleicht kommt ja noch ein gutes Angebot»

Nach einer dreijährigen KV-Lehre und der Rekrutenschule trat Weilenmann im Juli 2016 die Stelle als Gemeindeschreiber-Stellvertreter in Bellikon an. «Die Arbeit ist abwechslungsreich, fordernd und verantwortungsvoll», sagt Weilenmann. «Ich habe in der Vergangenheit viele interessante Menschen kennen gelernt. Die Arbeit macht mir grossen Spass.»

Weilenmann hat die Ausbildung zum Gemeindeschreiber noch nicht beendet. Momentan ist er an der Fachhochschule in Windisch und bereitet sich auf die Abschlussprüfungen im Frühling 2020 vor. Nun bin ich auf der Zielgeraden und werde alles geben, um die Prüfungen erfolgreich zu bestehen», sagt Weilenmann.

Yves Weilenmann als Gemeindeschreiber? Gut möglich, aber nicht sicher! Das Reizwort Profikarriere steht nach wie vor im Raum. Das Thema ist längst nicht vom Tisch. «Ich schliesse nicht aus, dass ich bei einem guten Angebot doch noch auf die Karte Fussball setze. Im Kollegenkreis werde ich oft auf dieses Thema angesprochen. Viele trauen mir den Sprung zu. Es bedeutet mir allerdings viel, dass ich als Gemeindeschreiber einen sicheren und interessanten Job habe, Aber vielleicht kommt ja in nächster Zeit doch noch ein gutes Angebot.»

Als offensiver Verteidiger zu einer Teamstütze gereift

Kommt Zeit, kommt Rat: Wie wäre es beispielsweise mit einem Profivertrag beim FC Aarau? Klar ist: Weilenmann ist in Baden einer der auffälligsten Spieler. Im Verlauf der vergangenen sechs Jahre machte er grosse Fortschritte und ist zu einer Teamstütze avanciert. In der vergangenen Saison zeigte er konstant starke Leistungen und erzielte sechs Tore.

Er ist läuferisch stark, konditionell voll auf der Höhe und interpretiert seine Rolle als Rechtsverteidiger sehr offensiv. Verbessern kann er sich nach eigener Aussage im Defensivverhalten und in den Zweikämpfen. Im Klartext: Weilenmann muss spritziger werden. Und das kann er nur, wenn er das eine oder andere Kilogramm weniger auf die Waage bringt. Na dann Yves Weilenmann! Schwitzen ist angesagt, also ab in die Sauna!